Neue Bands und Institutionen rocken Neumarkter Altstadtfest – Kritik am Zeitplan

Von Rock-Klassikern bis Newcomer-Sound: Das Altstadtfest Neumarkt zeigte an drei Tagen, was die heimische Musikszene draufhat. Mit dabei: alte Hasen wie „Converted“, überraschende Newcomer aus Mistelbach – und Solo-Künstler, die sich mehr Sichtbarkeit wünschen.
Es ist beeindruckend, wie unterschiedlich und teils auch erstaunlich kreativ die Szene an Bands und Solo-Künstlern des Landkreises Neumarkt ist. Wieder einmal haben es die Macher des Musikprogramms geschafft, diese Vielfalt drei Tage beim Altstadtfest zu präsentieren.
Zum ersten Mal in Neumarkt, gerade einmal ein Jahr zusammen und mit der ungewöhnlichsten Schreibweise aller Bandnamen, nämlich „CM2GTHR“, versehen: Mit „Come Together“ steuerte am ersten Festabend Neumarkts Partnerstadt Mistelbach eine Labsal für all jene bei, die auf (Pop-) Rock etwa von den Beatles, Tina Turner oder Golden Earring stehen. Da flogen weniger die Fetzen als vielmehr die T-Shirts ins Publikum – bedruckt mit den erwähnten sieben Buchstaben. Das waren die Preise für so „schwere“ Fragen wie „Wie heißt dein Mann?“
Musikalische Gäste aus der österreichischen Partnerstadt
Bernd Reis, Peter Weik und Michi Huppmann an den Gitarren sowie Roman Schöber am Schlagzeug sind alte Haudegen der Szene von Mistelbach und vom angrenzenden Weinviertel. Sie wollten typisch österreichische Gaudi nach Neumarkt mitbringen.
Vater und Sohn Habel einigIn Neumarkt daheim sind die drei Zürcher-Brüder René, Luca und Fabian sowie der bestens in der hiesigen Bandszene verwurzelte Johannes Ramsauer aus Berngau. Von Hits wie „Rockin’ all over the world“ (Status Quo) bis zur Spezialität „Learning to Fly“ (Tom Petty) zeigten die Vier, wie sehr sie erfolgreich an Qualität als Rock-Cover-Quartett gearbeitet haben.












René Zürcher beschrieb den Weg seiner als Band bei Hochzeiten spezialisierten Formation zu diesem Fest: „Weil wir nicht so oft auf diesen spielen können, traten wir immer häufiger auf Kirchweihfesten auf. Dann ging es Richtung Neumarkter Volksfest und zuletzt aufs Kneipenkarussell.“ Fürs Altstadtfest habe man die Setlist zu 70 Prozent erneuert.
Auch wenn der Vergleich mit den „Rolling Stones“ schon einen „sooooo langen Bart“ hat: Mit jedem Jahr und damit mit jedem neuen Vergleich wird deutlicher, welch’ eine Sonderstellung Neumarkts Rock-Institution „Converted“ hat. Bei den „Stones“ liegt die Gründung schon fast 63 Jahre zurück; „Converted“ hat am 3. Juni 1967, also vor 58 Jahren, im damaligen „Silberhorn-Saal“ in Stauf ihren allerersten Auftritt gehabt.

Seit es das Neumarkter Altstadtfest gibt, ist der Samstagabend auf der Bühne am Unteren Markt für Neumarkts fünf Evergreen-Rocker reserviert.
Gitarrist Helmut Habel sah den Auftritt heuer als große Herausforderung: „Unser letzter davor war Ende November. Wir haben vor dem Termin jetzt viel geprobt. Denn schließlich sollten auch die Texte wieder sitzen.“ Auch wenn „Converted“ beim Jura-Volksfest sowieso nicht spielen, Helmut Habel zieht das Altstadtfest diesem ohnehin vor: „Es gibt so viel mehr Anlaufstationen als beim Volksfest. Hier kann ich mir aussuchen, zu welcher der fünf Bühnen ich will.“
Ein Programmpunkt hatte für Helmut Habel genauso viel Wert wie der seiner eigenen Band: Am Samstag waren die „Tagediebe“ die vorletzte Band vor „Converted“. Bei diesen ist Habels Sohn Constantin Lead-Gitarrist. Habel sowie Alexander Gsell (voc.; bass), Christian Hilbig (voc.; keyboards) und Leon Kopp (drums) haben ihre Bedeutung für die Neumarkter Bandszene ausgebaut.

Ein Spezies hat’s schwerSie haben den Anteil an selbstgemachten Stücken in ihrem aktuell gut 20 Stücke großen Repertoire noch einmal vergrößert. „Drei, vier eigene Stücke sind seit dem letzten Auftritt vor zwei Jahren dazu gekommen.“ Sehr freuen würden sich er und die anderen Drei, wenn nicht nur die eigenen Fans, sondern auch manch andere stehen bleiben und zuhören. Das geschah denn auch: „Tagediebe“ sind fulminant, erfrischend und intelligent.
Eine Seltenheit in der heimischen Musikszene sind Solo-Künstler. Leider hat die Musik-Organisation beim heurigen Fest drei Solisten auf den gleichen Tag und auch noch auf dieselbe Stunde bei wenigstens drei unterschiedlichen Bühnen gelegt: „DWeP“ (Der Weigl-Peter aus Berching) sowie die Neumarkter Josef Schön und Marijana.
Künstler üben Kritik an Zeitplan und langen Wartezeiten für heimische Bands
Die Letztgenannte ärgerte sich darüber gescheit. Auch Peter Weigl fand das „sehr schlecht“. Zumal es stilistische „Überschneidungen“ bei den Solisten gegeben habe. Grundsätzlich, so Peter Weigl weiter, solle schon überlegt werden, ob die Einzelkünstler nicht über die drei Tage verteilt werden. Eines schätzen die Drei an diesem Fest grundsätzlich sehr: Einmal im Jahr in Neumarkt nicht in kleinem, sondern in großem Rahmen auftreten.
Mit einem weiteren Kritikpunkt spricht Peter Weigl an, was am vergangenen Wochenende auch von Mitgliedern anderer Bands auf Nachfrage zu hören: „Warum müssen manche heimischen Bands vier Jahre warten, bis sie wieder einmal bei diesem Altstadtfest spielen können?“ Dafür würden Bands von auswärts verpflichtet.