Finale furioso auf der Piazza: BAP begeistert die Fans fast dreieinhalb Stunden lang

Die Kölner Musiker haben besondere Erinnerungen an die Oberpfalz und kamen vielleicht auch deshalb mit großer Spiellaune im Gepäck. Ihr Konzert auf der Piazza traf am Samstag zudem mit einem besonderen Datum zusammen: Zum 39. Mal jährte sich das Anti-WAAhnsinns-Festival. Auch dort waren BAP damals dabei.
„Verdamp lang her“ ist der Name des erfolgreichsten Songs der Kölschrocker BAP. Und irgendwie war es auch so etwas wie das inoffizielle Motto des Konzerts von Niedeckens BAP auf dem Piazza-Festival, wie sich die 1976 von Frontmann Wolfgang Niedecken gegründete Band nach einer Umbesetzung mittlerweile nennt. Denn das erste Mal hatte BAP 1987 im Gewerbepark unweit der Piazza gespielt – in der damals neu eröffneten Donauhalle, die schon lange nicht mehr existiert. Im Gegensatz zu BAP, die 2026 ihr 50-jähriges Bestehen feiern können. Nicht nur die Band wurde vor einer verdammt langen Zeit gegründet, auch über 30 dargebotenen Songs hatten Oldtimer-Status: Denn, so die Spielregeln der aktuellen „Zeitreise“-Tour, kein Song dürfe beim Konzert jünger als 40 Jahre alt sein, wie Regensburg-Fan Wolfgang Niedecken bereits im Vorfeld im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern verraten hatte.
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Arthur Theisinger, Geschäftsführer von Veranstalter Power Concerts, hat ohnehin eine besondere Verbindung zu BAP: Deren ehemaliger, inzwischen verstorbener Manager Roland „Balou“ Temme überredet nämlich Theisinger vor fast vier Jahrzehnten, ein Konzertbüro zu betreiben, da er einen Veranstalter im Raum Regensburg suchte. Wie passend, dass sich am Samstag zum 39. Mal das „Anti-WAAhnsinns-Festival“ jährte, das am 25. und 26. Juli 1986 über 100 000 Besucher – und auch BAP als Künstler – nach Burglengenfeld gelockt hatte. Kein Wunder also, dass für Theisinger, der mit dem Piazza-Festival heuer „sehr zufrieden“ war, das Abschlusskonzert das Highlight darstellte. „Auch wenn Takida, die ausverkauften Konzerte von Johannes Oerding und Pizzera & Jaus sowie die No Angels auch sehr gut waren“, freute sich der Chef von Power Concerts über viele gelungene Abende.
„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“
Der Schlusspunkt war nicht nur seiner Ansicht nach „legendär“, denn Niedeckens BAP sollten fast dreieinhalb Stunden die Piazza rocken. Sie belohnten damit das Durchhaltevermögen der Fans, die dem Regen getrotzt hatten. Der gut gelaunte Wolfgang Niedecken hatte mit Blick auf das komplett gefüllte Rund erfreut festgestellt, dass alle Gäste „gut eingekleidet“ waren: „Schon unsere Mütter haben gesagt: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung.“ Bislang hätten seine acht musikalischen Mistreiter und er auf der Tour „witterungstechnisch Schwein gehabt“, vor Regensburg hätte es nur in Mönchengladbach geregnet. Die Stimmung sei trotz der Nässe jedoch hervorragend gewesen – und so war es auch in Regensburg. Die Vollblutmusiker überzeugten mit großem Können, enormer Spielfreude und durften sich, wie auch die Zuschauer, über perfekten Sound freuen. Und über einen kräftigen Schluck aus dem Jungbrunnen, denn die Song-Klassiker würden die Zuhörer, die sie mehrheitlich damals schon kannten, „um 40 Jahre jünger machen“.
Ab und an verriet Niedecken die Entstehungsgeschichten zu Songs. So hätte seine damalige Freundin die Herausforderung „Wäsche waschen“ in einem neu eröffneten Waschsalon so bravourös gemeistert, dass er, schwer beeindruckt, noch vor der Ankunft im holländischen Urlaubsort den gleichnamigen Song geschrieben hatte. Weitere unterhaltsame Anekdoten betrafen den ersten Auftritt außerhalb Kölns für die „Rekordgage“ von 400 Mark und eben das Mitwirken beim „Anti-WAAhnsinns-Festival“. Und als ob das nicht genug Verbindung zur Region wäre, überraschte Niedecken mit dem Auftritt von Hannes Ringlstetter die begeisterten Zuschauer. Zusammen intonierten sie „Weißte noch?“.
Anti-AfD-Banner zieht vor die Bühne
Auch die Fans waren zuvor schon aktiv ins Programm eingebunden worden: Nachdem die Band laut Niedecken bereits „genug gegrölt“ hätte, sei nun das Publikum an der Reihe. Das Publikum wies bei „Jraaduss“ gekonnt nach, dass es auch ohne G – das es im Kölsch laut Niedecken nicht gibt – beim Singen auskommen konnte. Der Bandleader berichtete noch von einer in den Sand gesetzten DDR-Tour, bei der sich die Band nicht hatte zensieren lassen wollen und so am Abend vor dem Tourauftakt in Magdeburg zurück in den Westen abgereist war – und auf 15 gebuchte Auftritte verzichtete. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse bewies auch bei einem Anti-AfD-Banner Haltung und forderte die Träger auf, es direkt vor der Bühne zu präsentieren.
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Wenn man lange genug spielt, dann ist die Chance größer, dass der Regen aufhört. Und so kam es dann auch, was zu diesem besonderen Abend passte. Grandiose Musiker – allein Anne de Wolff spielte eine zweistellige Anzahl an Instrumenten – zelebrierten die Klassike.
Als dann „Verdamp lang her“ angestimmt wurde, erreichte die glänzende Stimmung ihren Siedepunkt. Doch Niedeckens BAP hatte noch Lust auf mehr und spielte bis kurz vor 22 Uhr zahlreiche weitere Songs. Ein echtes Finale furioso für das Piazza-Festival. Oder in den Worten von Arthur Theisinger: Legendär“.