Bei Johannes Oerding in Regensburg: Die Zeit steht still auf der Piazza

Von Robert Torunsky · 20. Juli 2025 um 15:37

Der Künstler bringt neben einer guten Band und tollem Sound auch enorme Spielfreude, eine besondere Interaktion mit Fans und viel Charme zu seiner Show im Gewerbepark mit.

Die Rezeptur für ein großartiges Konzert definiert jeder anders, aber zur Schnittmenge gehören sicher ein guter Sound, eine tolle Band und die passende Location. All dies hatte der lange ausverkaufte Auftritt von Johannes Oerding beim Piazza-Festival im Gewerbepark Regensburg, veranstaltet von Power Concerts, doch der 43-Jährige gab noch enorme Spielfreude, eine besondere Interaktion mit Fans, viel Charme und einen starken Support Act dazu.

Singer-Songwriterin Revelle eröffnete mit ihrer Band gekonnt den auch in Sachen Wetter wunderschönen Sommerabend. Die 24-jährige gebürtige Wienerin war schon 2021 mit auf Tour und durfte sich erneut über die Chance freuen. Durchaus eine Auszeichnung, denn Oerding ist nicht nur durch seine Gastgeberrolle bei der beliebten TV-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ ein gefragter Mann.

Junge Künstler mit Ticket-Kauf unterstützen

Er selbst wurde ebenfalls als Vorband bekannt, als er 2009 die Shows von „Simply Red“ und „Ich + Ich“ eröffnete. Entsprechend authentisch war auch der später sympathisch vorgetragene Appell an die Fans, aufstrebende Künstlerinnen wie Revelle mit dem Kauf von Tickets bei Auftritten zu unterstützen.

Oerding selbst startete seinen Liederreigen mit dem noch unveröffentlichten Titel „Hier gehöre ich hin“: Gleichermaßen passend für die Bühne an sich und für Regensburg speziell, wo er schon mehrfach aufgetreten war und wo er später auch ein Wiedersehen ankündigte.

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Song Nummer zwei war mit „Kreise“ gleich einer seiner bekanntesten. Der gebürtige Münsteraner war richtig gut drauf: Mit „Servus“ begrüßte er die Fans – und auch die Kiebitze, die den Konzerten auf dem Piazza-Festival traditionell aus geöffneten Fenstern der umliegenden Bürogebäude beiwohnen. „Nächstes Mal lass ich die Bäume wegmachen“, sagte Oerding spitzbübisch im Hinblick auf noch bessere Sicht von den unbezahlten Plätzen.

Dass er sein Publikum kennenlernen möchte, war dagegen ernst gemeint. Schon beim zweiten Song war Johannes Oerding in der Menge unterwegs. Zurück auf der Bühne bat er, die Fans sollten an diesem Abend die Welt draußen nicht vergessen, „aber kurz auf Pause drücken und eine schöne Zeit haben“. Und das gelang – auch generationenübergreifend: So hatte Oerdings „gute Freundin Inge“ mit ihren 78 Lenzen einen genauso schönen Abend wie auch die jüngeren Besucher.

Mit Oerding-Liedern Deutsch gelernt

Unvergesslich wird das Konzert für Fabio und Lorena bleiben: Die jungen Italiener hatte Oerding in München kennengelernt und sie erzählten ihm, dass sie mit seinen Songs Deutsch gelernt hatten. Das Pärchen war zu Gast im Publikum und hatte nicht damit gerechnet, dass ihnen ein eigenes Lied gewidmet wurde. Eigentlich waren es sogar zwei, die Oerding quasi aus dem Hut, seinem Markenzeichen, zauberte. Mit Gitarre und Tablet gab er inmitten des Publikums ein paar passende Begriffe – zunächst auf Deutsch, später dann Italienisch – zu Fabio und Lorena ein und die KI schuf in Windeseile zwei Songs. Die Lieder begleitete der Sänger dann auf der Akustikgitarre selbst und sang das doppelte Ständchen. Obwohl er nach eigenen Angaben kein Italienisch spricht: Es klang richtig gut.

Zuvor hatte Johannes Oerding weitere Kostproben seines Könnens gegeben – und auch zu sich genommen. Bei „Nie wieder Alkohol“ trank er zwei regionale Überraschungsschnäpse, um eine beeindruckende Version von Whitney Houston „I will always love you“ zum Besten zu geben. Jeder Ton des sehr anspruchsvollen Titels saß, was Oerding selbst augenzwinkernd zur Kenntnis nahm: „Der alte Mann kann es noch.“ Das galt auch für seine Musiker, die sich bei Drum- und Bass-Solo kurz austoben durften. Nach gut einer Stunde präsentierte Oerding seinen „persönlichsten und wichtigsten“ Song: „Eins-zu-eins-Gespräch“, seinem mittlerweile verstorbenen Vater gewidmet. „Ich bin froh, dass ich ihn und noch rechtzeitig geschrieben haben“, gab der Künstler emotional Einblick in sein Seelenleben.

Dann wurde es wieder stimmungsvoller: Bei „An guten Tagen“ wurde die komplette Piazza zum Winke-Meer mit lautstarkem Chor. Die Zugaben „Wenn Du lebst“, „Zurück“ und „Für immer ab jetzt“ wären ein guter Abschluss gewesen. Die begeisterten Fans forderten jedoch noch mehr. Nachdem er sich das Okay von der Technik geholt hatte, spielte Oerding solo „Für immer ab jetzt“. Wie die Zeile in dem Song stand die Zeit auf der Piazza kurz still und wohl jeder Gast wollte – die nachfolgende Songzeile – diesen Moment für immer behalten. Und da Oerding seinen Hut nie abgenommen hat, kann man bei diesem starken Auftritt nur sagen: Chapeau!