Altes Rewag-Gebäude in Regensburg: Vom Abriss-Objekt zum dritten Rathaus

Vor ein paar Jahren galt in Regensburg: Der ehemalige Sitz des Energieversorgers Rewag soll Wohnbau weichen. Jetzt will die Stadt viele Millionen in das Gebäude investieren – für ein „Rathaus der Zukunft“. Wie kam es dazu?
Der ehemalige Sitz der Rewag in der Greflingerstraße im Stadtosten hat einen steilen Aufstieg vor sich, zumindest wenn es nach der Stadt geht. Nach dem Auszug des Energieversorgers 2021 galt das Gebäude als Abrissobjekt. Seit dem Auszug des Impfzentrums 2022 steht es leer. Nun sieht die Stadt es als „Rathaus der Zukunft“, so bezeichnete es der städtische Hochbauamtschef Christoph Peytard im Verwaltungsausschuss am Donnerstagabend. Ein Teil der Stadträte blickt allerdings kritisch auf das Vorhaben.
Die Stadt hat mehr als 4000 Mitarbeiter. Da das Alte und das Neue Rathaus bei Weitem nicht für sie ausreichen, hat sie etliche Objekte angemietet. Derzeit gibt sie für 24 500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für rund 900 Beschäftigte pro Jahr 3,8 Millionen Euro aus, wie Peytard sagte. Mit der Nutzung des alten Rewag-Gebäudes lasse sich diese Summe schätzungsweise um eine knappe Million Euro reduzieren – in einem ersten Schritt.
Die erste Phase: Die Sanierung des Bestandsgebäudes
„Die erste Phase wäre die Sanierung des Bestandsgebäudes, da könnte man rund 285 Arbeitsplätze schaffen.“ Dafür veranschlagt die Stadt 38,6 Millionen Euro. Einziehen könnten im Wesentlichen die Beschäftigten, die in der Johann-Hösl-Straße im Südosten arbeiten, was laut Peytard „extrem grenzwertig“ ist; dort sind Ordnungs-, Sozial- und Seniorenamt ansässig. Ein Ersatzneubau in der Greflingerstraße würde 43,5 Millionen Euro kosten, dazu kämen vier Millionen Euro Abbruchkosten.
Auf dem Areal könnten noch ein Parkhaus und drei weitere fünfgeschossige Baukörper mit insgesamt 450 Arbeitsplätzen entstehen, zu den Kosten dafür könne er noch nichts sagen, so Peytard. Das ergibt in der Summe 735 Arbeitsplätze, die sich 900 Mitarbeiter teilen sollen. Beratungsräume seien im neuen dritten Rathaus im Erdgeschoss vorgesehen, in die oberen Stockwerke kämen die Bürger nur in Begleitung. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, „wie wichtig es ist, dass man sich auch vor möglichen unrechtmäßigen Angriffen schützen kann“. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) hatte sich zuletzt auch eine Pforte im Alten Rathaus gewünscht, die Beschlussvorlage aber wieder zurückgezogen, weil sich keine Mehrheit dafür abzeichnete.
Am Donnerstag sorgte Peytards Einschätzung des Zustands des Gebäudes in der Greflingerstraße für eine kleine Debatte. „Die Statik ist in einem sehr guten Zustand“, sagte er. Vorgesehen sei eine schonende Sanierung, bei der die Backsteinfassade bleibt und wenig in die innere Struktur eingegriffen wird. Das sei günstiger und ökologisch besser, allein bei einem Abbruch würden 1600 Tonnen CO2 vernichtet. CSU-Stadtrat Josef Zimmermann zeigte sich irritiert. In seiner Zeit als Rewag-Aufsichtsrat habe ein Vorstand gesagt: „Das ist schlicht nicht sanierungsfähig aus brandschutztechnischen Gründen.“
Die OB sagte: „Meine persönliche Einschätzung ist: Man wollte einfach neu bauen.“ Stadtwerk-Chef Manfred Koller widersprach: Damals sei ein Verkauf des Geländes an einen Investor zu Wohnbauzwecken als günstiger eingeschätzt worden als ein Neubau auf demselben Gelände, für den ein Ersatzstandort für die Mitarbeiter von Rewag und Stadtwerk nötig gewesen wäre. 2021 erwarb die Stadt die Immobilie für 11,6 Millionen Euro. Eine Sanierung könnte 2027 beginnen und 2029 abgeschlossen sein.
Brücke-Fraktion ist für einen Verkauf des Geländes
Die Brücke ist auch heute für einen Verkauf des Geländes an einen Investor. Stadtrat Florian Rottke sagte: „Dort Wohnraum zu schaffen, hielten wir für wichtiger.“ Fraktionschef Thomas Thurow erklärte: Falls sich die Stadt für ein drittes Rathaus in der Greflingerstraße entscheide, müsse sie das Gesamtkonzept mit den Neubauten verfolgen, um die Fläche auszunutzen. Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger) kritisierte in Bezug auf die Sanierung: „Das rechnet sich nie. Das geht nur, weil es die Stadt macht.“ Zimmermann sagte, er wäre „nicht unglücklich, wenn es ein wenig günstiger ginge“.
Die OB räumte ein: „Das ist richtig, dass das Ganze nur richtig Sinn macht, wenn es im Endausbau ist.“ Ansonsten sei das Grundstück „ideal“. Bei den Grünen fand der „ressourcenschonende Ansatz“ Anklang. Stadtrat Stefan Christoph lobte, dass Mietkosten wegfielen: „Das hat auch Potenzial, am Ende den Verwaltungshaushalt zu entlasten.“ AfD-Stadtrat Thomas Straub zeigte sich überzeugt, dass sich angesichts der Entwicklungen bei der künstlichen Intelligenz künftig Arbeitsplätze einsparen lassen.