Zwischen Kirche und Kugelbahn: Kontroverse Debatte um Neues am Heilbrünnl in Roding

Von Christoph Klöckner · 26. Juli 2025 um 05:00

Wie viel Freizeit verträgt ein Wallfahrtsort und Denkmal wie das Heilbrünnl? Das hat am Donnerstag der Rodinger Stadtrat debattiert. Die Stadt möchte mit einem Leader-Projekt das Heilbrünnl aufwerten, barrierefrei und sicherer machen. Der Plan wurde heiß diskutiert, wobei die Details noch offen sind.

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Bürgermeisterin Alexandra Riedl beschrieb kurz die Ziele, die mit dem Projekt erreicht werden sollen. Man wolle sowohl den Parkplatz, den Kreuzweg, die Straße zum Heilbrünnl wie auch den Vorplatz der Kirche durch bestimmte Maßnahmen aufwerten. Wichtig sei etwa die Barrierefreiheit, die etwa auch fürs Kneippbecken erreicht werden soll: „Es geht um Inklusion, Naherholung und um Angebote für Kinder“, so Riedl.

Stolperfallen beseitigen

Dazu solle der Kreuzweg von Stolperfallen befreit, mit Handlauf und Lichtpollern versehen werden. Umgesetzt werden soll an der Straße entlang auch die Idee von Stadtrat Stefan Straßburger, dort eine Kugelbahn zu bauen, dazu ein Lehrpfad mit Stationen. Im September solle der Antrag auf Fördermittel gestellt werden.

Planer der Stadt ist der Rodinger Architekt Florian Brunner vom Büro quadrat45°, der bereits einmal ein Leader-Projekt in Roding umgesetzt hat. Das jetzige firmiert unter der Überschrift „Grüß Gott Heilbrünnl“. „Das ist eine Herausforderung!“, sagte Brunner im Stadtrat. Zum einen, weil der Platz an sich durch den Anstieg schwierig sei, zum anderen, weil natürlich die Kirche und der Denkmalschutz mit im Boot seien. Er stellte die Ideen vor, die – in Bausteinen aufgeteilt – hier infrage kommen.

Ein Ort der Begegnung

So soll am unteren Parkplatz ein Inklusionsplatz als Ort der Begegnung für alle entstehen, wo etwa Bewegungs- und Spielgeräte für alle Generationen stehen könnten. Das komme Familien entgegen, die sich teure Freizeitvergnügen heute nicht mehr leisten könnten. Ob man so etwas wirklich brauche, sei eine subjektive Entscheidung, sagte Brunner.

Der Ort der Begegnung sei einmal oben auf dem Vorplatz der Kirche angedacht gewesen, doch habe die Denkmalpflege hier gleich abgewunken. Der zweite Baustein sei der Kreuzweg, der mit Handlauf, Licht und der Beseitigung von Stolperfallen saniert werden soll, um besser begehbar zu sein.

Die Kugelbahn an der Straße

Baustein 3 sei der Bau einer Kugelbahn von oben bis unten entlang der Zufahrtsstraße, was herausfordernd sei, da links und rechts des Weges wenig Platz sei und Abgrabungen nötig seien. Baustein 4 sei der Vorplatz vom Heilbrünnl, wo Barrierefreiheit ein Thema sei, ebenso wie beim Baustein 5, dem Kneippbecken. Insgesamt sei das Projekt eine Aufwertung für Roding, wobei in bestimmten Bereichen wie dem Kreuzweg aufgrund des Denkmalschutzes nur leicht und mit pflegenden Maßnahmen eingegriffen werden könne: „Es wird nicht alles neu gemacht!“

Entlang der Kugelbahn und dem Lehrpfad sollten einige Stationen entstehen. Hier seien vor allem die Erdarbeiten Kostentreiber. Am Vorplatz der Kirche soll laut den Denkmalschutzbehörden jedoch wenig verändert werden – auch der Umbau zur Barrierefreiheit sei da nicht sicher. Eine Vorgabe sei nur, dass dort Granit verbaut werden müsse, sagte Brunner.

Der Parkplatz sei ein schattiges, nasses Loch und eher nicht geeignet für einen Ort der Begegnung, bemerkte Stadtrat Josef Pfeffer. Stadtrat Richard Seidl fand, dass ein Inklusionsplatz bei der Kirche besser sei und fand es „beschämend“, dass die Kirche hier gegen Behinderte votiere. Was ihm auch fehle, seien dort Behindertenparkplätze. Die Bürgermeisterin betonte, dass hier vom Denkmalschutz und der Kirchenverwaltung nein gesagt werde, um die Alleinstellung der Kirche zu erhalten. Stadtrat Rainer Gleixner betonte, dass hier viel Geld ausgegeben werde solle, was woanders in der Stadt nötiger gebraucht werde.

Nicht kaputt sparen

Rainer Schwarzfischer betonte, dass es sich hier um die Wallfahrtskirche handele. Der Weg hinauf sei steil und eng, „ich glaube nicht, dass dort eine Kugelbahn funktioniert!“ Für ihn sei das ein zu großer Eingriff, der zudem einige Folgekosten nach sich ziehe. Wichtiger sei es für ihn, in den Kreuzweg zu investieren – bei einem Inklusionsspielplatz habe er schon Bedenken. Auch Stadtrat Thomas Reger betonte, dass die Sanierung des Kreuzwegs das drängendste sei. Vor 50 Jahren sei oben bei der Kirche ein großer Spielplatz gewesen, ergänzte Stadtrat Gerd Lehner.

Stadtrat und 2. Bürgermeister Dr. Reinhold Schoierer merkte an, dass man vielleicht an der Größe etwas einsparen könne. Florian Brunner mahnte daraufhin, das Projekt nicht kaputt zu sparen. Er erläuterte, dass nur erst einmal alles erfasst werde, was möglich sei. Es sei gut, dass Kirche und Denkmalschutz engagiert dabei seien – das zeige auch die Wertigkeit des Heilbrünnl. Entschieden werde später. So gab es am Ende doch ein einstimmiges Votum des Stadtrats, das Projekt weiter zu verfolgen.