Warum die neuen Pächter eines Schierlinger Wirtshauses keinen Schweinebraten anbieten

Das Warten in Niedertraubling und Schierling (Landkreis Regensburg) hat ein Ende: Nachdem in den Traditionswirtshäusern im Alten Schloss und beim Kirchenwirt seit Anfang des Jahres die Küche kalt geblieben war, fanden sich nun beinahe zeitgleich neue Pächter für die Restaurants, die in diesen Tagen offiziell eröffnen – mit völlig unterschiedlichen Konzepten. Die Gastronomen berichten von ihren Plänen und erklären, warum Schweinebraten nur bei einem der beiden Lokale auf der Karte steht.
Internationale Einflüsse prägen die Karte des Kirchenwirts in Schierling
Deutlich mehr als nur bayerische Küche möchte Emirhan Kilinç mit seiner Familie im Kirchenwirt in Schierling bieten. „Unsere Küche vereint das Beste aus verschiedenen Kulturen: mediterran, deutsch, türkisch, französisch und asiatisch“, verspricht Kilinç. Für den 22-Jährigen, der in der Gastronomie groß geworden ist, ist der Schritt zum eigenen Wirtshaus ein großes Abenteuer. Die vergangenen zwölf Jahre betrieb die Familie die Dönerbar und Burgeria in Wasserburg am Inn.

Auf der Eröffnungskarte stehen beim Kirchenwirt unter anderem Dry-Aged-Hamburger, Shrimps-Popcorn, Wiener Schnitzel und gegrillter Lachs. Schweinebraten sucht man vergeblich. „Wir packen nichts auf die Karte, das wir nicht selbst probieren können“, erklärt Vater Bülent Kilinç – auch wenn deshalb auch schon Gäste beim Blick auf die Speisekarte aufgestanden und wieder gegangen seien. „Wir wollen hier in Schierling eine besondere Essenskultur mit Genuss, Begegnung und Miteinander etablieren“, sagt Kilinç. Die Vielfalt in einer einzigen Küche sei in der Region wahrscheinlich einzigartig. „Normale bayerische Wirtshäuser gibt es im Umkreis genug. Wir wollen mal etwas neues ausprobieren.“ Für die kulinarische Vielfalt sollen beim Kirchenwirt künftig drei internationale Köche in der Küche stehen – jeder mit seinem eigenen Spezialgebiet. „Wir setzen auf gut ausgebildetes Personal und hohe Qualität beim Essen“, sagt Kilinç.
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Labertaler-Chefin in Schierling als Verpächterin
Um das Wirtshaus im Herzen Schierlings war es Anfang des Jahres ruhig geworden. Labertaler-Chefin Lilo Sillner betrieb mit der Dahoam Gastro GmbH Hotel und Restaurant. Aufgrund von Personalschwierigkeiten musste beides plötzlich schließen – knapp vier Jahre nach der großen Renovierung des Restaurants, des Veranstaltungssaals und des Biergartens. Die Zukunft des Schierlinger Traditionslokals war ungewiss. Nach gut einem halben Jahr ist der Stillstand nun vorbei. Sillner wechselt in die Rolle der Verpächterin und Familie Kilinç übernimmt das tägliche Geschäft in Restaurant und Hotel.
Vor einer Woche feierte der Kirchenwirt die große Eröffnung – und zahlreiche Schierlinger feierten mit. „Wirtshaus und Biergarten waren voll. Wir waren begeistert von den Rückmeldungen, auch wenn am Anfang nicht alles rund läuft“, sagt Kilinç. Er fühlt sich von den Einheimischen gut angenommen. „Wir sind auf einem guten Weg, in Schierling anzukommen.“
Altes Schloss in Niedertraubling setzt auf Tradition
Mihaela Scutca und Rean Hadzhihasan hielten schon über mehrere Jahre Ausschau nach einem passenden Objekt, um ihren Traum vom eigenen Wirtshaus zu verwirklichen. „Wir sind Gastronomen aus Leidenschaft und freuen uns über die neue Aufgabe im Alten Schloss“, sagt Scutca. Die beiden wollen in Niedertraubling ein echtes bayerisches Wirtshaus führen. „Auf dem Dorf sollte man klassisch bleiben. Wir wollen bewusst die Tradition aufrecht erhalten“, sagt Scutca. Neben Schweinebraten und Schnitzel wagt sich die Küche auch an die Sülze, die im originalen Alten Schloss einst lange vor dem Neubau Kultstatus erlangte. „Die Klassiker kommen einfach am besten an“, betont Scutca.

Besonders ans Herz gewachsen sind den beiden in den ersten Wochen die Niedertraublinger Stammtische. „Die bringen sieben Tage die Woche Leben in unser Wirtshaus.“ Die beiden Geschäftspartner haben jahrzehntelange Erfahrung in der Gastronomie und lernten sich als Arbeitskollegen im Peppers in Regensburg kennen. „Wir haben immer wieder über den Traum eines eigenen Wirtshauses gesprochen – und beim Alten Schloss nun zugeschlagen“, sagt Scutca. Seit vier Wochen läuft der Betrieb schon, am Freitag ab 18 Uhr wird die Eröffnung offiziell gefeiert. „Wir freuen uns auf einen vollen Biergarten und tolle Gäste“, sagt Scutca.
Nach dem unrühmlichen Abgang des Vorpächters Anfang des Jahres wollen die beiden im zweiten Anlauf längerfristig neues Leben in das Niedertraublinger Dorfwirtshaus bringen. Die Querelen zwischen ihrem Vorgänger und der Brauerei ließen die beiden unbeeindruckt. „Ich glaube, da wurde vieles dramatisiert. Mit kleinen Problemchen kann man in einem Wirtshaus schon arbeiten“, sagt Scutca. „Auch wenn man ein neues Haus baut, heißt das nicht, dass man es nicht pflegen und immer mal wieder etwas reparieren muss.“
Altes Schloss soll Ortsmittelpunkt in Niedertraubling werden
Ihr Vorgänger hatte bei seinem Abgang zum 1. Februar harsche Kritik an der Kneitinger-Stiftung, Verpächter des Objekts, geäußert. Er kritisierte Baumängel und Planungsfehler in dem erst 2022 neu gebauten Wirtshaus und machte die Stiftung für das Scheitern mitverantwortlich. Kneitinger-Geschäftsführer Leonhard Resch betont auf Nachfrage, man wolle nicht zurück, sondern nach vorne blicken. „Natürlich gab es kleinere Probleme, aber die wurden hochgekocht.“ Er freue sich, dass man nun zwei Wirte gefunden habe, „die unsere ursprüngliche Idee im Rahmen des Umbaus mit Leben füllen“. Mit diesen Partnern könne das Wirtshaus wieder seine angedachte Funktion erfüllen: als Ortsmittelpunkt und Magnet für das gesellschaftliche Leben in und um Niedertraubling.