Ärger beim Alten Schloss Niedertraubling: Schwere Vorwürfe gegen Kneitinger-Stiftung

Von Michael Sperger · 27. Januar 2025 um 17:00

Nach nur zweieinhalb Jahren endet die Zeit von Wirt Stefan Seifert im Alten Schloss Niedertraubling (Landkreis Regensburg) wohl bald. Zum 1. Februar soll er aus dem Wirtshaus sein, der Gastronom übt harsche Kritik am Verpächter, der Kneitinger Stiftung. Das sind die Gründe für seinen Ärger.

Mit der Neueröffnung des Alten Schlosses in Niedertraubling erfüllte sich für Stefan Seifert im Oktober 2022 ein Lebenstraum. Zusammen mit seiner Frau Diána Deli übernahm er als Pächter. „Ich sah es als Privileg, ein Kneitinger-Wirt zu sein“, erinnert sich Seifert. Heute ist der Gastronom auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Zum Monatsende soll er aus dem Wirtshaus raus.

Finanziell geriet der Wirt in Schieflage. Er ist auch sauer auf seinen Verpächter, die Kneitinger-Stiftung. „Wir mussten uns die ganze Zeit neben den normalen Herausforderungen einer Gastronomie noch mit Baumängeln, Planungsfehlern und einer viel zu hohen Pacht herumschlagen“, sagt Seifert. „Unter diesen Rahmenbedingungen ist es unmöglich, dieses Wirtshaus wirtschaftlich zu betreiben.“

Altes Schloss Niedertraubling: Neubau im Dorf umstritten

Im Jahr 2019 entschied sich die Kneitinger-Stiftung dazu, das Alte Schloss abzureißen und umzugestalten. Wirtshaus und Biergarten standen da schon einige Zeit leer. Zuschnitt und Bausubstanz des Gebäudes entsprachen nicht den Anforderungen, die an einen gastronomischen Betrieb gestellt werden, so die Stiftung zu den Gründen für den Neubau. Zur modernen Umgestaltung des Traditionshauses mit hoher Decke und großen Glasfronten gab es schon vor der Eröffnung mächtig Gegenwind aus Niedertraubling.

Am 15. Oktober 2022 eröffnete Stefan Seifert mit leichter Verspätung nach einem Sommer mit Pop-up-Biergarten endlich auch das Restaurant. Doch die Räumlichkeiten waren da, wie er schildert, noch lange nicht fertig. „Die Einfahrt war noch nicht gepflastert, wir hatten noch keine funktionierende Lüftung. Im Endeffekt bewirtschafteten wir noch bis ins Frühjahr eine Baustelle“, sagt Seifert. In regelmäßigen Abständen seien Handwerker ein- und ausgegangen. Ende 2023 hatte er sich dann wegen andauernder Baumängel in einer Mail an die Brauerei-Stiftung gewandt. „Ich habe immer Klartext geredet“, sagt Seifert. In der Mail, die der MZ vorliegt, schreibt der Wirt unter anderem von undichten Fenstern und einer Eingangstür, die sich im Winter kaum öffnen lässt, fehlenden Lagerräumen, flackernden Lampen, einer nicht funktionierenden Lüftung sowie Wasser im Keller. „Kneitinger hat meine Bedenken schöngeredet und abgetan“, sagt der Wirt. Er habe seit 2023 versucht, durch Einladungen an den Stiftungsrat vor Ort gemeinsam Lösungen zu finden. Wahrgenommen wurden diese laut Seifert aber nicht.

Brauerei Kneitinger: Überzeugt vom Konzept Altes Schloss Niedertraubling

Auf MZ-Anfrage zu den Vorwürfen antwortete Leonhard Resch, Geschäftsführer der Brauerei Kneitinger, man könne sich zu Einzelheiten der Vertragsbeziehungen zu Wirten aus Datenschutzvorgaben und aus rechtlichen Gründen nicht äußern. Nur so viel: Vom Konzept „Altes Schloss Niedertraubling“ sei man bei der Brauerei weiterhin überzeugt.

Dass auch Stefan Seifert Fehler gemacht hat, gibt er offen zu. „Die Messlatte wurde bei uns sehr hoch angelegt. Und sowohl im Service als auch bei der Qualität des Essens konnten wir dazulernen und nicht immer die optimale Leistung zeigen“, sagt der Wirt. Auch die Selbstbedienung im Biergarten im vergangenen Sommer sei nicht bei jedem gut angekommen. „Unter anderem Fachkräftemangel und Sparmaßnahmen machten uns das Leben schwer“, sagt Seifert. Insgesamt 15 Mitarbeiter beschäftigt er noch, die meisten davon auf Minijob-Basis.

Das kostet die Pacht im Alten Schloss Niedertraubling

Die Pacht von gut 10 000 Euro sei am Ende nicht wirtschaftlich gewesen – „und im Vergleich zu anderen vergleichbaren Wirtshäusern in der Region und selbst im bayerischen Durchschnitt inklusive Nebenkosten zu hoch“, betont Seifert. Die Pacht habe zusammen mit hohen Einkaufspreisen für die Getränke das Leben für einen Kneitinger-Wirt nicht leichter gemacht. „Da bekommst du als Wirt eine auf den Deckel, weil du zu wenig Bier verkaufst. Manchmal frage ich mich schon, ob die Stiftung wirklich das Wirtshaussterben bekämpfen oder nur den Getränke-Absatz steigern möchte“, sagt Seifert.

Noch bis Freitag – so Seiferts letzter Stand – darf der Wirt das Alte Schloss betreiben. Zum 1. Februar soll er dann raus – und das Dorfwirtshaus steht wohl erst mal ohne Pächter da. Wie es für Familie Seifert persönlich weitergeht, ist noch unklar. Beruflich will der Wirt aus Leidenschaft der Gastronomie aber auf jeden Fall treubleiben. „Ich kann mir nix anderes vorstellen“, sagt Seifert.

Kurz vor der Eröffnung noch mit viel Zuversicht: Stefan Seifert und Diána Deli freuen sich mit Tochter Nati. Foto: Michael Sperger, Archiv