Protestaktion von Bürgern: Traditionswirtshaus in Pentling soll abgerissen werden

Von Josef Eder · 16. Juli 2025 um 10:02

Nun ist es offiziell: Das rund 2000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem das frühere Dorfwirtshaus Altes Tor steht, ist verkauft. Das Gebäude in Pentling (Landkreis Regensburg) wird wohl schon bald abgerissen, um Platz für Mietwohnungen zu machen. Bürger wehren sich und sammelten 127 Unterschriften gegen die Pläne.

Thomas Steger von der Immobilienagentur ImmCo Europe teilt auf Nachfrage mit, aktuell in der Planungsphase zu sein und auch Gespräche mit Bürgermeisterin Barbara Wilhelm geführt zu haben, deren Idee es war, eine kleine Gastronomie miteinzuplanen. „Es wird nach aktuellem Stand keine einziehen. Gespräche mit drei Café-Betreibern verliefen erfolglos“, sagt Steger.

Statt eines Wirtshauses soll hier Wohnraum entstehen, teilt Steger mit. Einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan für den alten Dorfkern gebe es nicht, daher orientiere sich ImmCo an den vorhandenen Bestandsgebäuden. Es werde eine Tiefgarage gebaut, deren Ausfahrt zur Hauptstraße führen wird.

Abriss noch dieses Jahr

Im zweiten Halbjahr werden die Abbrucharbeiten beginnen, so Steger. Den Sommer 2026 hat das Unternehmen als Baubeginn ins Auge gefasst. Was in der Anlage entsteht, wird erst nach der Planungs- und Genehmigungsphase konkret feststehen. Geplant ist ein überschaubares Objekt mit den gesetzlich geforderten Kinderspielplätzen und den Stellplätzen nach gemeindlicher Satzung.

Es sollen keine Eigentums-, sondern Mietwohnungen entstehen, die im Besitz von ImmCo bleiben. Die Bauweise soll größtenteils barrierefrei und klimafreundlich erfolgen: Die Flachdächer sind begrünt, eine PV-Anlage wird mitgebaut. Archäologen begleiten das Projekt. „Der historische Torbogen bleibt erhalten“, betont Steger.

Das Wirtshaus „Altes Tor“ war einst Dorfmittelpunkt und steht inzwischen leer. - Foto: Josef Eder

Einige alt eingesessene Pentlinger und auch Neubürger wollen sich mit den Plänen jedoch nicht abfinden. Sie starteten einen umfangreichen Bürgerantrag. Das Grundstück befindet sich im Herzen des alten Dorfes zwischen dem ehemaligen historischen „Das schöne Wirths-Haus“, das bis vor vielen Jahren die Familie Wittmann betrieb, dem ehemaligen Rathaus, jetzt Kindergarten, und der Papstkirche St. Johannes der Täufer, in der Joseph Ratzinger (später Papst Benedikt XVI.) den Gottesdiensten vorstand.

Später wurde das Alte Tor errichtet, das seine Blütezeit mit der verstorbenen Vollblutwirtin Hanni Schober hatte. Nachdem ihre Nachfolgerin den Pachtvertrag nicht mehr verlängert hatte, wurde das Gasthaus geschlossen. Gerüchte um Nachfolgepächter machten in Pentling die Runde, doch keines wurde wahr. In einem Schreiben nennt der Nachbar Gottfried Gruber das Wirtshaus einen festen Teil des Dorfes, ohne den das soziale Gefüge leide. „Das Dorfwirtshaus Altes Tor spielt eine wichtige Rolle für Pentling. Es ist eine entscheidende Institution für unsere Gemeinschaft, ein Ort an dem wir uns versammeln, Geschichten teilen und gemeinsame Erinnerungen teilen“, schreibt er.

Unterschriften für Erhalt der Gaststätte

Unter anderem war es das Vereinslokal der Feuerwehr Pentling gewesen, habe Einheimische und Touristen angezogen und war ein Ausgangspunkt zum wunderschönen Donautal und zur Papstkirche. Die Geselligkeit, das Klima und das Essen seien einmalig gewesen. „Seit Monaten warten wir darauf, dass es endlich wieder öffnet – doch jetzt wurde bekannt, es soll abgebrochen und durch Wohnungen ersetzt werden“, klagt er. Ökologisch fungiere es mit seinen alten, schattigen Bäumen nicht zuletzt als grüne Lunge.

Gottfried Gruber hat 127 Unterschriften zum Erhalt und für die Einreichung eines Bürgerantrags gesammelt und am 30. Juni im Rathaus bei Verwaltungsleiter Christoph Limmer abgeben. Der Tenor: Der Gemeinderat möge sich mit der Rettung des Wirtshauses Altes Tor befassen. Ein weiteres Argument von Gruber ist, dass der historische Torbogen, der das Gelände zur Schulstraße abschließt, erhalten bleiben muss. „Da es aufgrund der Erstmaligkeit eines solchen Antrags keine Erfahrungen gibt, soll die rechtliche Vorgehensweise geprüft werden“, wurde in der Sitzung des Gemeinderats am 3. Juli dem Gremium mitgeteilt.

Hintergründe zum „Alten Tor

■ Bürgerantrag: Artikel 18b der Gemeindeordnung regelt sogenannte Bürgeranträge, auf deren Grundlage das zuständige Gemeindeorgan eine Angelegenheit behandeln muss: In diesem Fall das Wirtshaus Altes Tor. Der Antrag muss mit Begründung offiziell eingereicht werden und von mindestens einem Prozent der Gemeindebürger unterschrieben sein. Über die Zulässigkeit entscheidet das Gemeindeorgan dann innerhalb eines Monats. Ist die Zulässigkeit festgestellt, ist die Angelegenheit innerhalb von drei Monaten zu behandeln.

■ Überreste: Gottfried Gruber ist der Ansicht, dass sich unter den aktuellen Gebäudekellern Reste der wohl dort vermuteten Pentlinger Burg befinden könnten. Bei Bau des Kindergartens vor 20 Jahren in der Nähe wurde nichts Historisches entdeckt.

■ Pentlinger Burg: Wohl Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut, wurde die Burg, die bereits bei einer Fehde zwischen Hylpolt von dem Stayn mit der Reichsstadt Regensburg in Mitleidenschaft gezogen worden war, innerhalb weniger Jahrzehnte zerstört. Im 19. Jahrhundert wurden noch Reste eines zerfallenen Turms einer hochmittelalterlichen Anlage mit Bergfried und Vorburg erwähnt. Der Burgstall selbst zeigt keine Reste und ist heute nur noch ein Bodendenkmal. lje