Offener Rücken und viele Operationen: Die kleine Melina aus Siegenburg kämpft sich ins Leben

Hinter den Beckerts aus Siegenburg im Landkreis Kelheim liegen bange Monate voller Sorge um ihr Baby. Von ihren zehn Monaten Lebenszeit hat Melina sechs im Krankenhaus verbracht. Wie es weitergeht, weiß niemand. Und jetzt auch noch das: eine größere Anschaffung stellt die Familie vor Schwierigkeiten.
Mama Nancy Beckert streicht ihrem Kind sanft über die Wange, Melina hält noch ein Nickerchen auf der Couch. Die Haare stehen wild ab. Würde man den Schlauch nicht sehen, der an einen Monitor angeschlossen ist, dann würde man vielleicht auf den schnellen, ersten Blick gar nicht merken, dass die Kleine Probleme hat. Wo andere Kinder mit zehn Monaten langsam selbst sitzen, zu krabbeln beginnen und die Welt erkunden, verbringt Melina die Tage meist liegend. Von ihren zehn Monaten Lebenszeit hat sie sechs im Krankenhaus verbracht.
Melina aus Siegenburg hatte einen schweren Start ins Leben
Melina hatte einen schweren Start ins Leben. Schon im Mutterleib musste sie operiert werden, weil beim großen Organscreening eine Spina bifida, ein offener Rücken, festgestellt worden war. „Ich hatte schon während der Schwangerschaft das Gefühl, dass irgendwas nicht passt“, so die junge Mutter. Die OP sollte eigentlich nach der Geburt ein halbwegs normales Leben ermöglichen.
Sie fand 500 Kilometer weg von zuhause statt, in einer Klinik in Marburg, in der man sich auf solche Fälle spezialisiert hat. Ab der 28. Woche verbrachte Beckert dort, fernab von Verwandten und Freunden, viele Stunden allein mit ihren Sorgen und Ängsten. Dann kam die Entbindung, ein Kaiserschnitt, fünf Wochen vor dem eigentlichen Termin. Gleich danach nahmen die Ärzte Melina mit, sie musste erneut operiert werden. „Ich habe das gar nicht so wahrgenommen. Ich dachte, das sei noch wegen der Spina bifida. Ich wusste ja, dass ein Shunt eingesetzt werden musste.“
Die Spina bifida führte bei Melina zu einem Hydrozephalus, zur Ausbildung eines abnormalen Kopfumfangs durch übermäßige Flüssigkeitsansammlung. Die Flüssigkeit staut sich, die Hirnkammern erweitern sich, der Hirndruck steigt. Ein so genannter Shunt soll überschüssiges Hirnwasser ableiten. Aber es gab Komplikationen während der Operation, Melina bekam eine Hirnblutung. „Ihr Kind wird die Nacht womöglich nicht erleben“, sagten die Ärzte dem Paar, das gerade erst zur Familie wurde. Die Erinnerungen daran sind noch sehr frisch, haben sich eingebrannt, Beckert erzählt sichtlich bewegt.
Wir genießen jeden Tag, den wir mit ihr haben. Hauptsache kein Krankenhaus, ich habe eine Krankenhausphobie mittlerweile.
Nancy Beckert, Mutter von Melina
Doch Melina überstand die Nacht, kämpfte sich ins Leben. Tage und Wochen, gefüllt mit bangem Hoffen begannen: „Ich konnte unmöglich auf der Wöchnerinnenstation bleiben, mit all den Müttern, die glücklich ihre gesunden Babys in den Armen hielten“, so Beckert rückblickend. Nach drei Monaten und weiteren OPs durften Mutter und Kind schließlich nach Hause, im Gepäck die Ungewissheit, denn keiner weiß, was die Zukunft bringt. „Wir genießen jeden Tag, den wir mit ihr haben. Hauptsache kein Krankenhaus, ich habe eine Krankenhausphobie mittlerweile.“
Auch das könnte Sie interessieren: Johann-Turmair-Realschule Abensberg heimste den ersten Platz beim Geschichtswettbewerb ein
Nun sind sie also zuhause und bauen sich einen Alltag auf. Wie viel Melina von all dem mitbekommt, das weiß keiner. Melina kann ihren Kopf nicht selbst halten, nicht sitzen, nicht krabbeln, nicht essen und nicht sprechen. Sie wird über eine Sonde ernährt. „Sie hat Schluckstörungen. Wir sind deshalb auch beim Logopäden.“ Die Angst, dass Melina aspirieren, Fremdkörper in die Atemwege einatmen könnte, ist immer da, sie verschluckt sich, sie spuckt oft. In der Nacht wacht ein Monitor über ihr, gibt Alarm, wenn die Sauerstoffsättigung sinkt oder die Herzfrequenz auffällig ist. Auch während des Besuchs ist sie an den Monitor angeschlossen, weil sie an diesem Tag, trotz der Wärme, zu niedrige Temperatur hat.
Für ein rollstuhlgeeignetes Auto fehlt das Geld
Melina wird wahrscheinlich ein Leben lang auf Hilfe angewiesen sein. Gegen die Sorgen gibt es kein Mittel, wohl aber die eine oder andere Maßnahme, die dem Kind das Leben erleichtern soll. „Wir kriegen einen Therapiestuhl und ein Krankenbett“, erzählt Beckert, das zahle die Krankenkasse. Für den Transport des Rollstuhls reicht aber das derzeitige Auto nicht mehr aus. Für ein größeres Auto wiederum fehlt das Geld: All die Hunderte von Kilometern an Fahrten zur Klinik, die ihr Mann wöchentlich runter riss, um seine Frau emotional zu stützen, fraßen große Löcher ins Ersparte. Sich zumindest darüber nicht mehr Sorgen machen zu müssen, wie man künftig trotz Melinas Einschränkungen ein Stück weit mobil bleiben kann, wäre schon eine Erleichterung.
Lichtblick am Horizont für die Siegenburger Familie
Zwischen die dunklen Wolken schiebt sich noch ein anderer Lichtblick: Die junge Familie erwartet Zuwachs: Beckert ist wieder schwanger, diesmal mit Zwillingen. Entgegen der Schwangerschaft mit Melina aber, ist die werdende Mutter bisher sehr ruhig. „Ich kann mir das selbst nicht erklären“, sagt sie. Sie hofft, dass diesmal alles gut gehen wird: Die Untersuchungen verliefen bisher ohne Auffälligkeiten.
Rollstuhlgerechtes Auto: Wer kann helfen?
■ Spenden: Die Familie muss einen größeren Wagen kaufen, in den auch ein Rollstuhl passt. Wer sie dabei unterstützen möchte, kann helfen. Jeder Betrag, egal wie klein, hilft.
■ Infos: Mehr Infos zur Go-Fund-Me-Kampagne gibt es auf https://www.gofundme.com/f/spendenaufruf-fur-unsere-kleine-kampferin-melina.