Johann-Turmair-Realschule Abensberg heimste den ersten Platz beim Geschichtswettbewerb ein

Von Lucia Pirkl · 23. Juli 2025 um 05:00

Siebtklässler überzeugten mit ihrer Arbeit über jüdisches Leben im Mittelalter und fanden Dinge heraus, die auch viele Ortsansässige nicht wissen.

Woher stammt der Begriff „Judensau“? Viele Kinder und Jugendliche werden darauf keine Antwort haben. Die 27 Schüler der Klasse 7 e der Johann-Turmair-Realschule in Abensberg aber, die wissen jetzt mehr darüber, wissen, dass es ein Begriff ist, mit dem Juden bereits im Mittelalter diffamiert wurden. Mit ihrem Beitrag zum „Jüdischen Leben in Abensberg und im Landkreis Kelheim“ haben sie sich jetzt den ersten Preis beim Landeswettbewerb „Erinnerungszeichen“ geholt.

Der stand heuer unter dem Motto „Mittelalter ist überall“. Für Lehrerin Maria Rauscher, die an der Realschule Deutsch und Geschichte unterrichtet, ein willkommener Anlass, ihre Schüler zum Mitmachen zu animieren.

Spurensuche im Archiv

Die Jugendlichen machten sich auf Spurensuche, stöberten unter anderem im Archiv, lernten um die Wichtigkeit historisch fundierter Quellen. „Mir war schon wichtig, dass die Recherche auch wissenschaftlich Hand und Fuß hat“, so Rauscher. In einer fächerübergreifenden Projektarbeit fanden sie heraus, dass früher auch im Landkreis Juden ihre Heimat hatten. In Abensberg gab es sogar einen jüdischen Friedhof und auch eine Synagoge. Spuren jüdischen Lebens kann man an einigen Orten im Landkreis noch finden, wenn man die Augen offen hält. So sind beispielsweise in Kelheimer Fassaden Grabsteine von Juden eingelassen.

Nur der Name der Straße verweist noch darauf, dass es hier einmal jüdisches Leben gab, und zwar etwa zwischen 1348 und 1450, wie die Schüler herausfanden. Wo heute Einfamilienhäuser und große Gärten sind, war wahrscheinlich einst ein Friedhof. - Foto: Pirkl

Vier Wochen hatten die Schüler an dem Projekt gearbeitet, die Ergebnisse schließlich in einem Booklet zusammengefasst. Für die Jugendlichen wurde die Arbeit wie ein Aufsatz in Deutsch und eine Kurzarbeit in Geschichte bewertet.

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Der wahre Lohn kam dann aber „unerwartet“ daher, wie die Schüler im Gespräch sagen. „Wir waren schon sehr glücklich, dass wir eingeladen wurden“, erzählt einer der Schüler im Nachgang. Sie wurden zur Verleihung in den Landtag nach München eingeladen. Dort hatten sie am Rande der Verleihung auch gleich die Gelegenheit, kleine Einblicke in diverse Debatten zu erhaschen, aus denen sich schließlich die Landespolitik speist. Zur Preisverleihung selbst waren Schulen aus ganz Bayern nach München gekommen, die Abensberger Realschule mittendrin.

„Bis zum Schluss wussten wir nicht, welchen Preis wir bekommen“, so Rauscher. Die Konkurrenz war indes stark. „Man muss schon ganz ehrlich sagen, dass auch die anderen Schulen sehr kreative Sachen machten“, erzählt Rauscher im Nachgang. Dann wurden der dritte und der zweite Preis vergeben. Abensberg war nicht dabei. Die Delegation hoffte immer noch auf den Sonderpreis. Als dann der Laudator auf die Bühne trat und ihr Projekt besonders lobte, ihnen Landtagspräsidentin Ilse Aigner schließlich den ersten Preis in der Kategorie Realschule übergab, war das für alle ein besonderer Moment und eine große Überraschung, mit der sie nicht gerechnet hatten: „Das war alles sehr wertschätzend“, so Rauscher.

Hinweisschilder wären toll

„Wir sind sehr glücklich über den Preis“, sagt auch Schülerin Matylda Gabrysiak. „Wir haben Monate daran gearbeitet. (...)In dieser Zeit haben wir auch gelernt, wie wichtig es ist, uns an die Zeit früher zu erinnern“, fasst die Schülerin das Klassen-Engagement zusammen. Und damit diese Erinnerung nicht verpufft, will sich Rauscher dafür einsetzen, dass der Hinweis an jüdisches Leben, an einen Friedhof, an eine Synagoge auch in die Hinweisschilder zur Historie Abensbergs mit einfließt, auf die man in der Stadt immer wieder stößt.

Für die Kinder gab es im Übrigen nicht nur eine Urkunde, sondern auch ein Preisgeld, nämlich 500 Euro. Die werden jetzt, zum Ende des Schuljahres, in einen ganz besonderen Ausflug investiert.

Erster Platz für die Schüler

Auszeichnung: Insgesamt wurden bei der Veranstaltung 25 Schülergruppen ausgezeichnet, 20 Landespreise sowie fünf Sonderpreise wurden vergeben. Ausgezeichnet wurden Schulen aller Schularten aus Bayern.

Ursprung: Der Wettbewerb wurde im Jahr 1998 ins Leben gerufen, findet seit 2007 jährlich statt. Der Wettbewerb wird vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Zusammenarbeit mit dem Haus der Bayerischen Geschichte veranstaltet.