„Dialekt ist die Heimat to Go“: Deininger Bauernseufzer singen Menschen aus der Seele

Ein Seufzer sagt mehr als tausend Worte – vor allem, wenn er aus Deining kommt, auf Deiningerisch ausgestoßen wird und im Takt wippt. Die „Bauernseufzer“ zeigen, wie Dialekt, Couplet und Klarinette gegen Ladensterben und Bauland-Wahnsinn helfen. Das Kult-Trio aus dem Landkreis Neumarkt wurde nun auf der Nürnberger Kaiserburg gekrönt.
Ein „Bauernseufzer“ ist mehr als ein rauchiges Würstl, das nach Stall, Holzofen und Kindheit schmeckt. Es ist auch der Laut, den man macht, wenn das Heu endlich drin ist und der Feierabend ruft. Die „Bauernseufzer“ aus Deining haben diesem Gefühl ein musikalisches Gesicht gegeben: Mundartmusik, die sich nicht anbiedert, sondern die Zuhörer aufrichtet. Am Donnerstag verlieh Heimatminister Albert Füracker dem Trio dafür den Bayerischen Dialektpreis.
Echt, deftig, kräftig, „aas-gschammt“, aber immer humorvoll und herzlich – so beschreiben die Bauernseufzer ihre Lieder und Texte: Markus Moosburger (40 Jahre, Heilpädagoge), Stefan Brock (27, Metallbaumeister) und Daniela Scheuerer (43, Apothekerin), die vor einem Jahr den Part von Crissy Simon übernommen hat.
Festen Platz in der Szene erarbeitet
Mit Oberpfälzer Wirtshausmusik, Couplets und Kabarett ziehen die Bauernseufzer seit rund zehn Jahren durch die bayerischen Wirtshäuser und haben sich einen festen Platz in der Szene erarbeitet. Bei den Brettlspitzen im Bayerischen Fernsehen und anderen TV- und Bühnenformaten sind sie Dauergäste.
Ihr Credo: „Wir möchten die alte Tradition der Volkssänger aufrechterhalten“, sagt Markus Moosburger.„Volksmusik ist die Muttersprache unserer Musik.“ Dieses Kulturgut möchten sie bewahren.
Satirische Ratschläge in Karl-Valentin-Manier
In Karl-Valentin-Manier nehmen sie Szenen aus dem Alltag und aktuelle Themen mit Gesang auf die Schippe und geben satirische Ratschläge, die das Leben leichter machen oder einfach zum Lachen bringen: Das klingt allein bei den Titeln ihres Albums „Grod schäi is“ an, wo es beispielsweise heißt: „Nehman S’an Oidn“ oder „Pudelnackert ohne Hemd“.
Die Geschichte der Bauernseufzer begann auf einem Volksmusikseminar des Landesvereins für Heimatpflege. Doch erst als sie mit Jürgen Kirner auf dem Volksmusikfestival „Drumherum“ zusammentrafen, zündete die Karriere des Trios so richtig: Er holte sie zu den „Brettl-Spitzen“.
Mit dem Namen „Bauernseufzer“ spielt das Ensemble gerne darauf an, dass die gleichnamigen Würstchen schließlich auch eine wahre Oberpfälzer Spezialität sind. Entstanden ist das Trio ursprünglich aus der Fusion zweier Gesangs-Duos – „Zwiadfach“ und „Säißer Sempf“.
Die Protagonisten seien drei „Landkinder“ aus Deining, erklärt Markus Moosburger. Ihre Eltern und Großeltern stammen aus Bauernhöfen. Deswegen trage das Ensemble das Wort „Bauer“ im Namen mit Ehrfurcht und Stolz. „Der Bauernstand ist heutzutage wichtiger denn je“, finden die drei: „Steht er doch für das Ursprüngliche, das Echte, das Lebendige und das Schöpferische“.
Aus den Tiefen der Seele eines Menschen
In punkto „Seufzer“: Dieser komme aus den Tiefen der Seele eines Menschen und will gehört werden. Ähnlich sei es mit den Liedern des Trios: „Die Texte unserer Couplets handeln aus dem prallen Leben und spiegeln das Menschliche wider. Mal gibt's was zum Lachen und mal was zum Nachdenken.“
Die ersten Schnoderhüpfl hat ihm seine Oma beigebracht, erinnert sich Moosburger: „Sie erzählte mir viel aus ihrer Jugend von Bauerhochzeiten, Wirtshaus- und Sitzabenden und wie sich die Leute früher mit Gstanzln und Musik unterhalten haben: Das hat mich fasziniert.“
Von der Bayernhymne zur Baulandhymnse
Seine ersten Auftritte hatte er bereits mit fünf Jahren, mit neun Jahren lernte er Klavier, mit zwölf Akkordeon, heute spielt er noch die Steirische. Auch seine beiden Partner machen seit ihrer Kindheit Musik: Stefan Brock verstärkt das Trio mit Trompete und Bariton, Daniela Scheurer mit Klarinette und Gesang.
„Wir besingen auch Themen aus der Gesellschaft, die nicht so bequem sind“, erläutert Markus Moosburger und erinnert an zur Baulandhymne umgedichtete Bayernhymne, die 2018 für viel Furore sorgte. Denn darin prangern die Bauernseufzer den Flächenverbrauch in den Kommunen an.„Die Texte schreiben wir selbst, legen eine alte Melodie darunter und schon ist ein neues Lied entstanden“, erklärt der 41-Jährige. Vergangene Woche sei so beispielsweise ein Lied über das „Ladensterben in den Altstädten“ entstanden. Das wollen die Bauernseufzer bei der nächsten Brettl-Spitzen-Sendung aufzeichnen.
Impulse zum Nachdenken geben
„Ein Couplet oder Gstanzl kann man wunderbar als Sprachrohr verwenden und Impulse geben“, findet Moosburger. „Wir wollen, dass die Menschen lachen, aber ihnen auch gute Gedanken mitgeben. Wenn Menschen sich begegnen und gemeinsam lachen, da berühren sich Himmel und Erde.“
Bei ihren Auftritten sprechen und singen die Bauernseufzer auf „Deiningerisch beziehungsweise westliches Oberpfälzisch“, erklärt der 41-Jährige. „Die Leute verstehen uns, egal, in welcher Ecke Bayern wir spielen.“ Hochdeutsch sei eine Erfindung für die schriftliche Verständigung. Der Dialekt sei die eigentliche Sprache. Die Mundart könne Gefühle und Sachverhalte viel präziser ausdrücken, habe vielmehr Seele als das Hochdeutsche, meint Moosburger: „Dialekt ist Heimat to Go.“
Zur Zeit sind die Bauernseufzer mit ihrem Kabarett „Fuxdeiflswild“ zusammen mit den Tanngrindler Musikanten unterwegs. Dass sie den Dialektpreis bekommen, kommentierten sie so: „Schön, dass die Bayerische Staatsregierung Dialekt so einen hohen Stellenwert beimisst. Es freut uns und motiviert uns weiterzumachen.“ Verdient hätten den Preis aber ihre Eltern und Großeltern, die ihnen den Dialekt weitergeben haben, und all jene, die ihn pflegen.
Bayerischer Dialektpreis
• Voraussetzungen: Seit 2017 würdigt das Heimatministerium mit dem „Dialektpreis Bayern“ besondere regionale Verdienste um Dialektpflege und -forschung. Die Bezirksheimatpfleger reichen die Vorschläge ein.
• Laudatio: Die „Bauernseufzer“ pflegten mit ihrem Mix aus Kabarett, Couplets und traditioneller Wirtshausmusik „echtes Oberpfälzer Kulturgut“, würdigte Heimatminister Albert Füracker das Trio bei der Preisverleihung am Donnerstag auf der Kaiserburg in Nürnberg. Es knüpfe charmant an die alte Volkssängertradition an. Mit spitzer Zunge und viel Lokalkolorit brächten sie Alltagsszenen und Zeitgeschehen auf die Bühne, lobte der Heimatminister.
• Preisträger: Pro Regierungsbezirk in Bayern gibt es einen Preisträger. Dotiert ist die Auszeichnung mit je 1000 Euro. Bei der Aktion „Dialektbassd“ veröffentlicht das Heimatministerium wöchentlich Dialekt-Reels von Mundart-Spreche