Gefahr und Qualen für Igel: In Regensburg gilt bald ein Nachtfahrverbot für Mähroboter

Von Heike Haala · 17. Juli 2025 um 19:00

Abgeschnittene Ohren, Wangen, Schnauzen, Stirnpartien samt Augen oder Beine sowie bis aufs Fleisch skalpierte Rücken: Die Bilder, die Regensburgs Igel-Mama Bianca Dirigl von gestachelten Gartenbewohnern zeigt, die eine Begegnung mit einem Mähroboter hinter sich haben, sind nichts für schwache Nerven. Umweltbürgermeister Ludwig Artinger (FW) will Massaker wie diese in Zukunft verhindern.

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Auslöser war ein Antrag der ÖDP, der am Mittwoch im Umweltausschuss auf der Tagesordnung stand. Die Fraktion forderte ein Fahrverbot für Mähroboter nach Einbruch der Dämmerung und während der Nachtstunden.

Mähschluss zur Dämmerung

„Die Verbotszeiten sollen sich an den Hauptaktivitätszeiten nachtaktiver Tiere orientieren und den Zeitraum 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang umfassen“, schreiben die Stadträte Benedikt Suttner und Astrid Lamby. Tagsüber aber sollen die Geräte weiterhin genutzt werden können. Auch sollen die Regensburger über die Gefährdung von Igeln und anderen Kleintieren durch den Einsatz von Mährobotern in der Nacht aufgeklärt werden, so die Forderung der ÖDP.

Mähroboter wie dieser sollen in Regensburg bald nicht mehr in der Nacht fahren dürfen. Der Grund: Igel und andere nachtaktive Tiere werden durch sie massiv gefährdet. - Foto: Sascha Thelen/dpa, altrofoto.de (Archiv)

Nachtaktive Tiere seien besonders durch Mähroboter gefährdet

Immerhin seien nachtaktive Tiere wie Igel, Kröten, Eidechsen und Schlangen besonders gefährdet, durch nachts fahrende Mähroboter schwer verletzt oder getötet zu werden, heißt es in der Begründung. „Igel beispielsweise rollen sich bei Gefahr zusammen und sind dann den scharfen Klingen der Mähroboter schutzlos ausgeliefert“, steht in dem Antrag. „Der Verlust geeigneter Lebensräume und die Gefährdung durch Mähroboter tragen maßgeblich zum Bestandsrückgang bei“, zitieren die Stadträte den Standpunkt der deutschen Wildtierstiftung.

Sie verweisen darauf, dass etwa die Stadt Köln bereits ein Nachtfahrverbot für Mähroboter eingeführt hat. In Landshut und Höhenkirchen/Siegertsbrunn seien entsprechende Vorlagen in Planung. In München und Landshut werden ähnliche Anträge von CSU, SPD, Grünen, München-Liste und ÖDP aktuell bearbeitet.

Viele Ämter reden mit

„Wir machen das“, versprach Umweltbürgermeister Artinger ÖDP-Stadträtin Lamby. Er erklärte, dass sich die Stadt bereits das Muster für eine Allgemeinverfügung besorgt habe. Aber diese Allgemeinverfügung – die habe er im übrigen dabei – müsse mit dem Rechtsamt und anderen Ämtern abgestimmt werden. Deswegen sei sie noch nicht fertig. Aber er werde sie unterschreiben. Allerdings: „Eine Allgemeinverfügung ist ein Geschäft der laufenden Verwaltung und nichts für den Stadtrat“, sagte der Umweltbürgermeister. Vor diesem Hintergrund und auf die Bitte Artingers hin erklärte Lamby den Antrag für erledigt. Es gehe um die Sache, der Weg sei ihr egal.

Igel laufen bei Gefahr nicht weg, sondern rollen sich ein. Werden sie verletzt, schreien sie auch nicht und schleppen sich einfach weiter bis sie jemand findet oder sie qualvoll alleine sterben.

Bianca Dirigl, Igelhilfe

Hecken und längere Gräser oder Wiesen nach Igeln absuchen

Eine Person machen Artinger und Lamby damit schon einmal besonders glücklich: Dirigl von der Igelschutzhilfe. „Ich bin voll für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter“, erklärte sie im Vorfeld der Sitzung auf Anfrage. Tagsüber sei es in ihren Augen in Ordnung, die Mähroboter fahren zu lassen. „Aber unter Aufsicht“, forderte Dirigl. Weiterhin schlug sie den Besitzern von Mährobotern vor, die Hecken sowie längere Gräser oder Wiesen kurz nach Igeln abzusuchen.

Denn im Sommer könnten Igelbabys durchaus schon einmal die Umgebung erkunden. Das gleiche wünschte sich die Igel-Mama für den Einsatz von Rasentrimmern und Heckenscheren. Sie erklärte auch, warum: „Igel laufen bei Gefahr nicht weg, sondern rollen sich ein. Werden sie verletzt, schreien sie auch nicht und schleppen sich einfach weiter bis sie jemand findet oder sie qualvoll alleine sterben.“

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Artinger sprach auch die schiere Dauer der Sitzung an, sobald er das Thema nach drei Stunden als 16. von insgesamt 23 Tagesordnungspunkten aufrief. Er verwies darauf, dass an diesem Abend noch einige Tagesordnungspunkte zu besprechen seien, was sich noch eine weitere Stunde hinziehen sollte.