Tierschutz braucht größere finanzielle Unterstützung und mehr Ehrenamt

Von Alexander Frimberger · 17. Juli 2025 um 05:00

Tierschutz kostet viel Geld. Staatliche Förderung gibt es keine. Engagierte ehrenamtliche Mitarbeiter werden immer weniger. „Wenn das so weitergeht, können wir unser Engagement in dieser Form in einigen Jahren nicht mehr weiterführen“, sagt Catrin Röhricht, Chefin der Tierhilfe Weiding-Walting.

„Die Kacke ist am Dampfen“, lautet die plakative Überschrift eines Facebook-Beitrags, in dem Röhricht auf das Problem aufmerksam macht. Sie listet die durchschnittlichen Monatskosten auf: Teilzeitkräfte schlagen mit 1800 Euro zu Buche, planbare Tierarzttermine, wie zum Beispiel Impfungen, kosten rund 2000 Euro im Monat. Und fressen wollen die vierbeinigen Schützlinge natürlich auch. Macht noch einmal 1500 Euro obendrauf.

6000 bis 8000 Euro monatlich

Doch dabei bleibt es nicht. Auf Nachfrage erklärt die Tierschutzchefin, dass es wohl 6000 bis 8000 Euro im Monat sein werden, die aufgewendet werden müssen. Ungeplante Operationen gehören dazu, Wasser, Strom und je nach Jahreszeit mehr oder weniger Heizungskosten. Fahrtkosten sind darin noch nicht eingerechnet. Die werden von den Mitarbeiterinnen zu 90 Prozent aus eigener Tasche finanziert. Auch Hilfs- und Verbrauchsmaterial, Spielzeug, Hundegeschirre und Pflegemittel sind in den Grundbetrag noch nicht eingerechnet.

Das Problem potenziert sich, weil seit Corona die Hilfe von Außen immer weiter zurückgeht und auch das Interesse von Ehrenamtlern stark abgenommen hat. Der Ukrainekrieg hat diese Entwicklung noch weiter verschärft. „Jeder hat so seine eigenen Probleme, und nicht nur wir, sondern viele Vereine merken, es ist nicht mehr so wie früher.“

Ganz konkret sagt Röhricht: „Der Nachwuchs fehlt.“ Sie will dabei gar nicht verhehlen, dass Engagement beim Tierschutz mehr ist, als nur Gassi gehen. Die Zimmer reinigen gehört dazu, die Hunde füttern, bürsten und ähnliche Arbeiten dazu. Natürlich brauchen gerade Hunde Beschäftigung. Das Einüben von Tricks fördert die Hund-Mensch-Beziehung. Bei Katzen, die oftmals verwildert sind, genügt es manchmal schon, wenn man sich einfach in ihrem Zimmer aufhält, damit sie sich an Menschen gewöhnen können.

Als wäre das noch nicht genug, sinken die die Spendenbereitschaft, die Übernahme von Paten- und die Mitgliedschaften. Derzeit arbeiten für die Tierhilfe Weiding-Walting drei Teilzeitkräfte und zwölf Ehrenamtliche ab 18 Jahren. 18 Hunde stehen derzeit zur Vermittlung, weitere sechs, die auffällig geworden sind, werden nicht vermittelt, sondern haben bei Röhricht ihren Gnadenplatz gefunden.

Der Verein steht nicht vor dem Aus. „Aber es ist schon so, dass wir vieles, was wir jetzt noch machen, in Zukunft vielleicht einstellen müssen.“ Gerade hat man eine Gruppe Feldhasenbabys großgezogen und wieder frei gelassen. 1000 Euro waren da gleich ausgegeben. Tierschutz ist eben mehr, als verstoßene Haustiere aufzunehmen. Welche Lösungen gibt es aber für die prekäre Situation?

Für den Fall vorsorgen

Zum einen wirbt die Tierschützerin dafür, Patenschaften zu übernehmen. „Den Betrag kann man frei wählen und bekommt regelmäßige Infos, wie es dem Tier geht.“ Das wäre auch eine gute Möglichkeit für Firmen, sich zu engagieren, findet sie. Schließlich sind Spenden von der Steuer absetzbar.

Ein Hundeführerschein wird ja seitens des Tierschutzes schon lange gefordert. Dann würden nicht so viele Vierbeiner in den Heimen landen. Was Röhricht aber auf jeden Fall fordert: „Wer sich einen Hund zulegt, sollte auf jeden Fall dafür sorgen, dass das Tier versorgt ist, wenn man sich selbst nicht mehr darum kümmern kann.“ Neue Wege geht sie auch, wenn Besitzer ihre Tiere beim Heim abgeben: Sie verlangt eine Abgabegebühr und zusätzlich 50 bis 100 Euro monatlich vom Vorbesitzer. So lange, bis das Tier einen neuen Besitzer hat.

Tierheimbesuch 2024: Da hatte Catrin Röhricht Coco gerade aufgenommen, weil sich sein Besitzer nicht mehr um ihn kümmern konnte. Der gutmütige Hund wurde bald vermittelt. - Foto: Alexander Frimberger

Spenden erwünscht

Ein verunfallter Vogel, eine verletzte Katze, eine Fundschildkröte – Catrin Röhricht sagt: „Wir geben den stillen Wesen eine Stimme.“ Wie jeder Verein ist auch die Tierhilfe Weiding-Walting auf Spenden angewiesen. Das geht in Form von Mitglied- und Patenschaften, aber auch Geldspenden sind höchst willkommen. Über paypal ist das mit der E-Mailadresse info@tierhilfe-weiding.de möglich. Oder man zahlt auf das Spendenkonto bei der Geno Bank Viechtach ein: IBAN: DE 39 7419 0000 0000 8193 36, BIC: GENO DEF1 DGV