Präventionstage Burglengenfeld: Sponsoren legen Machern Fortsetzung ihres Engagements ans Herz

Donnerstag vergangener Woche, 13 Uhr, in der Stadthalle: Bis vor wenigen Minuten tummelten sich hier noch zahlreiche Schüler und es liefen Schaukämpfe einer Kampfsportschule. Der Geräuschpegel war entsprechend hoch. Nun ist die Schlacht geschlagen, es herrscht fast gespenstische Stille, die Präventionstage 2025 sind Geschichte. Schon kurz nach dem Schlusspfiff ziehen die Organisatoren von der Fokusgruppe Jugend eine erste Bilanz.
Trotz der Anstrengungen, die hinter ihnen liegen, und trotz der kurzen Nächte präsentieren sich Merlin Bloch, Angelika Pron, Lily Gahn und Moritz Fabi beim Termin mit der Redaktion munter und wie aus dem Ei gepellt. Auch Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) hat sich noch einmal Zeit genommen. Außerdem haben sich mit Stella Sergl und Sina Hirsch zwei Schülerinnen des Gymnasiums zur Verfügung gestellt, um über ihre Erfahrungen bei den Präventionstagen zu berichten.
Beide besuchten einen Workshop der Freunde fürs Leben. Die Organisation mit Sitz in Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zu helfen, Signale von Depressionen oder für Suizidgefahr möglichst frühzeitig zu erkennen. Im Workshop, der in Burglengenfeld angeboten wurde, drehte sich alles um Essstörungen. Vor allem Mädchen sollen davon betroffen sein. Ursache ist meist der Zwang, Schönheitsidealen zu entsprechen, oder Stress. Schnell führt der Weg in einen Teufelskreis, der den Mut zu leben nehmen kann.
Ein Thema mit Brisanz: Essstörungen
Essstörungen seien definitiv auch ein Thema in ihrer Altersgruppe, berichtet Stella. Die 16-Jährige stellt ihrem Kursleiter ein feines Zeugnis aus. Das Programm sei sehr abwechslungsreich gewesen. Die Teilnehmer hätten viel über Essstörungen und ihre Ursachen erfahren und wüssten nun, wie man bei sich, aber auch anderen, erkennt, wann Essverhalten bedenkliche Züge annimmt. Und wie man helfend eingreifen könnte.
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Sina hat den Eindruck, dass das Thema in der Gesellschaft weitgehend totgeschwiegen wird. Dabei sei der Einfluss, den sozialen Menschen ausübten, bestimmten Idealen zu entsprechen, enorm. Auch sie selbst, so räumt Sina ein, sei auf Instagram vertreten und poste nur Fotos, auf denen sie „so ist, wie ich gerne gesehen werden möchte“. Nun werde sie versuchen, eine der zentralen Lehren aus dem Workshop zu beherzigen: Dass man sich so akzeptieren sollte, wie man ist.
Laut Merlin Bloch und Angelika Prohn gab es noch am Donnerstag ein Feedbackgespräch mit den Workshopleitern und Standbetreibern. Das Echo sei überwältigend gewesen. Mit einer Ausnahme habe es nur lobende Worte gegeben. Selten habe man eine Veranstaltung dieser Größenordnung erlebt, die so gut organisiert gewesen sei, habe es beispielsweise aus Polizeikreisen geheißen.
Mit dem Startschuss war Stress verflogen
Und das eigene Befinden? Zu Beginn hatte Bloch selbst von „harten Tagen“ gesprochen. Man habe bis spät in die Nacht geschuftet, um am nächsten Tag schon wieder um 5 Uhr auf den Beinen zu sein. Der Stress sei aber mit dem Startschuss verflogen, bestätigt Angelika Pron. Als sie zur Begrüßung auf die Bühne gegangen sei, sei ihr ein Stein vom Herzen gefallen. „Ich habe gesehen, die Halle lebt, die Schüler bringen Interesse mit - das Ganze ist jetzt ein Selbstläufer.“
Ähnlich drückt sich Moritz Fabi aus. Angesichts der Rückmeldungen habe sich der Einsatz in der Vorbereitung absolut gelohnt. Trotz des Andrangs von immerhin 3000 Schülern aus dem gesamten Kreisgebiet habe es keine nennenswerten Probleme gegeben.
War da nicht aber doch eine Enttäuschung? Schirmherr und Ministerpräsident Markus Söder hatte an keinem der drei Tage einen Abstecher nach Burglengenfeld geschafft. Diese Tatsache könne die Bilanz keineswegs trüben, versichert Bloch. Man sei schon überglücklich gewesen, dass sich Söder überhaupt bereiterklärt habe, das Amt zu übernehmen. Angesichts seines Terminplans müsse man einfach Verständnis haben, dass er passen musste. Übrigens habe Landrat Thomas Ebeling den Landesvater als Ehrenschirmherr würdig vertreten.
Der Alltag hat sie wieder fest im Griff
Längst hat der Alltag die Köpfe der Fokusgruppe wieder eingeholt. Durch Beruf (Bloch), Studium (Pron und Fabi) sowie Schule (Gahn) sind sie alle sehr eingespannt, was ja auch der Grund ist, weshalb sie ihren Rückzug aus der Gruppe, respektive deren Auflösung, verkündet haben.
Doch bezüglich ihres Engagements speziell für die Präventionstage ist das letzte Wort vielleicht doch noch nicht gesprochen. Wie die Redaktion erfahren hat, sollen sich mehrere Sponsoren erkundigt haben, was sie tun könnten, um Bloch und Co zum Weitermachen zu bewegen. Zur Entlastung in der heißen Phase könne man ja eventuell Personal zur Verfügung stellen. So schnell solle man die Präventionstage jedenfalls nicht sterben lassen, war die Botschaft. Dafür seien sie zu wichtig.
Geschieht am Runden Tisch ein kleines Wunder?
In ein paar Wochen, so die Idee, solle man einen Runden Tisch einberufen, noch einmal bilanzieren und vor allem überlegen, was getan werden müsste, um die Veranstaltung am Leben zu erhalten. Bloch und Co müssten dann ja nicht mehr jeden Handgriff selbst tun, sondern könnten als Ratgeber und Überwacher des Geschehens mitwirken.
Was sollen denn die Lehrer noch alles tun?“
Merlin Bloch, Sprecher der Fokusgruppe Jugend
Für die Angesprochenen kommt dies einem Ritterschlag gleich. Sie freuen sich, hüten sich aber vor einem Schnellschuss. So kurz nach dem Finale sei es zu früh, sich auf das nächste Abenteuer einzulassen. Man müsse das Erlebte erst sacken lassen. Aber: Natürlich sollte Prävention an allen Schulen weiter eine Rolle spielen. Pron würde sie sogar als Schulfach fest in den Alltag integrieren – und damit Lehrer verstärkt in die Pflicht nehmen.
Dieser Gedanke ist allerdings selbst in der Fokusgruppe nicht unumstritten. „Was sollen denn die Lehrer noch alles tun?“, meint Merlin Bloch.