Wege zur klimaneutralen Wärmeversorgung: Roding startet Planungen

Eine kommunale Wärmeplanung aufzustellen, ist für alle Gemeinden in Bayern mit mehr als 10 000 Einwohnern verpflichtend – auch wenn es nicht alle für sinnvoll ansehen und es keine Anschlusspflicht geben wird, erläuterte Bürgermeisterin Alexandra Riedl in der jüngsten Sitzung des Stadtrates.
Deshalb hat die Stadt die Luxgreen Climadesign GmbH aus Regensburg beauftragt, die Potenziale im Stadtgebiet aufzuzeigen. Dabei sollen auch lokale Akteure sowie die Bürger durch Online-Befragung und Informationsveranstaltungen mitgenommen werden.
Kein Anschlusszwang für Bürger
Es gehe darum, Möglichkeiten und Potenziale auszuloten, machte Riedl deutlich. Es gebe keinen Umsetzungsanspruch für die Kommune und keinen Anschlusszwang für die Bürger. Wie die Wärmeversorgung künftig klimafreundlich und durch den zu erwartenden weiteren Preisanstieg für fossile Brennstoffe gestaltet werden könne, sei aber ein wichtiges Thema, das alle angehe.
Projektleiter Matthias Trauner und Luisa Kupillas von der Luxgreen Climadesign GmbH verdeutlichten die Wichtigkeit der Energieumstellung. So würde etwa alleine die Stadt Roding geschätzt 37 Millionen Euro jährlich für fossile Energien ausgeben – ab 2027 sei durch die CO2-Bepreisung über den europäischen Emissionshandel noch einmal eine deutliche Kostensteigerung zu erwarten, so Trauner. Die kommunale Wärmeplanung als strategisches Werkzeug sei daher sehr wichtig.
Struktur analysieren
Zunächst gehe es in Roding darum, die aktuelle Versorgungsstruktur zu analysieren und mögliche Versorgungswege aufzuzeigen. Nahwärme, dezentrale Heizlösungen oder Wasserstoff/Biomethan seien mögliche Wege, die auch schon in anderen Kommunen erfolgreich umgesetzt worden seien, sagte der Projektleiter, der unterstrich, dass die Bürger nicht gezwungen würden, letztlich Maßnahmen aus der Wärmeplanung auch umzusetzen.
In der Planung werde zwischen vier Versorgungsvarianten entschieden, erklärte Trauner: Fernwärmegebiete, dezentrale Einzelversorgung, mögliche Wasserstoffgebiete sowie Prüfgebiete.
Lokale Akteure einbinden
Wichtige lokale Akteure wie Biogasanlagen, Großverbraucher in der Industrie oder die Städtischen Betriebe Roding würden in die Planungen eingebunden, um zu sehen, welche Potenziale und Möglichkeiten im Stadtgebiet vorhanden sind, erläuterte Trauner. Jede Kommune habe auf diesem Gebiet ihre Eigenheiten. Positiv in Roding sei etwa, dass schon ein Fernwärmenetz existiert, das künftig auch noch ausgebaut werden könnte.
Auch die Bürger sollen bei der Analyse und einer möglichen späteren Umsetzung eingebunden werden, so der Projektleiter. So kann bereits jetzt auf der Homepage der Stadt sowie auf den Social-Media-Kanälen der Stadt Roding an einer Umfrage zur Wärmeplanung teilgenommen werden. Für Herbst oder Winter ist eine öffentliche Informationsveranstaltung geplant, bei der die Bürger erfahren können, was die Planungen für das eigene Gebäude bedeuten. Der Bericht zur Wärmeplanung soll bis Ende des Jahres vorliegen, kündigten Trauner und Kupillas an.
Kommunale Wärmeplanung in Bayern
Klimafreundliche Wärmeversorgung entwickeln: Die kommunale Wärmeplanung in Bayern ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren, das Städte und Gemeinden dazu verpflichtet, eine Strategie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung zu entwickeln.
Wärmeneutralität bis 2040: Ziel ist es, bis spätestens 2045 eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen, in Bayern sogar bis 2040.
Möglichkeiten zur Umstellung aufzeigen: Die Wärmeplanung soll aufzeigen, wie die Wärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energien und unvermeidbarer Abwärme umgestellt werden kann.
Fristen: Kommunen mit über 100 000 Einwohnern müssen ihre Wärmepläne bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, kleinere Kommunen bis zum 30. Juni 2028.
Verfahren: Es gibt ein verkürztes Verfahren für Kommunen mit bis zu 10 000 Einwohnern und die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen.
Inhalte: Die Wärmeplanung umfasst unter anderem Potenzial- und Bestandsanalysen zu erneuerbaren Energien und Abwärme sowie die Festlegung von Teilgebieten für verschiedene Wärmeversorgungssysteme.
Rolle der Kommunen: Die Wärmeplanung liegt in der Verantwortung der Kommunen, die dabei von einer Vielzahl von Unterstützungsangeboten des Freistaats profitieren.
Ziele: Hauptziel ist die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung und die Erreichung der Klimaneutralität bis spätestens 2045.