Sie will Amt und Vorsitz trennen: Rodings Bürgermeisterin Alexandra Riedl nicht mehr Freie-Wähler-Chefin

Eine umfangreiche Tagesordnung erwartete die Mitglieder der Freien Wähler Roding bei ihrer Jahresversammlung am Donnerstagabend in der Stadthalle. An der Spitze gab es dabei einen Wechsel: Max Bauer löst Bürgermeisterin Alexandra Riedl als Vorsitzende ab.
Nach dem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder, insbesondere an Altbürgermeister Eduard Bäumel, blickte Riedl zurück auf die Entstehungsgeschichte der seit 1978 so genannten Liste Freie Wählergemeinschaft Gemeindewohl. Die jetzige Freie Wählergemeinschaft Roding habe sich aus der Liste Gemeindewohl entwickelt, im Zuge derer damals vier Gemeinderäte (Andreas Schnelbögl, Josef Kellermeier, Johann Nebl und Fritz Premm) gewählt wurden. Zum 31. Dezember 2024 zählte die Vereinigung 70 Mitglieder.
Aufgrund unterschiedlicher Faktoren wie Corona habe die Vorsitzende, die das Amt von Hans Stangl nach dessen Tod übernommen hatte, mit ihrer Vorstandschaft in den vergangenen Jahren nur das rechtlich Notwendige erledigt, um die Wählergemeinschaft am Laufen zu halten, doch die Wiederbelebung – einhergehend damit die Präsenz in neuen Medien und auf sozialen Plattformen – sei bis dato nicht wirklich gelungen. So wurden keine Firmenbesuche absolviert oder auch auf das Herbstfest verzichtet.
Kommunalpolitisch sehr präsent
Allerdings zeige man in der Kommunalpolitik auf Stadt- und Kreisebene hervorragende Präsenz, so Riedl, die sich bei allen für die Unterstützung bedankte und ihr Amt als Vorsitzende niederlegte, um den Vorsitz der Freien Wähler von ihrem Bürgermeisteramt zu trennen. Sie wolle Bürgermeisterin für alle Rodinger sein, nicht nur für eine Partei, sagte sie.
Fraktionsvorsitzender Josef Messerer gab einen Abriss über die aktuelle Arbeit im Stadtrat. Entgegen der an Stammtischen verbreiteten Meinung „in Roding passiere nix“ tue sich einiges. Das Freibad könne am 1. Mai ohne Einschränkungen öffnen, der Platzerstadl nach einer länger als geplanten Baugenehmigungsphase endlich in Angriff genommen werden, mit der Erneuerung des innerstädtischen Entwicklungskonzepts hatten alle Bürger die Möglichkeit, Ideen für die Weiterentwicklung der Stadt einzubringen. Die Radbrücke nach Mitterdorf werde mittlerweile gut von Spaziergängern und Radlern angenommen, die baulichen Maßnahmen der Feuerwehrgerätehäuser in Mitterkreith, Mitterdorf und Wetterfeld, wo auch ein Kindergarten entsteht, sind voll im Gange, berichtete Messerer. Er verwies auf das Ratsbegehren am 16. März, das allen Bürgern eine wichtige Entscheidungsmöglichkeit biete, entweder für den Erhalt des Waldes oder für die Schaffung von Arbeitsplätzen.
„Dreh- und Angelpunkt“
Messerer beendete seine Ausführungen mit dem Ausblick auf den Neubau der Grundschule und bedankte sich bei Riedl, die „Dreh- und Angelpunkt“ für die Arbeit der Freien Wähler sei und sich mit ihrem feinen Gespür für die politische Situation stets dafür einsetze, dass das Machbare umgesetzt werde, selbst wenn das schwierige Verhandlungen mit den entsprechenden (über-)örtlichen Instanzen bedeute.
Als Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreisrat gab Riedl Einblick in die aktuellen Großprojekte des Landkreises, darunter das Robert-Schuman-Gymnasium, das Landratsamt, die Realschule Roding oder das Areal des ehemaligen Rodinger Krankenhauses. Darüber hinaus stünden der Radweg zwischen Strahlfeld und Pösing sowie der Lückenschluss des Radwegs von Oberkreith zum Bahnhof auf der Agenda.
Kreis-Haushalt ist schwierig
Schwierig gestalte sich das Thema Haushalt, denn durch die massive Erhöhung der Bezirksumlage werde die Kreisumlage gleichermaßen erhöht, was wiederum die Haushalte der Kommunen belaste.
FW-Kreisvorsitzender Christian Schindler sagte, wie traurig es sei, dass auf Bundesebene Neuwahlen erforderlich seien, und warb für Bundestagskandidat Fabian Schmid. Schindler blickte zudem auf die Kommunalwahlen 2026 und bemerkte, dass es sowohl für die Freien Wähler als auch für ihn persönlich immer wichtig sei, nicht das Parteidenken an die erste Stelle zu setzen, sondern sich um die „Leute vor Ort zu kümmern“.
Landtagsabgeordneter Julian Preidl gab einen Einblick in die Arbeit der Freien Wähler im Landtag. „Manchmal dauert’s in der Demokratie länger“, bis beispielsweise Baugenehmigungen erteilt oder Großprojekte auf den Weg gebracht würden, aber Demokratie sei gerade jetzt wichtig. Ein besonderes Augenmerk legt Preidl auf den Bereich Kultus und schulische Bildung, der bei den Freien Wählern Priorität habe.
Fabian Schmid (22), Bundestagskandidat der Freien Wähler aus Bodenwöhr, erläuterte, er habe durch seine Familie und seine Schulzeit einen klaren Bezug zu Roding und bat um Unterstützung im Hinblick auf die bevorstehende Wahl.
Mitglieder geehrt
Auf den Kassenbericht durch Kassier Alfons Janker und die Beitragserhöhung für die Mitglieder folgten Ehrungen. Jupp Brantl, Ulla Graßl, Josef Graßl, Peter Griesbeck, Fritz Heimerl, Rosa Lindinger, Norbert Ludwig, Peter Reidl, Alfred Scheuerer, Werner Schreiner, Willi Wiesmeier, Alfred Wittmann und Hans Zollner wurden für über 40 Jahre Mitgliedschaft mit Urkunde und Anstecker ausgezeichnet.
Nach einem Dank an die seit 2018 tätige Vorstandschaft, wurde dieses Gremium neu gewählt und besteht fortan aus einer „jüngeren Truppe“, wie es die – nun ehemalige – Vorsitzende Riedl formulierte.
Die neue Vorstandschaft
Vorsitzende: Max Bauer wird künftig die Geschicke der Wählergemeinschaft lenken. Der am Fraunhofer-Gymnasium in Cham tätige Lehrer möchte nicht zuletzt aufgrund seines Unterrichtsfachs Sozialkunde als gutes Beispiel für den Nachwuchs vorangehen und sich aktiv politisch engagieren. Ihm zur Seite gestellt als 2. Vorsitzender ist Tobias Reidl.
Weitere Ämter: Dr. Vera Knoll übernimmt das Amt der Schriftführerin, Melanie Hofweber ist für die Kasse zuständig. Kassenprüfer sind Sepp Pfeffer und Reinhard Schweiger, Beisitzer Beatrice Bauer, Michael Brantl und Stefan Straßburger.
