Vom „Fleischpapst“ Lucki Maurer abkassiert: Spendenaktion im dm Cham bringt 1800 Euro

Von Sabrina Kauer · 11. Juli 2025 um 18:00

Eines wird am Freitagnachmittag im dm-Drogeriemarkt in Cham klar: Lucki Maurer ist ein Fan von Kartenzahlung. Da muss er nämlich nicht das Rückgeld zusammensuchen, das spart Zeit. Und das ist an diesem Nachmittag besonders wichtig. Denn für eine Stunde, von 14 bis 15 Uhr, sitzt der „Fleischpapst“ aus Schergengrub an der Kasse. Das Ganze macht er für einen guten Zweck. Denn alles, was Maurer an diesem Tag an seiner Kasse einnimmt, wird an die Kinderkrebshilfe Cham gespendet.

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Es ist 13.30 Uhr. Im dm an der Werner-von Siemens-Straße in Cham, der am 1. Juli nach einer Umbauphase neu eröffnet wurde, herrscht schon jetzt reges Treiben. Im Eingangsbereich ist ein Stand der Selbsthilfegruppe Kinderkrebs Cham aufgebaut. Drum herum stehen Dr. med. Stephanie Franke, Leiterin der Selbsthilfegruppe, und ihre beiden Unterstützerinnen Maria Demmel und Eva Winklbauer. Sie unterhalten sich, als der 16-jährige Tim Nowak aus Cham, der ein Spenderherz benötigt, an die aufgestellte Spendenbox herantritt. „Ich werf’ euch das ein, es ist ja für einen guten Zweck“, sagt er.

Tim Nowak wirft seine Spende für die Kinderkrebshilfe Cham ein. - Foto: Sabrina Kauer

Die Stimmung ist heiter. Der Spitzenkoch nimmt sich Zeit für Gespräche. Dann wird es ernst. Lucki Maurer verschwindet kurz mit der Marktverantwortlichen Tanja Leeb im Mitarbeiterzimmer, um das Formelle zu klären. Dann kommen beide heraus und steuern geradewegs auf die Kasse beim Eingang zu. Es ist 14 Uhr. Hinter dem Kassenband haben sich schon die ersten Kunden angestellt.

Anfangs etwas unbeholfen

Nun legt Lucki Maurer los. „Ich muss das alles erst lernen“, sagt er, während er sich an die Kasse setzt – und erst einmal etwas unbeholfen wirkt. Feuchttücher, Nagellack, Proteinriegel, Duschgel, Bonbons und vieles mehr zieht er über den Scanner. Barzahlung? – Mist. In diesem Fall muss Maurer auf mehr Schritte achten, muss den Geldbetrag in die Kasse eingeben und das Rückgeld korrekt herausgeben. Dann sind da noch die ein oder anderen Gutscheine, Payback-Karten, Guthaben-Karten und der Kassenbon – „sau anstrengend, man muss sich die ganze Zeit konzentrieren“, wie Maurer das Kassieren am Ende beschreibt.

Die Schlange mit wartenden Personen wird immer länger. Zumindest an der Kasse von Lucki Maurer. Auf die Kasse gegenüber weicht kaum jemand aus, auch wenn dort eine dm-Mitarbeiterin sitzen würde und es dort um einiges schneller ginge. Es wird klar: Die Kunden wollen an diesem Tag etwas Gutes tun, dafür nehmen sie das Warten in Kauf.

Die Aktion heute ist unfassbar wichtig, weil die Kinderkrebshilfe im Landkreis Cham einfach unterstützt gehört. Wenn man sieht, dass man mit null Aufwand 1800 Euro generieren kann.

Lucki Maurer - Der Spitzenkoch und Wagyu Rind-Züchter hat selbst bereits zwei Krebserkrankungen überstanden.

„Es läuft langsam, aber es läuft. In einer Stunde hab’ ich’s raus“, sagt Lucki Maurer und lacht, ebenso wie Marktleiterin Tanja Leeb. Sie weicht Maurer in dieser einen Stunde nicht von der Seite und greift ein, wenn er einmal nicht mehr weiter weiß.

Manche Kunden wollen ein Foto mit dem Spitzenkoch machen. „Aber wir müssen Gas geben, damit was weitergeht“, sagt die Kundin, während sie eilig ihr Handy hervorholt. Einmal kurz in die Kamera gelächelt und schon zieht Maurer wieder Shampooflaschen, Toilettenpapier und Katzenfutter über den Scanner. „Brauchen Sie den Beleg?“, frägt Maurer, als hätte er nie etwas anderes getan. „Nein, aber eine Autogrammkarte für die Kinder daheim“, antwortet die Kundin. „Für Eva“, „Lilly“, „Alexandra“, „Sebastian“,... viele Enkel, Brüder, Schwestern und Freunde dürfen sich über persönliche Autogramme von ihm freuen. Auch wenn die Uhr ticket, aber dafür nimmt er sich Zeit. Währenddessen kassiert Leeb weiter.

Bonbons, Wattestäbchen – und ein Autogramm von Lucki Maurer - Foto: Simon Tschannerl

„Sie zahlen mit Karte? Das ist super“, freut sich Maurer, sobald ein Kunde die Bankkarte aus dem Geldbeutel herauszieht. Während Lucki Maurer auf der einen Seite versucht, das Unmögliche möglich zu machen – nämlich die Schlange von wartenden Personen zu verkürzen –, verteilen die Verantwortlichen der Selbsthilfegruppe Kinderkrebs Cham Teddybären und Caps an Groß und Klein.

Lächeln im Gesicht

Manche Kunden, die bereits bei Maurer an der Kasse bezahlt haben, werfen zusätzliche Geldscheine in die Spendenbox hinein und verlassen mit einem Teddy in der Hand und einem Lächeln im Gesicht den Drogeriemarkt. Eine dreiviertel Stunde ist geschafft. Wie schlägt sich Maurer mittlerweile? „Einwandfrei, wir sind schon in den Gehaltsverhandlungen“, witzelt Tanja Leeb. Als um 15 Uhr immer noch etliche Personen Schlange stehen, verkündet Leeb eine Verlängerung von zehn Minuten. Am Ende können sich alle Beteiligten über einen Kassenbetrag von 1800 Euro freuen. „Es ist bombastisch, unglaublich. Ich hätte niemals gedacht, dass in einer Stunde so viel über den Tresen geht. Ich bin total begeistert, ohne Worte“, sagt Selbsthilfegruppe-Leiterin Stephanie Franke.

„Das hat wirklich Spaß gemacht. Die Aktion heute ist unfassbar wichtig, weil die Kinderkrebshilfe im Landkreis Cham einfach unterstützt gehört. Wenn man sieht, dass man mit null Aufwand – für mich war das eine schöne, lustige Stunde – 1800 Euro generieren kann“, sagt Maurer.

Sie freuen sich über 1800 Euro: Dr. med. Stephanie Franke, Leiterin der Selbsthilfegruppe, dm-Marktverantwortliche Tanja Leeb, Lucki Maurer und Maria Demmel von der Selbsthilfegruppe (v.l.). - Foto: Simon Tschannerl