Zaschkahof in Burglengenfeld: Abbruch als letzte Chance für einen Neustart?

Neben dem Naabtalcenter und dem ehemaligen Autohaus Lell zählt auch der Zaschkahof im Herzen der Burglengenfelder Altstadt zu den Gebäuden, für deren Zukunft sich die Stadträte am meisten zu interessieren scheinen. Immer wieder erkundigen sie sich besorgt nach dem Stand der Dinge, immer wieder hören sie von der Verwaltung, dass die Aussicht auf einen rettenden Investor eher gering sei. Nun aber gibt es nach Informationen der MZ doch wieder einen Hoffnungsschimmer.
Wie berichtet, hatte ein Projektentwickler aus dem Landkreis Kelheim 2018 Teile des Burglengenfelder Urhofs, nämlich die Hausnummern 1 bis 1b, erworben, um daraus moderne Eigentumswohnungen zu gestalten. Aus verschiedenen Gründen ist der Plan gescheitert. Die Firma des Unternehmers rutschte Ende 2022 in die Insolvenz, das Verfahren ist noch immer nicht abgeschlossen. Mehrere Privatpersonen, die die Wohnungen erwerben wollten, haben nach MZ-Informationen erhebliche Vorauszahlungen geleistet – und werden ihr Geld wohl nie wiedersehen.
Landratsamt beauftragte Gutachter
Die Situation vor Ort ist desolat: An den Gebäudeteilen, die quasi als historische Substanz erhalten werden sollten, hat der Zahn der Zeit heftig genagt. Der Dachstuhl einer Scheune ist mittlerweile so marode, dass er einzustürzen droht.
Auf Drängen eines aufmerksamen Bürgers wies das Landratsamt Schwandorf den Eigentümer heuer an, ein Standsicherheitsgutachten erstellen zu lassen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Weil er dieser Aufforderung nicht nachgekommen ist, gab die Kreisverwaltung selbst ein solches Gutachten in Auftrag, berichtete Behördensprecher Manuel Lischka. Die Expertise habe den Handlungsbedarf bestätigt.
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Unterdessen ist ein Regensburger Kaufmann, der als „Vermittler und Berater“ fungiert, auf das Objekt in Burglengenfeld aufmerksam geworden. Er hat offenbar Kontakt zu mehreren Geschädigten und möchte helfen, dass die Wende zum Guten doch noch gelingt. Aus Sicht des 42-Jährigen, der (noch) anonym bleiben möchte, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt alles weiter verrotten, bis es in sich zusammenfällt. Oder man ergreift mit neuer Energie und frischem Mut die Initiative, beseitigt die Reste und errichtet doch noch einen Neubau.
Sorgen vor Auflagen im Sanierungsgebiet
Nach Auffassung des Regensburgers wäre Letzteres die deutlich klügere Lösung. Und in dem Kreis jener, die auf den Trümmern ihres Traumes säßen, sei durchaus die Bereitschaft vorhanden, einen zweiten Anlauf zu riskieren. Allerdings müssten dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.
Als problematisch werde aktuell die Lage im förmlich festgelegten Sanierungsgebiet der Altstadt betrachtet. Denn damit könnten bestimmte, eventuell nur schwer erfüllbare, weil auch teure Auflagen verbunden sein, heißt es.
Recherchen der Redaktion haben indes ergeben, dass ein Antrag auf Abbruch durchaus Chancen hätte, genehmigt zu werden. Dieser Schritt stünde dem Ensembleschutz für die Altstadt nicht grundsätzlich entgegen, bestätigte der Pressesprecher des Landratsamts, Lischka. Ein diesbezüglicher Antrag auf denkmalrechtliche Erlaubnis mache also durchaus Sinn.
Auch widersprach Lischka der These, mit einem Abbruch würde die Chance auf eine Baugenehmigung schon deshalb verwirkt, weil der neue Baukörper dann gewisse Mindestabstände zur Nachbarschaft einhalten müsste. Dies sei beim Zaschkahof nicht der Fall. Da die Umgebung durch grenzständige Bebauung geprägt sei, dürfe grundsätzlich wieder an die Grenze gebaut werden.
Auch die Stadt ging auf Investoren zu
Vor diesem Hintergrund könnte das Grundstück, das nach MZ-Informationen wieder ins Eigentum der insolventen Firma übergegangen ist, an Wert gewinnen. Der Insolvenzverwalter hatte es, wie ebenfalls berichtet, aus der Insolvenzmasse freigegeben, weil es sich angeblich nicht verwerten ließ.
Wie auch immer: Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) verfolgt das Geschehen nach wie vor aufmerksam. Auch die Verwaltung habe sich immer wieder um eine Lösung bemüht und potenzielle Investoren angesprochen, betonte der Rathauschef. Von der Initiative des Regensburger Vermittlers hatte er noch nichts gehört. Man sei aber interessiert, mit ihm in Kontakt zu treten. Man freue sich über jeden, der interessiert sei mitzuwirken, das Problem Zaschkahof zu lösen.
Gesche bleibt allerdings skeptisch: Der Knackpunkt, so seine Einschätzung, sei nicht ein potenzieller Abbruch oder die Errichtung eines Neubaus an beengter Stelle, sondern dass an den Projektentwickler bereits beachtliche Summen geflossen seien. Außerdem seien die Eigentumsverhältnisse unverändert kompliziert. Es werde sich daher nur schwerlich ein Investor finden lassen, wenn er für ein solches Projekt auch noch „Geld mitbringen“ muss.
Berater: Es steckt Herzblut drin
Ob der erwähnte Berater das psychologische Geschick und das Fachwissen hat, den Gordischen Knoten zu lösen? Die bisher Geschädigten sollen jedenfalls zu weiteren Schritten bereit sein. Für sie sei der Zaschkahof ein Herzensprojekt gewesen, berichtete der Regensburger. Nach einer langen Phase des Wundenleckens wachse langsam der Wille, das Ganze doch noch zu einem guten Ende zu bringen.