Dirndl-Änderung in Waldmünchen: Schneidermeisterin hilft beim Erhalt geerbter Tracht

Dirndl sind nicht einfach irgendein Kleidungsstück. Sie sind viel mehr. Sie gehören praktisch zum bayerischen Kulturgut. Deshalb werden sie auch nicht wie so manches T-Shirt nach ein oder zwei Jahren weggeworfen oder im besten Fall in die Kleidersammlung gegeben – sie werden über viele Jahre hinweg getragen. Da kann es schon einmal passieren, dass die eine oder andere Änderung anfällt.
Am Montag hatten Frauen in Waldmünchen Gelegenheit, dieses mit fachkundiger Unterstützung zu tun. Elfriede Brandl ist Schneidermeisterin und seit Anfang des Jahres angestellt beim Bezirk Oberpfalz im Bereich Heimatpflege, Kultur und Bildung. Sie berichtet, was es mit dem Angebot auf sich hat.
Schon früh habe der Bezirk sich des Themas angenommen. Damals war es Florian Schwemin, der das Projekt betreute. Hauptsächlich sei es dabei um Änderungen an Trachten gegangen. Externe Schneiderinnen wurden hierfür bezahlt, wie zum Beispiel bei einem Kurs im Freilichtmuseum Neusath-Perschen. Als feststand, dass der Bedarf groß ist, hat Brandl für den Bezirk diese Stelle übernommen. Als Schneidermeisterin ist sie für die neue Aufgabe bestens gerüstet.
Junge Frauen suchen Rat bei Schneidermeisterin
Zwei Dirndlbegeisterte hatten sich am Montagnachmittag im Mehrgenerationenhaus (MGH) eingefunden. Kathi kam gemeinsam mit ihrer Mutter. Sie hat ein Dirndl von ihrer Großtante geerbt. Es wird ein Kleidungsstück für ganz besondere Gelegenheiten sein.
Elfriede Brandl kam sofort ins Schwärmen. Nicht nur der Stoff war es, den sie mit fachkundiger Hand prüfte – nein, ganz besonders die Herzbordüren am Rock hatten es ihr sofort angetan. „Was da für eine Arbeit drin steckt“, konnte sie ein ums andere Mal wieder feststellen. Und natürlich musste dieses wunderschöne Dirndl an die Maße der jungen Kathi angepasst werfen.
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Ganz anders sah es bei Denise aus. Sie ist begeisterte Dirndlträgerin – und das nicht nur zu festlichen Anlässen. Sie hat einige Dirndl in ihrem Kleiderschrank hängen. Schon vor geraumer Zeit hat sie das mitgebrachte Dirndl gekauft. Jetzt wollte sie, dass an den Schultern etwas geändert wird.
Änderungen abgesteckt
Der hintere Raum des Offenen Treffs wurde kurzerhand zur Umkleidekabine umfunktioniert. Ein großer Spiegel stand bereit, damit nicht nur die Schneidermeisterin, sondern auch die Dirndlbesitzerinnen selber die notwendigen Arbeiten mitverfolgen konnten. Dann war Elfriede Brandl in ihrem Element. Mit Stecknadeln wurden die Änderungen abgesteckt. Ein prüfender Blick der Fachfrau, noch eine kleine Korrektur – und dann durften die beiden jungen Frauen auch schon an die Arbeit gehen.

Alleine das Auftrennen der alten Nähte war eine Herausforderung. Aber es gelang. Bei Kathi half ihre Mutter tatkräftig mit. Denise war die erste, die bei ihrer Arbeit sagen konnte: „Fertig.“ Schließlich war bei ihrem Dirndl auch nur eine kleine Korrektur vorzunehmen. Ein kleines Stück Stoff weg an der Schulternaht, vorsichtig wieder zusammennähen – und fertig. Bei Kathi war die Änderung wesentlich aufwendiger. Klar, dass da auch die Mutter tatkräftig mithelfen musste. Alleine die Arbeit des Auftrennens (Vorsicht, dass kein Loch in den Stoff kommt) hatte es in sich. Taillennaht, Seitennaht – endlich war es geschafft. So ganz nebenbei machte sich Brandl schon weitere Gedanken. Eine Schürze dazu? Eher nicht, meinte sie. Es wäre schade um die wunderschönen Herzbordüren. Vielleicht einfach ein schönes Band? Und dann war auch dieses Dirndl in Form gebracht. „An den Seiten lassen wir noch Stoff drin. Schließlich ist Kathi noch jung. Und dieses wunderschöne Stück kann mit Sicherheit noch lange getragen werden. Und wer weiß – vielleicht sogar noch an eine weitere Generation vererbt werden.“
Auch hier hatte Brandl schon wieder weit vorausgeschaut. Ein Dirndl ist eben wirklich nicht nur irgendein Kleidungsstück, sondern wird oft auch von Generation zu Generation weitergegeben.