Ein Dirndl, das sonst keiner hat: Beim Nähkurs des KDFB Rötz entstehen Unikate für festliche Anlässe

Von Stefanie Bauer · 12. April 2025 um 11:00

An die 40 Stunden Arbeit für ein echtes Unikat – da muss das Ergebnis gebührend gefeiert werden. Und das haben die Teilnehmerinnen des ersten vom KDFB Rötz (Landkreis Cham) organisierten Dirndl-Nähkurs auch getan.

Zu einem „Abschlussfrühstück“ trugen sie ihre selbst genähten Dirndl und auf dem Gruppenbild sieht man sofort, dass der Aufwand sich gelohnt hat: Keines der Modelle gibt es ein zweites Mal, nicht auf dem Foto und auch sonst nirgendwo, schon allein wegen der unterschiedlichen, farbenprächtigen Stoffe, die verwendet wurden.

„Der Kurs war super, wir waren eine tolle Gruppe“, schwärmt Michaela Hettler, Vorsitzende des KDFB Rötz. Mitte Februar hatte es eine Einführungsrunde für die Teilnehmerinnen gegeben. Das erste Mal genäht wurde Anfang März. Und weil man vor dem veranschlagten letzten Termin Anfang April fertig geworden ist, ging es stattdessen eben zum Frühstücken ins Gasthaus Sporrer nach Neunburg.

Verschiedene Schnittmuster

Die Stoffe für Dirndl und Schürze hatten die Teilnehmerinnen entweder selbst mitgebracht oder sie wurden gemeinsam ausgesucht, das gleiche bei den Schnittmustern, die angepasst worden sind: „Und es sind lauter unterschiedliche Modelle mit verschiedenen Schnitten geworden.“ Bei den Schürzen wurden manche Modelle gestiftelt, haben also das spezielle Muster erhalten, und wurden mit Perlen verziert.

„Die größte Herausforderung waren die Knopflöcher“, berichtet Michaela Hettler und lacht. „Das war durch die vielen Stofflagen eine Zitterpartie.“ Dennoch ist die Zeit bei den vier „Näh-Terminen“ von 9 Uhr morgens bis etwa 17 Uhr wie im Flug vergangen.

Voraussetzung für den Kurs war, mit seiner eigenen Nähmaschine, die in den Fürstenkasten mitgebracht wurde, umgehen zu können: einfädeln, ausfädeln, eine gerade Naht... Auch ein paar „Gadgets“, wie Rollschneider oder Gelmarkierer, hatten die Teilnehmerinnen dabei und tauschten sie untereinander aus, und auch sonst unterstützte man sich gegenseitig.

Bereit fürs Heimatfest

Von den Materialkosten her sei man relativ flexibel. Es gebe Stoffpakete ab 120 Euro, man könne aber auch 500 Euro ausgeben. „Für 180 Euro bekommt man schon einen guten Stoff.“ Die Arbeitszeit darf man freilich nicht rechnen, dafür gibt es aber ein schönes Gemeinschaftserlebnis und eben auch ein Dirndl, das ein Einzelstück ist.

Theoretisch könnten nun alle Teilnehmerinnen auch daheim ein weiteres Dirndl nähen, sagt Michaela Hettler. Dennoch möchten einige an einem weiteren Kurs teilnehmen, „weil die Motivation in der Gruppe viel größer ist.“ Wegen der guten Resonanz ist auch ein weiterer Kurs geplant, allerdings erst im nächsten Jahr.

Die Termine waren auch in diesem Jahr bewusst so gelegt worden, dass sie sich möglichst nicht mit den im Frühjahr beginnenden Arbeiten im Garten überschneiden und dass die Dirndl vor den Frühlingsfesten und vor allem natürlich dem Rötzer Heimatfest fertig sind – damit kann die Trachtenzeit kommen!

Kosten: Stoffpakete gibt es in verschiedenen Preisklassen. Verschiedene „Gadgets“ wurden von den Teilnehmerinnen mitgebracht.
Anpassen: Das Innenteil wird mit dem Außenteil verbunden, damit man keine offenen Nähte hat. Die Seitennähte werden an Körperform angepasst.
Löcher: Knopflöcher sind eine besondere Herausforderung, denn es ist die letzte Arbeit am Mieder, und das mit mehreren Lagen Stoff: Vlies und Futter.
Mieder: Nach dem Verstürzen: Die Nadeln markieren die Position der Knöpfe. Ein traditionelles Dirndl hat Knöpfe statt eines Reisverschlusses.
Knöpfe: „Im Moment sind Dirndl wieder eher schlichter, Froschgoscherl sind zum Beispiel weniger zu sehen“, hat Michaela Hettler festgestellt. „Durch schöne Knöpfe hat man auch gleich einen Schmuck.“
Bügeln: „Gut gebügelt ist halb genäht“, das ist das A und O beim Anfertigen eines Dirndls. „Dann tut man sich viel leichter beim Nähen.“ Bei Samt ist das schwieriger. Hier werden gerade Biesen in den Rock hineingebügelt.
Schürze: Nach einigen Stunden Handarbeit beim Stifteln der Schürze folgt der Teil mit der Nähmaschine. Passend zur Farbe des Dirndls wurden auch für die Schürzen geeignete Stoffe von den Teilnehmerinnen ausgewählt.
Farbe: Diese bordeauxfarbene Schürze hat eine Schließe, daneben gibt es auch Schürzen mit Bändern, bei denen eine Schleife gebunden wird. „Die beiden Schließen vorn im passenden Farbton sind sehr modern.“