ICE-Attentäter von Straßkirchen: Syrer (20) soll in Psychiatrie verlegt werden

Von André Baumgarten · 9. Juli 2025 um 11:25

Nach der Attacke im ICE bei Straßkirchen (Landkreis Straubing-Bogen) liegt der Verdacht nahe, der 20-Jährige handelte im Wahn. Das Amtsgericht hat nun die Unterbringung des Syrers in der Psychiatrie angeordnet. Der Mann ist in einer Regensburger Klinik – unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen.

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Am Donnerstag (3. Juli) hatte der 20-Jährige im ICE von Hamburg-Altona nach Wien mehrere Menschen mit einem Hammer angegriffen. Auch eine Axt fand sich am Tatort. Der mit knapp 500 Fahrgästen besetzte Schnellzug stoppte daraufhin bei Straßkirchen in Niederbayern auf offener Strecke – ein Großeinsatz lief an. Einem 24-Jährigen war es aber gelungen, den Angreifer zu überwältigen. Die alarmierte Polizei konnte den mutmaßlichen Täter vor Ort festnehmen. Der Mann, der in Wien lebte, wurde jedoch schwer verletzt und musste operiert werden.

Einen Tag nach der Attacke im ICE war dem Syrer zunächst formell der Haftbefehl wegen versuchten Mordes, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen eröffnet worden – zu dem Zeitpunkt war der 20-Jährige aber noch nicht ansprechbar. Das hat sich nach Informationen der Mediengruppe Bayern mittlerweile geändert. Heute bekam er am Vormittag in einer Regensburger Klinik Besuch vom Haftrichter des Amtsgerichts.

Psychiatrischen Vor-Gutachten liegt vor

Bei diesem Termin direkt am Krankenbett der Intensivstation wurde dem Mann ein sogenannter Unterbringungsbeschluss eröffnet. So hatte es die Regensburger Staatsanwaltschaft beantragt, wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf Nachfrage bestätigte. Das vorläufige Gutachten einer psychiatrischen Sachverständigen sei zu dem Schluss gekommen, dass bei dem Tatverdächtigen offenbar ein Krankheitsbild aus dem schizophren Formenkreis vorliege. Die Tat könnte also im Wahn begangen worden sein. Völlig ausgeschlossen scheint ein Terror-Motiv nicht – Indizien dafür fanden sich aber bislang keine.

Auf eine psychische Erkrankung sollen bereits Aussagen einiger Zeugen hingedeutet haben. Der 20-Jährige wurde demnach als verwirrt beschrieben und soll im ICE ziellos auf und ab gegangen sein. Unmittelbar bevor er laut bisheriger Ermittlungen auf einen 38-jährigen Deutschen losgegangen war. Aus den Nichts soll er diesen Mann, der im Landkreis Straubing-Bogen lebt, mit einem Zimmererhammer attackiert haben. Danach soll er auf mehrere Mitglieder eine Familie syrischer Herkunft (15, 24 und 51 Jahre alt) aus Niedersachsen losgegangen sein. Schwerer verletzt wurde davon niemand.

Die Polizei riegelt den Tatort im ICE bei Straßkirchen großräumig ab. - Foto: Ute Wessels/dpa

Wie die Polizei bei einer Pressekonferenz am Freitag bekanntgab, stand der Angreifer bei der Tat wohl unter dem Einfluss von Drogen. Mindestens drei verschiedene Substanzen seien in seinem Blut festgestellt worden. Wie Oberstaatsanwalt Rauscher erläuterte, könnte das zu Halluzinationen bei dem 20-Jährigen geführt haben und eine mögliche Erklärung für die Tat liefern. Doch das ist offen.

Selbst hat sich der 20-Jährige weder zu den Drogen, noch zu seinen Motiven für die Tat geäußert – auch beim Besuch des Haftrichters heute nicht. Das bestätigte sein Verteidiger, ein Regensburger Rechtsanwalt, auf MBG-Nachfrage am späten Vormittag. „Mein Mandant schweigt.“ Zu jedweder Details wollte sich auch der Jurist deshalb nicht äußern. Man müsse den weiteren Verlauf der Ermittlungen abwarten.

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Behandelt wird der Tatverdächtige derzeit in einer Klinik in Regensburg – das dürfte sich aufgrund seines Zustandes wohl auch nicht so schnell ändern. Der 20-Jährige soll eine schwere Kopfverletzung erlitten haben, als ihn ein Passagier überwältigte und dabei offenbar auch mit dem Hammer zuschlug. Folgen dürfte das für den mutigen Mann, der eingriff, jedoch keine haben. Laut der Staatsanwaltschaft in Regensburg dürfte das als Notwehr gewertet werden.

An Armen und Beinen gefesselt im Krankenbett

Der Syrer liegt nach Informationen der Mediengruppe Bayern auf der Intensivstation des Krankenhauses. Er wurde dort strengstens bewacht – soll außerdem durchgängig an Armen und Beinen gefesselt sein, heißt es. Die Behandlung seiner Verletzungen wird davon offenbar nicht beeinträchtigt. Die Tür zu seinem Zimmer sicherten Polizeibeamte rund um die Uhr ab. Sie wurden in wechselnden Schichtdienst eigens für diese Aufgabe abgestellt. Wie das Polizeipräsidium Niederbayern mitteilte, wurde der Beschuldigte zwischenzeitlich in einer Fachklinik untergebracht.

Zu dem mutmaßlichen ICE-Attentäter ist schon einiges bekannt: Der junge Syrer lebte in Wien und wurde dort in jüngerer Vergangenheit auch schon strafrechtlich auffällig. Wegen schwerer Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt im Februar und Ende April 2025 wurde er rechtskräftig verurteilt – zu einem Jahr und zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Das zeigen Recherchen der Mediengruppe Bayern. Noch im Mai leitete Österreich daraufhin ein Asyl-Aberkennungsverfahren ein.

Durchsuchung in Wohnung in Österreich

Im Zuge der laufenden Ermittlungen zum ICE-Attentat gab es zuletzt auch Durchsuchungen in Wien. Das erfuhr die Mediengruppe Bayern aus Ermittlerkreisen. Die Kräfte rückten an der Adresse an, wo der junge Syrer zuletzt gemeldet war und wohl auch gelebt hatte. Polizisten durchsuchten dabei ein größeres Mehrparteien-Wohnhaus im Nordwesten der österreichischen Hauptstadt. Das bestätigte die Polizei mittlerweile auch offiziell: Beamte des Landeskriminalamtes Wien hätten im Rahmen eines internationalen Rechtshilfeersuchen „die Wohnung an der Meldeadresse in Wien von mit negativen Ergebnis durchsucht“, hieß es.

Wie das Polizeipräsidium Niederbayern auch bestätigte, könnte laut dem vorläufigen Gutachten die „Schuldfähigkeit zumindest erheblich gemindert gewesen sein“. Zum Tathergang und -motiv werde laut der Pressemitteilung ermittelt. Es lägen dazu bis dato „weiterhin keine belastbaren Erkenntnisse vor“. Drei der vier Verletzten konnten aus den Krankenhäusern entlassen werden – nur die 51-Jährige werde weiter stationär behandelt.