Tumult im Ankerzentrum: Griff junger Intensivtäter aus Tunesien in Regensburg zum Messer?

Polizei-Großeinsatz in der Flüchtlingsunterkunft bringt 20-Jährigen vor das Schöffengericht. Er schweigt zu dem Vorfall vom Februar, bei dem es Verletzte gab, räumt aber zwei Bagetell-Diebstähle ein. Ihm droht eine empfindliche Haftstrafe.
Am 1. Februar löst ein Notruf aus dem Ankerzentrum in Regensburg einen Großeinsatz aus. Schwer bewaffnet rückt ein Notzugriffsteam von USK-Beamten ins Gebäude vor, um einen Mann mit Messer zu überwältigen. Das haben Sicherheitsmänner der Einrichtung da schon erledigt. Der 20-Jährige, der damals ausgerastet und zwei Männer bedroht haben soll, steht nun vor Gericht. Acht weitere Fälle werden dem Intensivtäter aus Tunesien vorgeworfen.
Weniger als sechs Monate seines Lebens in Deutschland spiegelt die Anklage wieder. Und da gab es sechs Diebstähle von teuren Jacken bis zum Parfüm, Beleidigung, Körperverletzung, versuchte Nötigung und Sachbeschädigung. In knapp 20 Minuten am 1. Februar kommen versuchte besonders schwere räuberische Erpressung, Bedrohung und Angriff auf sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte auf die Liste.
Zwei kleiner Bagatellen, die Teil der Anklage sind, räumt der Mann nach anfänglichem Schweigen über seine Anwältin Sophie Spiegel dann doch ein: Eine Flasche Bier (2,07 Euro) und eine Tüte Pistazien (4,49 Euro) habe er gestohlen. Den Ladendetektiv aber will er bei einer der Taten am Regensburger Hauptbahnhof niemals beleidigt haben.
20-Zentimeter-Messer an den Bauch gehalten
Das Schöffengericht, das sich mit dem Tunesier gleich zwei Prozesstage lang beschäftigen muss, hat eine Menge Arbeit vor sich. An Tag eins kommen gestern Geschädigte und Augenzeugen der einst als sogenannte „Bedrohungslage mit Messer“ eingeordneten Tat im Ankerzentrum zu Wort. Der 20-Jährige soll da einem Syrer dessen zuvor entwendetes Mobiltelefon zum Kauf angeboten haben. 100 Euro forderte er, schilderte der Syrer vor Gericht. Um dem Nachdruck zu verleihen, drohte der Angeklagte demnach mit einem Messer.

Als Securitys alarmiert werden, soll der Tunesier, offenbar unterstützt von einem weiteren Angreifer, auch Wachleute attackiert habe und einen davon bewusstlos geschlagen haben. Als die Polizei auftaucht, wehrt sich der 20-Jährige weiter, tritt nach einem der Beamten und verletzt ihn am Oberschenkel. Bis die Asylunterkunft nach dem Amokalarm gesichert ist, vergeht einige Zeit. Eine Vielzahl von Streifen, darunter einige, die für ein Jahn-Heimspiel in Regensburg waren, rückt an. Unmittelbar danach übernimmt die Kripo.
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Trotz akribischer Suche werden weder das eine Woche vor der Tat von einer Reinigungskraft gestohlene Handy, noch die Tatwaffe, ein etwa 25 Zentimeter langes Küchenmesser, gefunden. Die Aggressoren landen dafür in Polizeigewahrsam, der 20-Jährige auf Antrag des Jour-Staatsanwalts schließlich in U-Haft. Fakt ist auch: Der Angeklagte hatte offenbar einen bunten Drogenmix im Blut. Laut Auswertung Kokain, Cannabis und ein häufig missbrauchtes Anti-Depressiva.
Zweiter Prozesstag mit vielen weiteren Zeugen
Erfahrungen damit scheint der Mann zu haben – als er zuvor schon einmal wegen eines Drogendelikts in Jugendgewahrsam der PI Regensburg-Süd landet, verewigt er sich mit Schmierereien und einer Polizisten-Beleidigung an der Wand der Zelle. Zeugen zu den übrigen Anklagepunkten sollen kommende Woche aussagen. Dann soll auch das Urteil fallen. Dem Tunesier droht eine längere Haftstrafe.