Der Weg der Milch: In Cham erhalten Schüler einen besonderen Einblick

Von Johannes Lesser · 8. Juli 2025 um 15:00

Wie wird die Milch zum Käse oder die Sahne zur Butter? Eine Frage, die in Zeiten der allgegenwärtigen Verfügbarkeit von Lebensmitteln gerne in den Hintergrund rückt. Die Firma Goldsteig mit Sitz in Cham hat sich genau darauf spezialisiert. Mehr als eine Million Tonnen Milch von 2315 Lieferanten werden in ihren Werken weiterverarbeitet – jedes Jahr.

Damit dieses Pensum gestemmt werden kann, kümmern sich 788 Mitarbeiter in unterschiedlichen Bereichen und Standorten um den Betrieb. Ein Teil von ihnen sind die Milchtechnologen, die die Produktionsprozesse steuern. Ihr Aufgabenprofil reicht von „der Annahme der Rohmilch über die Produktion mit modernsten Anlagen und Maschinen bis hin zur Verpackung und zum Versand der fertigen Waren“, heißt es von Seiten der Firma.

Ausbildungsberuf in Cham

Milchtechnologe ist ein Ausbildungsberuf, der auch im Chamer Betrieb angeboten wird. Wer ihn abschließt, wird auch übernommen, so die Firma. Einen Einblick der besonderen Art können Interessierte bei einem Schnuppertag im neu gegründeten Milchtechnologie-Ausbildungscenter (MAC) erhalten und dabei selbst aktiv werden.

Das MAC liegt auf dem großen Firmengelände in Cham. Neben zahlreichen aufwendig gestalteten Informationstafeln finden sich im MAC einige der Anlagen, die zur Käseproduktion notwendig sind. Neben den Teilnehmern an den Schnuppertagen und Praktikanten sind hier auch regelmäßig die Auszubildenden im Einsatz.

Doch was geschieht im Inneren? Das lernen an diesem Tag zwei Praktikanten. Unter der Anleitung von Antonia Paulus sollen sie selbst aus Sahne Butter herstellen. Paulus ist als Vollzeit-Ausbilderin für die Milchtechnologen im Unternehmen tätig.

Im ersten Schritt geben sie die Sahne zum Verrühren in einen größeren Behälter. Dann ist für mehrere Minuten Warten angesagt. Die Rührmaschine macht in der Zwischenzeit ihre Arbeit. Währenddessen erklärt Paulus den Praktikanten die entsprechenden Hintergründe der Butterherstellung.

Nach dem Ablassen der Buttermilch sieht das Ergebnis schon sehr vertraut aus. - Foto: Johannes Lesser

Mehrere Minuten später hat die Maschine ihren Dienst erfüllt. Die Buttermilch wird ausgelassen, im Inneren bleibt die Butter im Rohzustand übrig. Die letzten Milchreste werden mit Wasser ausgewaschen.

Die Möglichkeiten im MAC sind vielfältig: „Im Praktikum ist es ein riesen Mehrwert“, beschreibt Paulus. So gebe es die Möglichkeit, es interaktiver zu gestalten. Das Ziel: „Zeigen, dass die Milchindustrie vom Handwerk ausgeht und man viel mit Milch machen kann“, so Paulus.

Fast wie aus dem Supermarkt

Wie sich das Handwerk anfühlt, erfahren die beiden Praktikanten auch im nächsten Schritt am eigenen Leib. Die übrig gebliebene Butter aus der Maschine muss geknetet und anschließend in Form gebracht werden. Bei ersterem wird das letzte Wasser aus der Masse gepresst. Danach folgt das Formen mit zwei hölzernen Klopfern. Kurze Zeit später liegen die ersten quaderförmigen Butterstücke auf der Arbeitsfläche. Rein optisch haben die bereits große Ähnlichkeiten mit denen aus dem Supermarkt – nur eben aus eigener Herstellung. Sie werden verpackt, mit Namen beschriftet und können mit nach Hause genommen werden.

Die bisherigen Rückmeldungen seien positiv, erklärt Personalleiter Marcus Peintinger. Termine für die Schnuppertage gibt es im Monatsrhythmus. In den Ferien sind sie vormittags, während der Schulzeit am Nachmittag. Neben Führungen im Rahmen der Berufsorientierung an Schulen bieten sie die seltene Möglichkeit, einen Einblick in das Unternehmen zu bekommen. Einen Tag der offenen Tür oder etwas Vergleichbares gibt es bei der Firma Goldsteig als Lebensmittelbetrieb nicht, so Peintinger. Am 18. Juli ist zudem von 15 bis 17 Uhr ein Azubi-Informationstag für Schüler und Eltern geplant.

Geformt und verpackt können die Teilnehmer ihre Kreationen mit nach Hause nehmen. - Foto: Johannes Lesser