Letzter G8-Jahrgang am Robert-Schuman-Gymnasium feiert seinen besonderen Abschied

Wenn es ein Wort gibt, das die Abschlussfeier des Chamer Robert-Schuman-Gymnasiums (RSG) am Freitagabend prägte, dann war es „besonders“. Das galt für den Veranstaltungsort – anders als sonst fand die Feier nicht in der Stadthalle statt – aber eben in erster Linie für den Jahrgang, der da von Schulleiter Rudolf Zell die Zeugnisse entgegennehmen durfte.
Das G8-Modell an den bayerischen Gymnasien ist Vergangenheit. Seit diesem Schuljahr schreiben die Schüler nicht mehr in der zwölften Klasse ihr Abitur, sondern wie früher ein Jahr später. Dadurch fielen dieses Jahr die Prüfungen an den bayerischen Gymnasien aus – zumindest an den meisten. Als einzige Schule im Landkreis bot das RSG einen sogenannten Auffangnetz-Jahrgang an.
Viele Wege führen zum Erfolg
Die Protagonisten – eine heterogene Gruppe von Schülern, die aus unterschiedlichsten Gründen dennoch in diesem Jahr die Prüfungen absolvierten. Einer nahm als Überspringer die sogenannte individuelle Lernzeitverkürzung in Anspruch, andere hatten als Wiederholer die Möglichkeit, die zwölfte Klasse erneut zu besuchen, und wieder andere waren nach ihrem Mittleren Schulabschluss auf das RSG gewechselt, um dort ihr Abitur zu machen. Darüber hinaus nahm auch eine externe Absolventin an den Prüfungen teil, „die bereits seit mehreren Jahren voll im Berufsleben steht“, erklärte die stellvertretende Schulleiterin Sandra Wagner.
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„Ihr habt nicht nur ein großes Etappenziel erreicht, sondern auch einen ganz besonderen Weg hinter euch – einen, der nicht nur von Willenskraft und Ausdauer, sondern auch von Vielfalt, Umwegen, Umbrüchen und Neuanfängen geprägt war“, beschrieb es Schulleiter Zell in seiner Rede. Ein Weg mit einem erfolgreichen Ende: Alle 23 Schüler bestanden ihr Abitur, sieben von ihnen sogar mit einer Eins vor dem Komma.
Eine von ihnen ist Donika Qitaku. „Ich habe in Kötzting 2022 meinen Realschulabschluss gemacht“, erzählt sie. Danach wollte sie zunächst eine Ausbildung anfangen. „Das hat mir nicht getaugt. Und dann bin ich aufs Gymnasium gegangen“, so die Abiturientin. Mit einem Schnitt von 1,4 wurde sie gemeinsam mit Lena Bergmann (1,5) als Schulbeste geehrt. Bergmann erhielt zusätzlich noch den Fachpreis Biologie für besondere Leistungen.
Auch Leni Mühlbauer hat ihr Abitur geschafft. „Ich bin relativ untypisch in der elften Klasse zum Halbjahr wegen Mathematik durchgefallen, obwohl ich sonst eigentlich einen Einserschnitt hatte“, beschreibt sie ihren Weg in die Klasse.
„Jetzt hatte ich einen sehr tollen Lehrer und der hat mich jetzt auch gut durch das Abitur gebracht.“ Keine Jahrgangsstufe sei so besonders gewesen, wie die letztjährige sagt Mühlbauer: „Jeder hat sein eigenes Individuum gehabt. Wir haben uns immer gut geholfen. Und diesen Zusammenhalt habe ich persönlich in den anderen Jahrgangsstufen noch nicht erlebt.“ Für sie geht es jetzt für ein duales Studium zur Diplom-Finanzwirtin nach Herrsching am Ammersee. Qitaku will Gymnasiallehramt studieren.
Der „wirklich letzte G8-Jahrgang“ stehe laut Rudolf Zell durch die Besonderheiten „auch symbolisch für den Wandel in der Bildungspolitik“. An die Schüler gerichtet führte er aus: „Ihr wart der Jahrgang, der zeigt, dass auch Umwege ans Ziel führen können.“ Der frühere Schulleiter Günter Habel sprach in seinem Grußwort sogar von einer „schulgeschichtlichen Dimension“.
Wir haben das ganz gut gemacht und ich bin unfassbar stolz auf uns.
Donika Qitaku, Abiturientin
Ob die Schüler das Wort „besonders“ in Zusammenhang mit ihrem Jahrgang noch hören können? „Also ich schon“, sagt Qitaku, „es ist nun mal nicht so, wie es für alle anderen war.“ Sie finde, „wir haben das ganz gut gemacht und ich bin unfassbar stolz auf uns.“

Es folgte der Höhepunkt des Abends: In alphabetischer Reihenfolge wurden die Schüler einzeln aufgerufen, um ihre Zeugnisse abzuholen. Alle begleitet von individuellen Liedern aus den Lautsprechern und dem Applaus der Eltern und Angehörigen. Roding, Eschlkam, Cham, Schönthal, Bad Kötzting: Mit dem Namen wurde auch der Heimatort der Absolventen genannt – aus dem gesamten Landkreis kamen Schüler im „Auffangnetz“ zusammen. Für sie endet damit ein großes Kapitel.
Abiturienten aus dem ganzen Landkreis Cham
„Ich glaube, ich bin vor allem sehr erleichtert, weil natürlich war es nicht immer eine leichte Zeit“, beschreibt Qitaku ihr Gefühl nach der Feier. Dennoch empfinde sie „die Stimmung auch sehr melancholisch. Wir werden nie wieder miteinander sitzen und einfach reden. Und man kann nicht vor der Klausur noch schnell einen Video-Chat machen und fragen, wie löst man diese Aufgabe. Und ich finde, das vermisst man, glaube ich, auch ein bisschen.“
Für die 23 Absolventen beginnt jetzt ein neuer Abschnitt. „Überlegen Sie sich gut, wohin es für Sie gehen soll“, so Ex-Schulleiter Habel. „Die Welt da draußen wartet schon sehnsüchtig auf Sie, mit allen ihren Kompetenzen und Fähigkeiten.“
Auch das kommende Schuljahr wird unter besonderen Vorzeichen stehen – wenn auch in anderer Form: Dann nämlich werden die ersten Absolventen der 13. Klassen ihre Zeugnisse in Empfang nehmen dürfen.