Neue Markthalle samt Lerngarten in Steinberg: Verantwortliche sehen viel Potenzial

Es ist ein Projekt, das vor allem die Bürger des Steinberger Ortsteils Oder umtreibt: Andreas Schöberl und Tom Zeller wollen in Schlagweite der Erlebnisholzkugel eine neue Indoor- und Markthalle samt Lerngarten errichten. Bei der Sonderbürgerversammlung vor wenigen Wochen entbrannte eine hitzige Debatte. Im Interview wollen die beiden nun zentrale Fragen aufgreifen und herausstellen, wie viel Potenzial in ihrem Vorhaben steckt.
Blicken wir zunächst auf die Sonderbürgerversammlung, die vor wenigen Wochen in Oder stattfand. Lief diese für Sie so wie erwartet?
Tom Zeller: Es liegt in der Natur des Menschen. Wenn was neues passiert, gibt es häufig erstmal Widerstand. Als Unternehmer geht man einen steinigen Weg. Ich habe deshalb auch nichts anderes erwartet auf der Bürgerversammlung. Wir haben viele Argumente mit aufgenommen und werden diese in unseren Planungen berücksichtigen. Manche waren aber einfach unsachlich. Da bringt es auch nichts, dagegen zu argumentieren.
Andreas Schöberl: Wir haben auch im Nachgang viele Rückmeldungen erhalten und wurden oft darauf angesprochen, was wir hier vorhaben. Da hat sich aber schon herauskristallisiert, dass die meisten das Projekt durchweg positiv sehen.
In der Vergangenheit wurden rund um den Steinberger See viele Projekte realisiert. Flächenfraß war ein Wort, das Ihnen die Anwohner immer wieder vorgeworfen haben. Was halten sie dem entgegen?
Zeller: Wenn Tausende Kinder für die Themen Landwirtschaft, gesunde Ernährung und Regionalität sensibilisiert werden, kann man vertreten, dass landwirtschaftliche Nutzfläche bebaut wird. Außerdem reden wir von 3000 Quadratmeter, das ist überschaubar. Es ist zudem ein schönes Projekt. Wir sprechen hier nicht von einer Industriehalle, die Lärm macht und Abgase in die Luft bläst.
Schöberl: Die Fläche des Lerngartens und rund um die Indoorhalle wird auch nicht versiegelt, wir betonieren und pflastern da nichts zu. Außerdem würde mit dem Lerngarten ja wiederum eine landwirtschaftliche Nutzung stattfinden.
Ein zweiter großer Kritikpunkt war das eh schon hohe Touristenaufkommen. Anwohner befürchten noch mehr Verkehr, wenn eine weitere Attraktion am Seeufer dazukommt. Sind diese Sorgen unbegründet?
Schöberl: Aus unserer Sicht schon. Unser angestrebtes Projekt bezieht sich ja vor allem auf Tage mit schlechtem Wetter beziehungsweise auf die kälteren Monate. Da ist ja grundsätzlich am See weniger los. Die Markthalle samt Lerngarten würde also den Peak an Besuchern nicht verstärken, sondern wäre eine Ergänzung.
Zeller: Wir haben vor Ort auch schon die passende Infrastruktur. Es sind genügend Parkplätze vorhanden, die Verkehrsanbindung ist gut. Aber natürlich haben wir auch Verständnis für die Sorgen der Anwohner. Wir wollen da an einem Strang ziehen. Mögliche Probleme kann man in Zusammenarbeit mit den Anrainern und der Gemeinde lösen. Wir wären auch bereit, unsere Pläne gegebenenfalls etwas zu modifizieren.

Das Projekt besteht aus drei Elementen: Markthalle, Spielplatz und Lerngarten. Fangen wir mit der Markthalle an. Wieso braucht es eine in Oder?
Schöberl: Wir haben tolle Landwirte mit super Produkten. Die sind aber sehr in der Fläche verstreut und gar nicht so präsent. Das wollen wir ändern, in dem wir eine zentrale Anlaufstelle für Direktvermarkter schaffen. Das spart Zeit und Sprit, und die regionalen Erzeuger haben einen ganz anderen Marktzugang.
Und warum ist auch ein Indoorspielplatz Teil der Überlegungen? An Freizeitangeboten mangelt es rund um den See ja nicht gerade.
Zeller: Wir wollen für Kinder und Familien auch eine Anlaufstelle schaffen, wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Und für uns spielt das Thema Bewegung eben eine große Rolle. Der Spielplatz soll sich thematisch am Gesamtkonzept orientieren. Beispielsweise könnten die Spielgeräte an das Thema Landwirtschaft angelehnt sein. Auch Virtual Reality könnte eine Rolle spielen. Das ist eine völlig neue, tolle Form, Kinder in Bewegung zu bringen.
Schöberl: In Dänemark beispielsweise sind viele Turnhallen frei zugänglich. Bei uns gibt es das nicht. Wir wollen einen wettergeschützten Treffpunkt für Kinder schaffen, der viele Möglichkeiten bereitstellt, um aktiv Spaß zu haben – aber auch, um etwas zu lernen.
Apropos Lernen: Das soll ja vor allem, wie der Name schon verrät, Aufgabe des Lerngartens sein. Was hat es damit genau auf sich und wie lässt sich sowas überhaupt umsetzen?
Schöberl: Wir sind der Meinung, das Kinder spielerisch am besten lernen. Wenn sie also nicht nur etwas erzählt bekommen oder sich ein Video im Internet anschauen, sondern Sachen selbst erleben können. Der Lerngarten würde da eine ideale Möglichkeit schaffen. Mit der Horsch-Stiftung haben wir bereits einen starken Partner gewinnen können. Im Lerngarten soll in Zusammenarbeit mit örtlichen Gärtnereien Verschiedenes angebaut werden: von Getreide und Gemüse bis hin zu Blumen, Kräutern oder Beeren. Die Kinder sollen bei Führungen durch den Garten Lebensmittel anfassen, riechen und auch schmecken können und so ein Gespür für Landwirtschaft, Regionalität und gesunde Ernährung bekommen. Wir können uns auch Aktionen vorstellen: gemeinsames Brotbacken zum Beispiel oder Pflanz- und Ernteaktionen.
Die Ideen scheinen schon sehr konkret zu sein. Es gibt ja auch bereits erste Visualisierungen. Wie lange tüfteln Sie eigentlich schon am Projekt?
Zeller: Wir haben uns etwa vor einem dreiviertel Jahr zusammengesetzt und erste Ideen gesammelt. Dass wir gemeinsam etwas umsetzen wollen, steht aber schon länger fest. Wir haben uns bei unserem ersten Kennenlernen gleich gut verstanden und haben viele gemeinsame Themen, die uns wichtig sind. Dazu zählen Bewegung, Ernährung, Regionalität und die Landwirtschaft.
Schöberl: Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen, Tom hat Agrarwissenschaften studiert. Da hatten wir gleich Überschneidungen. Außerdem haben wir beide Spaß daran, Kindern etwas zu vermitteln. So sind wir letztlich auf die Markthalle samt Lerngarten gekommen.
Bis zu einer möglichen Umsetzung dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Was wären denn die nächsten Schritte?
Zeller: Wichtig wäre für uns erstmal, dass der Gemeinderat das Projekt positiv bewertet und sein grundsätzliches Okay gibt. Dann würden wir natürlich nochmal mit Anwohnern in Kontakt treten, um mögliche Probleme aus der Welt zu schaffen. Wir wollen da sehr kooperativ sein. Sollte tatsächlich im Herbst dieses Jahres die Genehmigung kommen, könnte alles Ende 2027, Anfang 2028 realisiert sein.
Weitere Informationen zum Projekt
Webseite: unter www.lerngarten-steinberg.de sind erste Details zum angestrebten Projekt öffentlich einsehbar.
Kontakt: Auskunft gibt auch die inMotion Park Seenland GmbH, unter (0 94 31) 7 98 65 16 oder info@dieholzkugel.de.