Neue Indoor- und Genusshalle neben der Steinberger Holzkugel: Hitzige Debatte entbrannte

Dass die neuesten Visionen für die Freifläche gegenüber der Steinberger Erlebnisholzkugel für Kontroversen sorgen werden, war abzusehen. Dementsprechend gut besucht war die Bürgerversammlung im Ortsteil Oder am Dienstagabend. Anwohner, Bürgermeister und Projektverantwortliche diskutierten mehr als zwei Stunden über eine neue Indoor- und Genusshalle. Je länger die Veranstaltung dauerte, desto schärfer wurde der Ton.
Besonders angriffslustig zeigten sich die Bewohner des Ortsteils Oder. Wie sich herauskristallisierte, beäugen einige schon seit Jahren kritisch, was am Ufer des Steinberger Sees so alles in die Höhe schießt. Dass nun auch noch eine 3000 Quadratmeter große Halle samt Lerngarten entstehen soll, ist für einige zu viel des Guten. Doch dazu später mehr.
Zunächst stellten Tom Zeller und sein Projekt-Partner Andreas Schöberl ihre Visionen vor. Zeller ist als Geschäftsführer des Freizeitareals rund um die Holzkugel bekannt. Schöberl dagegen ist öffentlich noch nicht wirklich in Erscheinung getreten. Aufgewachsen ist er auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Oder, die besagte Freifläche gegenüber der Holzkugel hat er geerbt.
Bewegung und Ernährung sollen im Fokus stehen
Zeller und Schöberl versuchten gleich am Anfang Wind aus den Segeln zu nehmen. Um Profit gehe es beiden nicht. Viel mehr möchten sie mit der Indoor- und Genusshalle die Herzensangelegenheiten Bewegung und Ernährung in den Fokus rücken.
Zeller beschreibt sich selbst als absoluten „Ernährungsfreak“. Es gebe kaum einen Podcast und kaum ein Buch zu dem Thema, das er bisher nicht gelesen beziehungsweise gehört hat, wie er am Dienstag erzählte. Aber auch das Thema Bewegung spiele für ihn eine zentrale Rolle. Denn die habe ihn einst vor dem Rollstuhl bewahrt, als er als Jugendlicher nach einem Unfall auf einer Pferdefarm im Rückenwirbelbereich verletzt wurde.

Mit der inMotion Park Seenland GmbH und dem damit verbundenen Freizeitareal machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Kinder vom PC wegbringen an die frische Luft – das hat sich Zeller nach eigenen Worten auf die Fahnen geschrieben.
Einen Teil dazu beitragen soll auch das neue Projekt in Schlagweite der Holzkugel. Erste Visualisierungen gibt es bereits, man sei aber noch weit weg von einer konkreten Realisierung, wie Schöberl und Zeller am Dienstagabend betonten. Die ersten Pläne haben es durchaus in sich. Die neue Halle soll einen etwa 1500 Quadratmeter großen Indoorspielplatz in nachhaltiger Holzbauweise ebenso beherbergen wie eine Markthalle in der gleichen Größenordnung, die Produkte regionaler Erzeuger in den Fokus nimmt – samt eigenem Verkostungsbereich.
Auch Firma Horsch soll Interesse haben
Im Außenbereich soll sich ein großer Lerngarten anschließen. Andreas Schöberl sprach unter anderem von Anbauflächen für Feldfrüchte, Blühwiesen und eventuell auch Tieren, die hier gehalten werden könnten. Der Lerngarten soll Anlaufstelle für Schulklassen, aber auch für Ausflügler und einheimische Familien sein. Kinder für die Landwirtschaft begeistern und sie spielerisch über Themen wie nachhaltige Ernährung aufklären, lautet das Ziel. Mit seiner Idee stieß Schöberl auch bei seinem Arbeitgeber Horsch auf Interesse, wie er erzählte. Seit vielen Jahren arbeite er für den Landmaschinenhersteller aus dem Schwandorfer Ortsteil Sitzenhof.
Dass man das Projekt nicht stemmen kann, ohne Geld zu verlangen, ist klar.
Andreas Schöberl
Doch so pädagogisch wertvoll das angestrebte Projekt sein mag, kostenlos würde die neue Halle samt Garten wohl nicht genutzt werden können. Angesprochen auf mögliche Eintrittspreise sagte Schöberl: „Dass man das Projekt nicht stemmen kann, ohne Geld zu verlangen, ist klar.“ Aber die Preise sollen erschwinglich bleiben, beispielsweise Mithilfe einer externen Bezuschussung. Schließlich solle sich jedes Kind einen Aufenthalt in der Indoor- und Genusshalle leisten können. Um maximalen Gewinn gehe es, wie eingangs erwähnt, nicht, beteuerten die Verantwortlichen.
Vor allem Bürger aus Oder sparten nicht mit Kritik
Worte, die bei dem ein oder anderen Zuhörer im Saal für Gelächter sorgten. Bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend im Waldcafé Baumer mussten sich Schöberl und Zeller einige Seitenhiebe gefallen lassen. Vor allem die Bewohner des Ortsteils Oder übten teils harsche Kritik. „Flächenfraß“, „Ausbeutung der Natur“, „Profitgier“ – Worte, die immer wieder für Beifall sorgten. Man fühle sich als Einheimischer nicht mehr wohl, meide mittlerweile Spaziergänge am Seeufer. Die vielen Touristen hätten die einstige Idylle kaputt gemacht.

Und jetzt soll wieder in Oder ein neues Großprojekt entstehen, das sei zu viel. Zudem stellten sich einige die Frage, ob die vorhandene Infrastruktur überhaupt ausreiche, wie man das zwangsläufig noch höhere Verkehrsaufkommen stemmen solle oder wer letztendlich dafür bezahle.
Es gab aber auch durchaus positive Stimmen. Ein Fürsprecher war kein geringerer als Altbürgermeister Jakob Scharf. Er erinnerte die Anwesenden daran, dass der Tourismus für Steinberg essenziell sei. „Wir haben hier doch sonst nichts anderes“, so Scharf. Gleichwohl mahnte der Altbürgermeister an, dass man schon aufpassen müsse, dass nicht zu viel „Halligalli“ am Seeufer herrsche. Das sei mit einer möglichen neuen Indoor- und Genusshalle aber nicht der Fall. Zudem seien die Themen Nachhaltigkeit und Pädagogik absolut zu befürworten.
Wertvolle Rückmeldung für den Steinberger Gemeinderat
Das sah auch der amtierende Bürgermeister Harald Bemmerl (SPD) so. Die Pläne seien in einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderats bereits vorgestellt und positiv bewertet worden. Der Rathauschef hatte aber natürlich auch Verständnis für die Sorgen der Bürger. Entschieden sei in der Sache generell noch gar nichts. Es sei noch ein weiter Weg bis zu einer möglichen Realisierung. „Wir werden sicherlich noch oft über das Thema sprechen“, so Bemmerl.
Er bezeichnete die Bürgerversammlung als wertvolle Rückmeldung, die der Gemeinderat in seiner Juli-Sitzung nichtöffentlich thematisieren werde. Im August/September soll das Thema Indoor- und Genusshalle dann im öffentlichen Teil behandelt werden.
Zeller und Schöberl zogen aus der Veranstaltung durchaus auch Positives. Sie hatten das Gefühl, dass das Projekt an sich gut bei den Bürgern ankam. Ein Großteil der Kritik habe sich lediglich auf den Standort bezogen. Man sei natürlich bemüht, Lösungen zu finden. „Man kann noch über vieles reden“, so Schöberl.