„Das ist Sparkasse in Reinkultur“: Was Banker Jonathan Stich an Cham begeistert

Von Christoph Klöckner · 7. Juli 2025 um 19:00

Draußen sind es noch erträgliche 26 Grad im Schatten – doch das Handy warnt schon wieder vor Hitze. Im vierten Stock, unterm Sparkassendach, sind die Fenster bereits weit offen – zwei Stockwerke darunter – bei Jonathan Stich, dem neuen Vorstandsmitglied, sind die Fenster vor lauter Lamellen gar nicht zu sehen – hier kann man es aushalten. Er trägt heute Krawatte. Nicht zwanghaft, wie zu früheren Sparkassenzeiten üblich, sondern um ein gutes Bild beim Foto abzugeben.

Wobei er seinen Kleidungsstil nach dem ausrichte, wer ihm im Termin begegne. Sozusagen um eventuellen Erwartungshaltungen entgegenzukommen. „Ist es ein Start-up, ziehe ich mich anders an, als wenn ich Kunden fürs Private Banking treffe“, sagt der 40-Jährige. Bei den Mitarbeitern appelliere er an die Selbsteinschätzung in Sachen Kleidung. Das gelingt nicht immer – bei den Beschäftigten im Service müsse man da manchmal über das ein oder andere hinwegsehen. Doch habe er schon in der Ausbildung gelernt, dass Kleider eben nicht immer Leute machen, wie eine Redewendung suggeriert: „Der Auftritt allein ist nicht alles — manchem sieht man die Millionen nicht an, die er hat.“

Jonathan Stich hat gerade die ersten offiziellen 100 Tage in seinem neuen Job hinter sich gebracht, auch wenn er schon seit 1. Februar hier ist – und seine Erwartungen sind mehr als positiv übertroffen worden. Man habe ihm vorher gesagt, der Oberpfälzer sei eher zurückhaltend gegenüber Unbekannten: „Die Menschen haben mich jedoch mit viel Offenheit empfangen.“ Dinge wie Bodenständigkeit und Ehrlichkeit seien ihm bei den Gesprächen etwa mit den Chamer Unternehmern begegnet, die ihn beeindruckt hätten.

Zu Fuß zur Arbeit

Er als Neuer hat als erstes etwas neu machen lassen – sein Büro. Der Charme vergangener Bürowelten ist vor die Türe gewandert, in den Raum ist mit neuen hellen, leichter wirkenden Schrankbereichen und aufgeräumtem Interieur Modernität eingezogen. Aktuell wirkt es noch steril und austauschbar – kein Familienbild, kein Handballpokal, kein Maskottchen neben dem breiten Curved Monitor, der einen äußerst aufgeräumten Schreibtisch dominiert. So wirkt es ein wenig, als sei das neue Vorstandsmitglied noch nicht ganz da.

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Doch soll seine künftige Heimat Cham heißen – er hat kein Haus gemietet, er hat gleich eines in Cham-West gekauft. Für ihn ist das auch ein Signal nach außen: Ich will länger bleiben.

Was ihn begeistert und was er bisher an seinen Einsatzorten noch nie hatte: Er kann zu Fuß zur Arbeit gehen und sogar mittags nach Hause, um mit der Familie zu essen. Dass es so wirkt, als sei er noch nicht ganz da, liegt auch daran, dass die Wichtigsten in seinem Leben vor Ort noch fehlen. Seine Frau und die beiden Kinder im Grundschulalter kommen erst Mitte Juli, wenn das Haus fertig ist. „Das passt alles. Sie freuen sich auf Cham“, sagt Jonathan Stich. Die Stadt biete alles, was man brauche – mehr als manche größere Stadt – habe einen hohe Freizeitwert. Da müsse man nicht extra nach Regensburg fahren. Hier könnten die Kinder sicher gut aufwachsen.

Das Miteinander pflegen

Da der Nachwuchs noch in die Grundschule geht, habe sich jetzt ein beruflicher Wechsel angeboten: „Wenn sie erst im Teeniealter sind, wird so etwas schwieriger.“

Ausschlaggebend für seine Bewerbung in Cham sei die selbstgegebene Antwort auf die Frage gewesen, was man sich im Leben wünsche. Er habe schon einige Geldhäuser kennengelernt, große wie kleine. Je größer desto anonymer sei das Miteinander – hier in Cham sei es noch möglich, irgendwann alle Beschäftigten mit Namen zu kennen. Dieses Miteinander pflege die Sparkasse Cham – auch das begeistere ihn. Wenn die Firmenberater draußen am Sonntag auf dem Fußballplatz ständen, bekannt seien, und dort gleich beim Spiel die Geschäfte der kommenden Woche verabreden würden: „Das ist Sparkasse in Reinkultur.“ Da fühle er sich heute wohler als in der Anonymität einer Riesenbank. „Für mich ist es wichtig, dass die Sparkasse ein Teil des Wirtschaftslebens ist und man sich kennt und schätzt.“

Filialen nicht im Feuer

Aktuell seien die Filialen der Sparkasse nicht im Feuer. Und es werde gerade auch nicht geprüft, ob sich jede rechne. Sicher sei ein solches Filialnetz kostennachteilig für die Sparkasse, doch im Flächenlandkreis Cham passe es. Vieles hänge letztlich an der Attraktivität, also an der Nutzung des Filialangebots. „Wenn die Berater den ganzen Tag auf die Kunden warten müssen, ist das kein ausfüllender, attraktiver Job“, so Stich. Doch solche will die Sparkasse bieten. Also müsse man abwarten. In seinen früheren Einsatzgebieten habe er Filialen in Orten geschlossen, wo 8000 Menschen wohnten.

Der gebürtige Singener, den einst sein Vater als Sparkassenmann für eine Ausbildung dort begeisterte, stammt auch aus eher einer ländlichen Gegend. Dennoch gibt es Unterschiede zu allen bisherigen Arbeitsorten, wo er beschäftigt war, ob Stuttgart, Singen oder zuletzt Heidelberg. Deutschlandweit sei der Landkreis beim Bargeldgebrauch auffällig – das hat er sich vergangene Woche noch einmal schwarz auf weiß geben lassen: Die Chamer Sparkassenkunden gehören beim Nutzen ihrer Bankkarte zu den Schlusslichtern.

Wobei sie nicht alles Bare ausgeben: Viel Geld bringen sie noch zur Bank, wie die Zuwachsraten bei der Sparkasse Cham zeigen. Er persönlich nutze lieber Karten oder das Handy statt Bargeld, um zu bezahlen.

Erfolge feiern

Und auch wenn er einmal Handballprofi war und bis heute extrem sportinteressiert ist –„als Kind wollte ich einmal Sportjournalist werden“ – Adrenalin ist nicht das, was er sucht. Das klinge nach Hasardeur, einem, der kopflos ins Abenteuer renne: „Diesen Kick brauche ich nicht!“ Es sei mehr der Ehrgeiz, der ihn antreibe, sich zu messen, sich Ziele zu geben, um sie zu erreichen, und auch, sich bei Erfolgen zu feiern. Anders als etwa Investmentbanker, die mit zwei, drei Klicks Geld scheffeln, sehe er vor Ort, was die Sparkasse mache: „Wenn eine neue Firmenhalle gebaut wird und ich dann durchlaufe – da freut man sich schon.“

Bleibt noch die Frage, was für einen Landrat er sich künftig wünscht, denn der ist letztlich der Chef der Sparkasse – als Vorsitzender im Verwaltungsrat der Sparkasse: „Einer, der sich interessiert, entscheidungsstark ist.“