Zur Konjunkturlage im Landkreis Cham: Sparkassenbanker sind verhalten optimistisch

Zurück zur Normalität – das dürfte der Sparkasse im Landkreis Cham lieb sein nach langen Jahren im Zinskeller und dem darauffolgenden Zins-Hype, der das jüngste Geschäftsjahr mit einem überdurchschnittlichen Ergebnis enden ließ. Denn auch in ruhigerem Fahrwasser lassen sich gute Geschäfte machen.
Das vergangene Geschäftsjahr sei überaus gut gelaufen, wie bereits 2023, sagt Vorstandsvorsitzender Franz Wittmann, der jetzt mit seinem neuen Kollegen Jonathan Stich an der Seite den Geschäftsbericht 2024 der Sparkasse vorlegte. Beide Jahre seien aber keine Normaljahre gewesen – das werde nach augenblicklichem Stand aber 2025 werden. Dank Zinsrückkehr funktioniert auch das Geschäftsmodell mit Kreditvergabe gegen Zins der Sparkasse im Landkreis Cham wieder.
Massive Barreserven
In der Jahresbilanz 2024 fallen vor allem die massiv angewachsenen Barreserven im Vergleich zum Vorjahr ins Auge. Von knapp 34 Millionen wuchs dieser Posten auf über 88 Millionen Euro an. „Wir haben das Geld nicht hier vor Ort“, sagt Franz Wittmann dazu. Es liege auf dem Konto der Sparkasse bei der Bundesbank, um Zinsen zu bringen. Dieser Anstieg sei ihnen selbst gar nicht so bewusst gewesen. Zum einen seien die Kundeneinlagen gewachsen – um 7,3 Prozent auf fast 1,9 Milliarden Euro.
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Das spreche auch fürs Vertrauen der Chamer in die Sparkasse, meint der Vorstandsvorsitzende. Der Rest sei eher „saisonalbedingt“ und seit Jahren für ihn so zu beobachten: Am Ende des Jahres bringen die Chamer viel Geld auf die Bank, vielleicht erklärbar wegen zuvor des ausgezahlten Weihnachtsgelds oder weil viele Rechnungen zu der Zeit beglichen würden.
Reaktion auf Kundenkredite
Auch auf der Passivseite des Jahresabschlusses gab es Zahlenanstiege – bei den Rückstellungen und bei dem Fonds für allgemeine Bankrisiken. Es gehe hier weniger um Risikoabsicherung als vielmehr um eine Reaktion bei Kundenkrediten, um Reserven für Ausfälle bei sich eventuell verschlechternder Konjunktur zu bilden, erklärt Wittmann.
Viele Kundengelder landen auch wieder bei der Bank, weil es wieder Zinsen gibt. Sparkassenbriefe mit einjähriger Laufzeit seien aktuell mit 1,15 Prozent verzinst. Die Zinsen seien seit dem Start ins Jahr zwar schon wieder gesunken, da die EZB gleich mehrfach den Zinssatz gesenkt habe, so Jonathan Stich, doch gebe es noch welche. Aktuell herrsche eine Zinspause, auch weil die Inflationsrate gesunken sei. „Doch gefühlt sind die Preise noch immer hoch, da man mit dem Vorjahr vergleicht“, sagt Franz Wittmann.
Sein Kollege weist auch darauf hin, dass von den Zinsschwankungen der kurzfristige Zins betroffen sei – langfristige Baukredite, etwa mit zehnjähriger Zinsbindung, seien da fester und würden auch wieder verstärkt abgerufen. „Was wir feststellen, ist, dass sich die Menschen auf die Baukosten eingestellt haben: Die Häuser werden kleiner!“ Die Bauherren würden wieder mutiger, die Nachfrage von privat nach Baukrediten sei seit Jahresbeginn stabil.
Wirtschaft aktuell „stabil“
Allgemein beurteilen die beiden Banker die konjunkturelle Lage des Landkreises als stabil. Chamer Unternehmen würden auch jetzt investieren – „wir sind verhalten optimistisch“, so die Einschätzung von Stich und Wittmann. Nicht zu spüren sei hier bisher der Regierungswechsel in Berlin, und auch das Zollchaos hat offensichtlich noch keine Auswirkungen im Landkreis. Vielmehr habe es eine Sonderkonjunktur gegeben, da aus Angst vor Zöllen mehr aus den USA bestellt und dann geliefert wurde. „Die amerikanische Politik ist nicht berechenbar“, meint Wittmann – dass der Präsident gar die Nationalgarde schicke, klinge für ihn wie Bürgerkriegsszenario.
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Die Unsicherheit dort hatte auch Auswirkungen auf die Sparkasse, wie Jonathan Stich schildert. Da mittlerweile mehr Chamer zur Altersvorsorge etwa in Aktienfonds oder Sparpläne investieren würden, habe es einige Nachfragen gegeben, ob man auf die Kursschwankungen reagieren müsse. „Das zeigt Kundennähe“, meint Stich. Bayernweit sei die Chamer Sparkasse gut dabei, wenn es um die Wertpapierkultur gehe. „Ziel ist es nicht, das Vermögen in eine Aktie zu investieren und drei Wochen später wieder zu verkaufen, sondern ein kontinuierliches monatliches Investment in breit gemischte Aktienfonds.“ Im Gegensatz zu früher seien da heute auch Rüstungsfirmen im Portfolio, denn deren Notwendigkeit sei für viele offensichtlich, wie auch die aktuelle Politik erkannt habe. „Da hat sich auch meine eigene Einstellung geändert“, sagt Franz Wittmann.
Kampf gegen Bürokratie
Wenig Hoffnung machen sich Wittmann und Stich, dass die Entbürokratisierungsankündigung auch bei den Banken überflüssige Kontrollen und Regelungen abschaffen werden. Gemeinsam mit den Volks- und Raiffeisenbanken führe man hier einen „harten Kampf“ und erarbeite Vorschläge, wo die Vorgaben entschlackt werden könnten.
Gleichzeitig habe die Bafin, die Finanzaufsicht in Deutschland, nach fünf Jahren Vorbereitung eine neue Prüfungsvorschrift erlassen, die noch gar nichts von Entbürokratisierung verinnerlicht habe und keinerlei Entlastung bringe, sagt Franz Wittmann: „Deren Mühlen mahlen langsam“ – daher werde eine Verbesserung wohl zehn Jahre dauern.