Kommt ein weiteres schwieriges Jahr für die Wirtschaft im Landkreis Cham?

Rund 1600 Arbeitsplätze hat die Oberpfalz bei verschiedenen Unternehmen im vergangenen halben Jahr bereits verloren. Auch der Landkreis Cham hat hier schon bluten müssen. Und die Aussagen aus den Branchen für 2025 sind wenig optimistisch – die aktuelle Arbeitsmarktanalyse scheint das noch nicht so ganz zu bestätigen, wobei es Signale gibt.
So sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auch in Cham leicht zurückgegangen, beschrieb jetzt Eva Plößner, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, auf Nachfrage. Im März 2024 – der letzten aktuellen Zahl – seien hier 55.523 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen, „im März 2023 waren dies noch 56.107“.
Erster Rückgang seit langem
Das ist der erste Rückgang für den Landkreis nach langer Zeit. Die Arbeitslosigkeit steige auch in Cham leicht an, hieß es aus der Agentur für Arbeit Ende November – doch mit dem Hinweis, dass Cham nach wie vor nur eine geringe Arbeitslosenquote aufweise. Es gebe Anzeichen für Betriebsschließungen in den nächsten Monaten beziehungsweise stünden die schon im Raum, so Plößner.
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Ein weiteres Zeichen für die angespannte Lage in den Firmen und den Auftragsbüchern ist die Kurzarbeit. Betriebe würden das Instrument Kurzarbeit nutzen, um ihre Beschäftigten im Unternehmen zu halten, so die Agentur: „Die Nachfrage nach Kurzarbeit steigt auch im Landkreis Cham an.“
Die Betriebe im Bau etwa würden über Auftragsrückgänge berichten, durch die Vorlaufzeiten am Bau seien die Firmen allerdings gut durch 2024 gekommen. „Für 2025 ist die Stimmungslage nicht komplett negativ. Man rechnet mit Rückgängen, aber will das vorhandene Personal halten“, analysieren die Arbeitsmarktexperten.
Hinsichtlich Arbeitslosigkeit gebe es auch noch keinen sprunghaften Anstieg, wobei die üblichen saisontypischen Ausstellungen auch in diesem Jahr kommen würden, hieß es Ende November, was sich nun im aktuellen Arbeitsmarktbericht für Dezember bestätigt hat: Die Arbeitslosigkeit ist im Landkreis Cham im Dezember 2024 gestiegen. 2324 Menschen waren demnach arbeitslos gemeldet, 281 Personen oder 13,8 Prozent mehr als im November und 126 Personen beziehungsweise 5,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 3,1 Prozent und lag mit 0,4 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt bislang eine Normalentwicklung, denn im Dezember 2023 lag die Quote für Cham bei 3,0 Prozent.
„Das ist für diese Jahreszeit ein normaler Wert, da aufgrund des nahenden Winters die Arbeiten im Außenbereich größtenteils eingestellt werden. Die rückläufigen Auftragslagen tragen aber sicherlich auch mit dazu bei“, so Wolfgang Kürzinger, Leiter der Arbeitsagentur-Geschäftsstellen Cham und Bad Kötzting.
Und – ein positives Zeichen – die Unternehmen suchen weiterhin Mitarbeiter. So wurden im Dezember 171 Stellen neu gemeldet – sogar 13 mehr als im Vormonat – jedoch 102 weniger als 2023 zur gleichen Zeit.
Vor allem eine Gruppe ist besonders von Arbeitslosigkeit gefährdet
Die meisten freien Stellen gebe es aktuell in den Branchen Baugewerbe, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Gesundheits- und Sozialwesen, Gastgewerbe. 1777 freie Stellen zählte die Arbeitsagentur im Landkreis. Im Vergleich etwa zum Oktober 2023 ist hier ein deutlicher Rückgang sichtbar – 2028 freie Stellen gab es da noch.
„Ich bitte die Unternehmen, auch ihre Bedarfe bei den Arbeitsstellen zu melden, damit wir für Bewerberinnen und Bewerber einen transparenten Markt abbilden können und die Arbeitsangebote bei der Stellensuche in der Jobbörse werden können“, appelliert der Arbeitsmarktexperte. Vor allem eine Gruppe ist besonders von Arbeitslosigkeit gefährdet – die der Ungelernten, die als Helfer in den Unternehmen angestellt sind. „Die Situation im Helferbereich ist allerdings schwieriger geworden. Das zeigt einmal mehr die Notwendigkeit einer Ausbildung. Eine Ausbildung trägt wesentlich zur eigenen Absicherung bei. „Die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe in unserer Region ist beispielgebend“, so Kürzinger. Hier werde nicht gespart. Es würden laufend Ausbildungsstellen für 2025 gemeldet, schildert Kürzinger.
Geld für Fortbildung ist da
Weiter- und Fortbildungen sind also gefragt, da zunächst vor allem Arbeitsplätze abgebaut werden, die keinerlei Ausbildung bedürfen. Dafür gebe es auch 2025 die entsprechenden Mittel, um Hilfskräften zu Fachkräften weiterzubilden, so Eva Plößner von der Agentur: „Die Weiterbildung von Geringqualifizierten mit Haushaltsmitteln des Bundes ist ein geschäftspolitisches Ziel der Agentur für Arbeit und wird weiterverfolgt.“