Chams ehemaliger Sparkassenchef tauscht nach Erlebnis jetzt Haus und Berge

Von Christoph Klöckner · 22. April 2025 um 15:00

Lange Jahre war für sie klar, dass sie das nicht hinter sich lassen, was sie gerade noch vor sich haben: ein weiter Blick übers Dorf auf die Wiltinger Höhe und den Vogelherd mit seinen 461 Metern Höhe. Dazu kommt die lockende Adresse namens Sonnenhang, die dem entspricht, was sie verspricht. „Hier wollen wir nicht weg!“, haben sich Schneidhubers versprochen. Bis der Watzmann kam – und der Vogelherd nun das Nachsehen hat.

Für Theo Schneidhuber (64), bisher Vorstandsmitglied der Sparkasse im Landkreis Cham und seit einigen Tagen im Ruhestand, ist das, was ihm und seiner Frau Angela da passiert ist, eine Vorsehung, so eine Art Schicksal gewesen. „Wäre es an diesem Tag neblig gewesen oder regnerisch, wären wir hier geblieben“, ist er sich sicher.

Eine Fügung

Für einen Menschen, der im Berufsleben immer alles auf Heller und Pfennig gerechnet hat, ist so eine irrationale Einordnung der Dinge schon etwas Besonderes. Doch er glaubt daran. Auch weil er mehrere solcher Fügungen erlebt hat.

Hätten etwa seine Vorgänger in den Vorstandsämtern der Sparkasse im Landkreis nicht so ein Chaos angerichtet und daher vor 20 Jahren gehen müssen, hätte er nie die Chance gehabt, herzukommen. „Das war ein Glücksfall!“, sagt er. Aus der zweiten Führungsriege der Sparkasse Passau heraus bewarb er sich vor 18 Jahren um den Posten in Cham. Es habe damals nichts zu verlieren gegeben – „daher ging es nur bergauf!“ Die Mitarbeiter hätten sich nach normaler Führung gesehnt – die konnte er bieten.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Franz Wittmann hat er dann die Bilanzsumme der Bank verdoppelt. Und das trotz globaler Täler wie der Nullzins- oder die Finanzkrise 2008. „Wir haben uns Sonntagabend immer zusammengerufen und uns gefragt, ob die Menschen morgen die Bank stürmen, um ihr Geld abzuheben.“ Manche bittere Entscheidung wie Filialschließungen waren auch dabei. Heute stehe die Sparkasse gut da – da sei es für seinen Nachfolger Jonathan Stich schon schwieriger, neue Erfolge zu feiern.

Im Landkreis hatten sich Schneidhubers schnell eingelebt, schließlich gebaut, um zu bleiben. Wobei die beiden insgesamt bereits vier Mal ein Haus gebaut haben, was nicht für strikte Sesshaftigkeit spricht. Dennoch war der Plan zu bleiben. Die Arbeit passte – er bei der Sparkasse, seine Frau bei der IHK – Freunde kamen dazu. „Die Menschen hier haben eine ähnliche Mentalität wie die bei Passau“, sagt Theo Schneidhuber, „meine Sprache musst ich nicht verändern!“ Mittlerweile sei auch das Image der regionalen Banken wieder besser, nachdem sich die überregionale Konkurrenz vor Ort verabschiedet habe. Neu ist für ihn heute, dass er immer überlegt, was er anziehen soll. „Ich habe ja immer nur Anzüge getragen“ – und er sei auch einer von zwei Stimmen im Leitungsgremium der Sparkasse gewesen, die gegen das Ende der Krawatte gestimmt habe: „Da habe ich schwer mit zu kämpfen gehabt. Die abzuschaffen, war richtig – sie wirkt heute verstaubt.“ Seriosität gehe auch ohne Krawatte, habe er lernen müssen.

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Dass er eine gute Zeit am Sonnenhang in Wilting hatte, die nun mit dem Umzug ins Passauer Land zu Ende geht, lässt sich am aktuellen Hausprojekt ablesen: „Wir bauen dort das gleiche Haus wie hier!“ Das neue Domizil ist genauso geplant wie das Chamer, das er vor zwölf Jahren mit seiner Frau in Wilting gebaut hat. Auch vom gleichen Architekten aus Bad Kötzting. Und dass sie hier bleiben und hier alt werden wollten, ist im Haus ablesbar. Alles ist ebenerdig angelegt, barrierefrei und fürs Alter geeignet. Der Unterschied liegt im Preis für den Neubau. Der hat sich in den zwölf Jahren verdoppelt: „Wir haben deshalb an der Qualität gespart, günstigere Türen und Fenster als hier in Wilting.“

Gründe fürs Kofferpacken

Der neue Sonnenhang ist in einem kleinen Dorf bei Bad Griesbach – „nur drei Kilometer weg von meinem Elternhaus!“ Aber was hat nun der Watzmann mit dem Weggang zu tun? Er war mit dem Dachstein der Grund fürs Kofferpacken. Vor etwa zwei Jahren sei im Haus am Sonnenhang die Debatte aufgekommen, was man so im Ruhestand eigentlich mache. Das Stichwort Familie sei gefallen und mit dem nahenden Ruhestand immer drängender geworden.

Doch die Familie lebt mit den eigenen Eltern, den jeweils drei Geschwistern, den vier Kindern und vier Enkelkindern in Masse im Unteren Bayerischen Wald. „Ich habe vorgeschlagen, für die Besuche dort ein Wohnmobil anzuschaffen“, erzählt Schneidhuber. Seine Frau habe den Vorschlag verbessert: „Leihen wir uns erst einmal eines!“ So habe man ein paar Tage vor der Garage der Tochter gecampt, um zu sehen, ob das geht: „Die Enkelkinder fanden es cool, wir eher nicht!“ Nächster Vorschlag, um den Wegzug zu vermeiden – eine kleine Wohnung für die Familienbesuche kaufen.

Man habe sich also eine Wohnung im Sechsfamilienhaus angeschaut. Auch das sei wenig ansprechend gewesen. „Wir sind dann in dem Neubaugebiet spazieren gegangen und ganz oben auf dem letzten Baugrund gelandet“, so Schneidhuber. Und dort habe es sie dann ereilt – die Vorsehung. „Bei blauem Himmel und Föhn haben wir dort gestanden und rechts den Watzmann und links den Dachstein vor uns gesehen, als seien sie fünf Minuten weg.“ Da hatten Wiltinger Höhe und Vogelherd keine Chance mehr – es sei um sie geschehen gewesen – wenn noch einmal bauen, dann hier, so der Tenor. Das sei 2023 gewesen. Das Grundstück war erst reserviert, dann aber frei – und an Schneidhubers verkauft.

Zuletzt habe er in zwei Welten gelebt – der Passauer und der Chamer Welt, wie er sagt. Ab 1. Juni bleibt nur noch die Passauer – wobei – so ganz geht er nicht. Er bleibt in der Radlgruppe von Team Red und donnerstags wird gekartelt. In der Schafkopf-Sparkassenrunde – da geht‘s um Bares, wie es sich gehört für einen Banker. Für den 64-Jährigen ist da die Bilanz eher düftig, er schiebt es auf die Oberpfälzer Spielweise des Schafkopfs: „Da war ich eher der Sponsor der Ruhe!“

Radln im Team Red der Sparkasse – so ähnlich schaut die Bergwelt jetzt vor dem neuen Haus aus. Foto: Schneidhuber