Bewahrung eines alten Handwerks: Aufbau des Kohlenmeilers in Waldmünchen hat begonnen

Von Johannes Lesser · 8. Juli 2025 um 05:00

Die Kohlenmeiler haben in und um Waldmünchen eine lange Tradition. In ihnen wird aus Holz Holzkohle produziert. Seit der Mitte der 90er Jahre lebt das Handwerk einmal jährlich auf – damit das klappt sind einige Vorbereitungen notwendig, die teils schon im Vorjahr beginnen.

Kurz nach der Mittagszeit am Waldmünchener Kohlenmeiler. Das Knattern von Motorsägen hallt durch den Wald, am Boden sammeln sich die Späne. Ein paar Meter entfernt ist in regelmäßigen Abständen das Geräusch einer Axt zu hören, gefolgt von zerteilten Holzscheiten, die dumpf auf dem Erdboden landen. Der Geruch von nassem Laub und frisch gemähtem Gras liegt in der Luft.

Was sich hier, fünf Auto- und zehn Wanderminuten von der Innenstadt entfernt, abspielt, ist der alljährliche Aufbau für den Kohlenmeiler. Am kommenden Freitag wird der im festlichen Rahmen angezündet und liefert so einen besonderen Einblick in ein altes Handwerk.

Eine alte Tradition

Waldmünchen und seine Kohlenmeiler – eine Tradition, die schon lange zurückreicht. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Wald vielerorts zur Herstellung von Holzkohle genutzt, beschreibt es die Stadt. Die hat gegenüber dem unverarbeiteten Rohstoff einen großen Vorteil: das geringere Gewicht. Die Hauptabnehmer seien seinerzeit die Hammerwerke und Glashütten gewesen, die einen „immensen“ Energiebedarf hatten, heißt es von der Stadt weiter.

Diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Doch seit 1995 wird alljährlich ein authentischer Meiler aufgebaut und betrieben – lediglich mit zwei Jahren Pandemie-Unterbrechung. Jürgen Köbler ist Revierleiter bei der Bayerischen Forstverwaltung. In sein Gebiet fällt auch Waldmünchen. Die ersten Vorbereitungen beginnen bereits im Herbst, erklärt er.

Infotafeln im Waldgebiet liefern detaillierte Hintergründe. - Foto: Johannes Lesser

Der Aufbau selbst wird dann in zwei Tagen zu Beginn der Woche erledigt. Konkret werden die Holzstücke in die passende Form gebracht und dann kreisförmig in mehreren Schichten an einem vorbereiteten Aufbau angebracht. Nach weiteren Arbeitsschritten hat der Meiler leichte Ähnlichkeiten mit einem größeren Erdhügel – nur dass in diesem dann ein Feuer brennt und das Holz zur Holzkohle wird.

„Man kann längst vergessenes Handwerk präsentieren“, beschreibt Köbler die Besonderheit des Kohlenmeilers. Darüber hinaus werde so ein Bildungsauftrag erfüllt. Außerdem kommen für das Projekt viele Menschen zusammen, die in unterschiedlichen Funktionen mitarbeiten. Köbler betont in diesem Zusammenhang den Teamgeist und die zugehörigen vermittelten Werte. Daran beteiligt ist ein Fünfergespann aus der Stadt, dem Volkstumsverein, dem Naturpark Bayerischer Wald, den Bayerischen Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung.

Azubis als Unterstützer

Unterstützung liefern beim Aufbau die Forstwirts-Auszubildenden der Berufsschule in Neunburg vorm Wald. Jeweils eine Gruppe von zehn Schülern ist am Montag und Dienstag im Einsatz. Grafenwöhr, Hohenfels, Schweinfurt: Die Azubis kommen aus ganz Bayern. Für sie ist der Einsatz ein Teil des Praxisunterrichts. Nach einer Erklärung Köblers zum historischen Hintergrund des Meilers und seiner Funktionsweise machen sie sich ans Werk.

Das festliche Anzünden ist am Freitag um 17 Uhr geplant. Es wird das nächste Kapitel im Erhalt eines jahrhundertealten und doch fast vergessenen Handwerks.