Verein „Leben ohne Barrieren“ setzt beim Inklusionsfest in Cham Zeichen für Miteinander

„Der Verein hat in Martina Vogl die passende Person als Schirmherrin gefunden, weil sie die Aufgabe lebt, alle Menschen zu unterstützen, auch bei den Maltesern, und entsprechend wertschätzend zu Verfügung steht.“ Mit diesen Worten lobte Bürgermeister Martin Stoiber am Sonntag das vom Verein „Leben ohne Leben ohne Barrieren“ (LoB) durchgeführte barrierefreie Inklusions- und Integrationsfest im Stadtpark und die Geschäftsführerin der Chamer Malteser.
Martina Vogl scheint aber auch zusätzlich einen guten Draht nach oben zu haben, denn sie erfüllte ihre Aufgabe an diesem Tag voll und ganz: kein ganz heißes Sommerwetter, zwischendurch eine erfrischende Brise und kaum ein Tropfen Regen. Kein Wunder, dass sich schon vor 13 Uhr die ersten Besucher einfanden und weitaus mehr kamen, als beim ersten Fest vor zwei Jahren. Darüber freute sich besonders der Vereinsvorsitzende Florian Gruber mit seiner Vorstandschaft, der an die 150 aktive Ehrenamtliche und als Ehrengäste neben der Schirmherrin und dem Bürgermeister Renate Hecht, Behindertenbeauftragte des Landkreises, sowie die Geistlichkeit mit Pater Jim, Pfarrerin Maria Ammon und Prädikantin Dorothea Müller willkommen hieß.
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„Das Fest ist für alle da, nimmt jeden mit und bietet etwas für jede Couleur“, so Gruber bei der Eröffnung. Für die Stadt sei es ein Zeichen für nach außen hin gelebte Inklusion und Integration – und das in einer Zeit, in der man sehe, wie einige Gruppen, vermeintliche Minderheiten, unter Beschuss geraten würden. Die Zahl der Stände haben sich im Vergleich zur ersten Veranstaltung verdoppelt. Das zeige, dass es voran gehe. Man wolle noch mehr Gruppierungen anziehen, um das große Ziel zu erreichen, vor allem die Barrieren in den Köpfen abzubauen.
Der Schirmherrin, für die dieses Amt etwas Neues wie ein erster Schultag bedeute, überreichte Gruber eine kleine Schultüte mit Süßigkeiten, eine gerahmte Urkunde und einen besonders für sie passenden Blumenstrauß: im Herzen eine weiße Rose mit kleinen Disteln außen herum. „Wer dich kennt, weiß, dass du im Herzen butterweich und zuckersüß bist, aber dich auch, wenn es darauf ankommt und es um das Ehrenamt geht, durchsetzt und mal ein bisschen ,distelig‘ werden kannst“, bescheinigte er Martina Vogl.
Dieses Fest ist weit mehr als eine Veranstaltung. Es ist ein lebendiges Zeichen für Zusammenhalt, Offenheit und gegenseitigen Respekt.
Schirmherrin Martina Vogl
Diese erklärte, sie stehe mit großer Dankbarkeit und Freude hier, und es sei ihr eine Ehre, da sie bereits über zwei Jahrzehnte bei den Maltesern mit Integration und Inklusion zu tun habe. „Dieses Fest ist weit mehr als eine Veranstaltung. Es ist ein lebendiges Zeichen für Zusammenhalt, Offenheit und gegenseitigen Respekt und zeigt, wie vielfältig, bunt und stark unsere Gesellschaft ist, wenn wir einander – unabhängig von Herkunft, Sprache und körperlichen oder geistigen Voraussetzungen – mit offenen Armen begegnen“, so Vogl. Dabei gehe es nicht darum, die Ziele zu erreichen und dann abzuhaken, sondern diese seien ein fortlaufender Prozess, der alle betreffe: im Alltag, in den Schulen, in der Arbeitswelt und in den Herzen. Sie wünsche sich, dass alle die Botschaft dieses Tages mitnehmen in die Familien, Nachbarschaften und Gemeinschaften.
Mensch steht im Mittelpunkt des Festes
Bürgermeister Stoiber, der die Grüße und den Dank des Landrats überbrachte, zitierte den Naturwissenschaftler des 17. Jahrhunderts, Isaac Newton: „Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken.“ Das Fest, in dessen Mittelpunkt der Mensch stehe, finde in unmittelbarer Nähe des Begegnungszentrums St. Michael statt und gemäß der Marke Chams „Begegnung erleben“. Für den Verein habe die Stadt bereits eine Spende überwiesen, und der von ihm übergebene Brief des Landrats enthalte vermutlich eine weitere.




Renate Hecht erklärte in ihrer Rede knapp die Intentionen des Festes: „Inklusion heißt, dass Menschen mit Behinderung ihr Leben nicht mehr an vorhandene Strukturen anpassen müssen, sondern eine gleichberechtigte Teilnahme ermöglicht wird. Integration bedeutet Zugehörigkeit in der Gesellschaft.“ Heute solle gezeigt werden, dass diese zwei Faktoren Realität seien. Es sei wichtig, immer wieder durch Veranstaltungen im Landkreis auf die Rechte der Behinderten aufmerksam zu machen. Dafür dankte sie dem LoB und allen mitwirkenden Organisationen.
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Zum Schluss der Festeröffnung erbaten die kirchlichen Vertreter den Segen Gottes für diesen Tag, für das Miteinander und Zusammensein sowie für die Stadt: „Wir sind viele, mit verschiedenen Sprachen, Wegen und Geschichten. Und wir sind hier verbunden durch die Freude am Leben, den Zusammenhalt und die Würde.“
Vielfältiges Programm mit Teilnehmern aus dem Landkreis
Dann begann ein vielfältiges Programm mit Teilnehmern aus dem Landkreis und darüber hinaus (wie Amberg, Regen, Kelheim, Schwandorf). Für die Kinder standen eine Hüpfburg, ein Karussell, Zwergponys zum Streicheln, ein Zauberer und ein Jongleur sowie viele Spiele bereit. Wer sportliche Fähigkeiten zeigen wollte, konnte sein Gleichgewichtsvermögen auf einer Slackline und seine Zielgenauigkeit bei einem Basketballständer oder einer Soccer-Darts-Scheibe mit Klett-Fußbällen testen. An Mitmachstationen wurden Percussionsdosen oder Schatzkisten gebastelt. Zur Verfügung standen Glücksräder, ein Flohmarkt, ein Losverkauf, Stände mit Kunsthandwerk und solche fürs Schminken oder Tätowieren.
Weitere Höhepunkte waren die Friseure mit Herz, die Segensstation der Evangelischen Kirche und die Lebensmittelsammlung der Chamer Tafel. Eine Vielzahl von sozialen Einrichtungen informierte über ihre Dienstleistungen. Für die Verpflegung wurden Getränke, Kaffee und Kuchen, Popcorn und Zuckerwatte angeboten.
Die musikalische Umrahmung bestritt die Familienband Eibers & friends aus Hocha mit einem umfangreichen Repertoire. Dazu gab es Tanzeinlagen der RänDancers des FC Ränkam (Leitung Eva Vogl) und mit ukrainischen Kindern (Leitung Oksana Hryhorenko) sowie ein Mitmachkonzert von Simsalakling (Leitung Julia Heitzer).
Statt fester Preise standen Sammelboxen für Spenden bereit, die an das Jugendzentrum JUZ, die Montessori Schule in Schönthal und das Chamer Bündnis gegen Depression weitergeleitet wurden.