Gökhan Altincik will an Bad Abbachs Rathaus-Spitze - und verblüfft mit Aussagen

„Der Wahlkampf ist eröffnet.“ Mit diesen Worten kündigte Gökhan Altincik am Freitag, 4. Juli 2025, seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Bad Abbach (Landkreis Kelheim) an. Der 50-Jährige ist Inhaber des RKT und will die „Schlafstadt“ attraktiver machen. Zu seiner Vita gehört auch eine Vorstrafe. Und etwas anderes lässt aufhorchen: Er könne sich vorstellen, als Investor in die Kaiser-Therme einzusteigen.
Bad Abbach bekommt einen Bewerber mit reicher Lebensgeschichte. Eigentlich Elektroinstallateur wechselte Altincik später in den medizinischen Bereich. Mit der „Ambulanten Intensivpflege Bayern“ hob er 2008 ein eigenes Unternehmen aus der Taufe, das in der Spitze bis zu 1300 Mitarbeitern zählte. „Vor zwei Jahren habe ich es verkauft“, erklärte er bei seiner Vorstellung im Gasthaus Zirngibl.
Vor acht Jahren erwarb er den RKT (Regensburger Krankentransport), der mit 300 Mitarbeitern in fast ganz Bayern tätig ist. „Ich bin ein Rettungsdienstler durch und durch.“ Gerne sitze er auch selbst im Fahrzeug.
Wie eine Firma führen
Vor etwa 15 Jahren zog Altincik nach Bad Abbach. „Es ist eine schöne Stadt – aber auch eine Schlafstadt. Wir leben noch wie in Kurzeiten, aber die sind vorbei.“ Das habe ihn bewogen, den Hut in den Ring zu werfen. „Bad Abbach hat viel Potenzial und ich habe viele Ideen.“ Er will, sollte er gewählt werden, „den Markt wie eine Firma führen: Wir müssen die Einnahmen erhöhen, um Ausgaben schultern zu können.“ Mit den Geldern will er einen höheren Freizeitwert schaffen und Bad Abbach für Bürger und Touristen attraktiver machen.
Im Blick habe er unter anderem ein (Insel-)Bad – „das darf auch ein Draufzahlgeschäft sein“ – und auch ein Hallenbad sowie eine Aufwertung der Fußgängerzone. „Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen, weil wir etwas zu bieten haben“, sagt der RKT-Chef.
Ich habe einen Fehler gemacht. Daraus habe ich gelernt.
Gökhan Altincik, Bürgermeister-Kandidat
Den Geldmittelzufluss will er über die Gewerbesteuer stärken. „Wir müssen Betrieben, die sich ansiedeln wollen, Bad Abbach als Standort schmackhaft machen.“ Für weitere Einnahmen-Generierung habe er „Konzepte“, konkret ging er darauf aber nicht ein.
Offen bekannte sich Altincik zu einer Vorstrafe. Während seiner Zeit als Inhaber der Ambulanten Intensivpflege habe er sich um 2012 einen Abrechnungsbetrug zu Schulden kommen lassen. „Das war ein Fehler.“ Die Quittung erhielt er vor Gericht mit einer Bewährungsstrafe und einer Geldauflage. Mittlerweile gelte er nicht mehr als vorbestraft. „Diese Geschichte gehört zu meinem Leben dazu. Daraus habe ich aber auch gelernt.“
Kaiser-Therme erhalten - mit Altincik als Investor?
Für Verblüffung sorgte auch eine Aussage zur Kaiser-Therme, die wie mehrfach berichtet verkauft werden soll. „Bevor jemand einsteigt, der die Therme nach einem Jahr schließt und nur auf die Grundstücke aus ist, würde ich als Investor einspringen“, sagte Altincik und verwies auch auf Geldgeber, die ihm zur Seite stünden. Den augenblicklichen Prozess sehe er kritisch, „weil vieles im Verborgenen abläuft“.
Altincik geht parteilos ins Rennen, führt aber derzeit „aussichtsreiche“ Gespräche mit einer Fraktion, deren Namen er noch nicht nennen will. Auch für den Kreistag möchte er sich bewerben. Er peile einen „fairen Wahlkampf“ an, bekundete er, „aber es wird ein heißer Herbst“. Der aktuelle Bürgermeister Benedikt Grünewald trage keine Schuld am „Stillstand“, ergänzte Altincik.
Benedikt Grünewald will wieder antreten
Grünewald will, so erklärte dieser auf Anfrage der Mediengruppe Bayern, am 8. März 2026 wieder antreten. „Die CSU Bad Abbach wird sich demnächst in einer Vorstandssitzung mit den Kommunalwahlen befassen, dem möchte ich nicht vorgreifen. Grundsätzlich macht mir das Amt unglaublich viel Freude und ich bin mit vielem noch nicht fertig“, so der Amtschef. Zur Kandidatur Altinciks wollte er sich nicht äußern. „Ich finde, das steht mir nicht zu.“
Zur Person
Familie: Gökhan Altincik hat vier Kinder im Alter von vier bis 21 Jahren, zwei davon mit seiner Lebensgefährtin. Seine erste Ehe ist geschieden. Der 50-Jährige stammt aus Auerbach in der Oberpfalz.
Beruf: Zunächst lernte er Elektroinstallateur bis zum Gesellenbrief. Seine „Berufung“ aber war der Rettungsdienst, er wurde Krankenpfleger und Notfallsanitäter. Er gründete 2008 die Ambulante Intensivpflege Bayern und kaufte 2017 den Regensburger Krankentransport (RKT).