Posse um Café in Regensburg: OB gratuliert zu neuen Sitzen – Ordnungsamt entfernt sie

Mittwochnachmittag vor zwei Wochen vor dem Café Friedl Zwo in der Obermünsterstraße: Vier Mitarbeiter vom Ordnungsamt wollen einen Freisitz räumen – der gar keiner ist. Und das im Beisein einer Kollegin vom Stadtplanungsamt, die an der Umgestaltung der neu Freifläche mitgewirkt hat. Im Interview spricht Sebastian Plate über den Vorfall, sein Verhältnis zur Stadt Regensburg – und seine Wünsche an die Verwaltung.
Herr Plate, was war da los?
Sebastian Plate: Mittag tauchten vier Mitarbeiter des Ordnungsamts auf, die zunächst an meinem Geschäft vorbeizogen. Ich habe gesehen, wie sie um die Ecke Fotos von dem neu gestalteten Bereich zwischen „Jerusalem“ und dem „Friedl Zwo“ machten. Nach einigen Minuten kamen sie um die Ecke, spazierten in mein Geschäft und verlangten den Betreiber. Ich bin ihnen bereits gefolgt und bat, die Angelegenheit nicht vor Gästen zu besprechen. Ein Mitarbeiter raunzte mich völlig unflätig an, ich hätte hier gar nichts zu sagen und hätte Folge zu leisten und eine Genehmigung für einen Freisitz vorzulegen.
Aber Sie hatten keine?
Plate: Seit Herbst 2024 habe ich an mehreren Treffen mit den Planern, die für die Umgestaltung der Obermünsterstraße maßgeblich gearbeitet haben, teilgenommen. Ich habe viel mit ihnen gesprochen. Einige Planer waren mehrfach vor Ort, wir haben alles abgestimmt, ich habe selbst viele Stunden damit zugebracht, die zerfallene Terrasse zurückzubauen, die ehemals als die „Grüne Oase“ bekannt war. Alle Schritte waren besprochen, mir wurde mehrfach von verschiedener Stelle bestätigt, dass alle Anträge gestellt und bewilligt worden seien, für eine Übergangsfrist Stühle aufzustellen.
… also einen Freisitz zu betreiben.
Plate: Eben nicht. Die Stadt fand den Gedanken von „Transition“ gut, eine konsumfreie Aufenthaltszone fortzuführen und sogar zu vergrößern. Ich habe vorgeschlagen, Stühle zu besorgen und so eine Zone zu schaffen, die für alle zugänglich ist, unabhängig davon, ob man sich einen Kaffee besorgt, einen Döner essen möchte oder einfach nur im Schatten des Baums etwas lesen möchte.
Wie ging es weiter?
Plate: Ich habe den Anwesenden zugerufen, sie möchten bitte die Stühle, auf denen sie sitzen, in mein Café tragen und nach Hause gehen, weil ich sonst vermutlich zur Kasse gebeten werde.
Eine ziemlich absurde Situation...
Plate: In der Tat. Vor allem, weil eine zufällig anwesende Mitarbeiterin des Stadtplanungsamts aufstand und von ihren Kollegen wissen wollte, was hier vor sich geht. Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts sagte an die Frau vom Stadtplanungsamt gewandt nur, dass sie sich nicht ausweisen könne und überhaupt keine Information bekommen würde. Das ist eine Unverschämtheit und Amtsanmaßung. In wenigen Minuten wird das Vertrauen, das in den vergangenen Monaten gegenüber der Stadt entstanden ist, „mit dem Arsch eingerissen“. Das ist ein Zitat eines Mitarbeiters der Stadt, mit dem ich über den Fall gesprochen habe.
Sie haben den Vorfall sehr schnell publik gemacht. Es gab zahlreiche Reaktionen.
Plate: Die Gäste haben die Stühle in den Laden getragen, waren aber mehr als empört. Ich habe darauf ein Bild von dem leeren Platz auf Instagram gepostet. Im Anschluss muss es eine riesige Welle gegeben haben. Anders ist nicht zu erklären, warum drei Stunden später Mitarbeiter des Ordnungsamts kamen, um sich zu entschuldigen - diesmal aber nur zu zweit.
Die Stadt sprach der MZ gegenüber von einem Missverständnis…
Plate: Mir gegenüber sprachen sie von einem Irrtum. Man habe nichts von der Sondernutzungsgenehmigung gewusst. Ich habe die Entschuldigung angenommen, aber deutlich gemacht, dass ich absolut kein Verständnis für die Art des Auftretens habe und mich künftig wehren werde. Schlussendlich durfte ich die Stühle wieder nach draußen stellen.
Wie blicken Sie mit ein paar Tagen Abstand auf die Kontrolle?
Plate: Es ist alles sehr fragwürdig – nicht nur wegen des ungehobelten Auftritts der Ordnungsamtmitarbeiter. Es ist für mich kaum vorstellbar, dass das Ordnungsamt keine Kenntnis von existierenden Genehmigungen städtischer Behörden hat, oder zumindest so tut. Hätte es keine Möglichkeit gegeben, sich im Vorhinein zu informieren?
Zugleich arbeiten Sie mit der Stadt zusammen. Sie scheinen ein ambivalentes Verhältnis zu haben.
Plate: Das trifft es. Mit Leuten vom Planungsreferat oder mit den Altstadtkümmerern klappt das wunderbar. Der Kontakt ist super – das könnte an anderer Stelle ähnlich gut funktionieren. Ich beobachte allerdings, dass Bürger und Geschäftsleute mehr und mehr von Behörden in einer Weise behandelt werden, die Kopf schütteln macht. Gleichzeitig bin ich kampfeslustig, wenn einzelne Personen mir erzählen wollen, dass „alles immer schlimmer wird“. Ich sage den Menschen, die auf die Stadt schimpfen, dass man sehr wohl mitgestalten kann. Allerdings nur, wenn man sich einbringt. Und das machen die Menschen in der Verwaltung. Natürlich haben auch sie ihre Rahmen, Vorschriften und Anweisungen, denen sie folgen müssen. Es liegt mir nichts daran, die Stadt in toto schlecht zu machen. Aber was sich punktuell abspielt, ist schlechterdings skandalös – und nach der Aktion von Freitag schrumpft bei mir persönlich die Lust auf mehr Engagement.
Sehen Sie auch positive Aspekte an der Stadtverwaltung?
Plate: Absolut! Es gibt sicher noch sehr viel mehr hervorragende Leute als ich kenne. Wie ich schon sagte: Planungsamt: Daumen hoch! Sie haben nicht nur zu einer Umgestaltung beigetragen, die ich sehr begrüße, sondern haben auch mein Bild von Behörden gründlich revidiert.
Was sagt die Stadt zu dem Vorfall?
Auf MZ-Anfrage teilt die Stadtverwaltung mit, dass es ihr leid tue, dass es zu einem Missverständnis gekommen sei. Die Kommunikation zwischen den Ämtern habe nicht so geklappt, wie es wünschenswert sei. Der KOS habe noch in der Verwaltung nachgefragt, ob eine Freisitzerweiterung vorliege. Das sei verneint worden. „Der KOS musste daher vor Ort so handeln.“
Erst im Nachhinein sei dem KOS mitgeteilt worden, dass es sich bei der Fläche um eine Maßnahme des Stadtplanungsamts zur Steigerung der Aufenthaltsqualität im Obermünsterviertel handelt. Der KOS habe sich in der Folge unverzüglich beim Gastronomen entschuldigt. Dass nur zwei Mitarbeiter kamen, habe daran gelegen, dass das weitere Personal zur Überprüfung des Bürgerfest-Aufbaus gebraucht worden sei.