Rolf Schüler aus Furth im Wald zeigt, was man gegen Hitze in der Stadt tun kann

Von Alexander Frimberger · 3. Juli 2025 um 05:00

Flederwisch-Chef Rolf Schüler kann nicht verstehen, warum man seitens der Politik erst jetzt beginnt, sich Gedanken zu machen, wie die Hitze in Städten bekämpft werden kann. In seiner grünen Erlebniswelt wird seit 25 Jahren mit Erfolg an einem angenehmen Klima gearbeitet.

Es ist heiß und es wird noch heißer werden. Willkommen im Klimawandel. Aktuell geben Ärzte Empfehlungen aus, wie man sich bei Temperaturen jenseits der 35 Grad verhalten soll. Politiker diskutieren, auf Schulhöfen Bäume zu pflanzen und Dächer zu begrünen.

145 Bäume gepflanzt

In Städten wie Regensburg, Deggendorf, Straubing und zuletzt auch in Cham macht man sich Gedanken, was zu tun ist, um Hitze für die Menschen erträglicher zu gestalten. „Ich verstehe wirklich nicht, wie man so rückständig sein kann, sich erst jetzt Gedanken zu machen“, wundert sich Schüler.

Er bastelt seit 25 Jahren am Mikroklima der Erlebniswelt. Zusammen mit seinem Bruder Alex und dem Flederwisch-Team hat er 145 Bäume, rund 1000 Sträucher und unzählige andere Pflanzen gesetzt, wo früher ein Werksgelände, ein Durchgangslager und Hütten der Bahn gestanden haben. Tatsächlich, wenn man den Blick schweifen lässt und sich nicht, wie sonst, auf die zahlreichen Kuriositäten und Installationen konzentriert, dann fällt erst auf, dass man sich in einer grünen Oase befindet. Die verschiedenartigsten Pflanzen wachsen hier.

Ich verstehe wirklich nicht, wie man so rückständig sein kann, sich erst jetzt Gedanken zu machen.

Rolf Schüler, Erlebniswelt Flederwisch

Vor 20 Jahren ging es nicht darum, hitzebeständige Bäume zu pflanzen. Das ist bis heute nicht das primäre Ziel. Vielmehr achtet Schüler auf den richtigen Boden und den passenden Standort. Da hat dann auch der bei uns als Blauglockenbaum bekannte chinesische Kiribaum an einer besonderen Stelle seinen Platz. Das wünscht sich der Tüftler auch für die Städte: „Mir ist schon klar, dass man nicht überall Bäume pflanzen kann, weil zum Beispiel deren Wurzeln Schäden verursachen können.“ Aber auch in kleinen Städten müssen Räume geschaffen werden.

Doch er setzt noch auf eine weitere Methode zur Kühlung: Jedes Dach auf dem Grundstück wird vernünftig entwässert. Zisternen fangen das Regenwasser auf. Wenn es zu viel wird, wird der Überschuss über Gräben langsam versickert. „Warum soll ich wertvolles Wasser über den Kanal ableiten, wenn ich es nutzen kann?“, fragt er sich.

So plätschert es überall auf dem Gelände. Kleine Teiche wurden angelegt, da und dort kühlt Sprühnebel das erhitzte Gesicht. Ein Drache spuckt Wasser statt Feuer, wer sich auf die Bank unter dem kleinen Wasserfall setzt, mag nicht mehr aufstehen, so angenehm ist die Temperatur dort. Laubengänge spenden Schatten, grüne Dächer ebenso, Wasser senkt die Körper- und die Außentemperatur. Man spürt es sofort, wenn man zwischen den verschiedenen Zonen wandelt. Selbst bei 35 Grad und mehr kann man es an vielen Stellen gut aushalten.

Grüne Oase Erlebniswelt Flederwisch in Furth im Wald - Foto: Alexander Frimberger
In der Erlebniswelt Flederwisch in Furth im Wald gibt es viel zu entdecken - Foto: Alexander Frimberger
Was hinter der Tür wohl wartet - Foto: Alexander Frimberger
Schattige Plätze und Wege gibt es in der Erlebniswelt Flederwisch in Furth im Wald jede Menge - Foto: Alexander Frimberger
Über die Statue läuft beständig Wasser. Auch ein kühles Plätzchen in der Erlebniswelt Flederwisch in Furth im Wald - Foto: Alexander Frimberger
Der Ritter gibt mit seinem Wasserstrahl dem Drachen gegenüber contra - Foto: Alexander Frimberger
Ein kleiner Wasserfall an einem verwunschenen Ort in der Erlebniswelt Flederwisch in Furth im Wald - Foto: Alexander Frimberger
Die Aquaponik-Anlage in der Erlebniswelt Flederwisch in Furth im Wald - Foto: Alexander Frimberger

Schüler betrachtet sich selbst als Praktiker, der vieles versucht, die Theorie überlässt er anderen. So hat er sich auch erfolgreich an der Aquaponik versucht.

Jeder kann etwas tun

Ein ebenso einfacher, wie genialer Kreislauf: In einem Aquarium schwimmen Fische. Mit dem Wasser, das deren Hinterlassenschaften enthält, werden Pflanzen gedüngt. Das gefilterte Wasser fließt zurück ins Aquarium. Dazu brauchen die Obst- und Gemüsesorten, die dabei verwendet werden, häufig noch nicht einmal Erde, Sie stecken in Röhren und ernähren sich rein über das Wasser. Weiterer Mehrwert: In größeren Anlagen können die Fische ebenfalls verwertet werden. Geredet wurde genug, es ist an der Zeit zu handeln, findet Schüler. Er sagt, jeder kann etwas beitragen. Ein plätschernder Brunnen in der Nähe einer Sitzecke, da, wo es geht, einen Baum pflanzen. „Wenn jeder ein wenig so denken würde, dann wäre schon viel gewonnen.“ Wer mit einem Getränk an einem seiner verzauberten Orte sitzt, wird ihm vorbehaltlos Recht geben müssen.

Erfrischung an heißen Tagen: Sprühnebel, der große Wirkung erzielt und wenig Wasser verbraucht - Foto: Alexander Frimberger