Niedrigwasser legt Kelheims Ausflugsschiffe lahm: Angespanntes Warten auf Regen

Von Beate Weigert · 2. Juli 2025 um 19:00

Nicht nur die Donau im Landkreis Kelheim weist niedrigen Pegel auf, auch der Grundwasserstand sinkt. Denn bei der anhaltenden Trockenheit wird mehr Wasser "abgezapft“. Von der Landwirtschaft etwa.

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Vor einem Jahr lag der Donau-Pegel nach der Flut vom Juni hoch. Nun verfolgen die Verantwortlichen der drei Kelheimer Schifffahrtsunternehmen Pegelstände und Wetterprognosen mit Argusaugen. Aktuell können die sechs Schiffe der Weißen Flotte bereits in der zweiten Woche die touristischen Hauptattraktionen, Weltenburger Enge und Kloster Weltenburg, nicht ansteuern.

„Die Situation ist angespannt“, sagen Seniorchefin Renate Schweiger, Brigitte Meller und Karin Steibl-Lotter unisono. Insbesondere viele vorgebuchte Fahrten von Busgruppen müssen ausfallen. Und auch viele Tagesausflügler bleiben weg. Mancher Urlauber erfährt auch erst an der Schiffskasse von der Misere.

80 Prozent Umsatzeinbußen

Auf alternative Routen lassen sich längst nicht alle ein. So sind derzeit die Umsatzeinbußen immens. Renate Schweiger beziffert sie auf „80 Prozent“. Kein Wunder: Die Fahrten nach Weltenburg sind die Hauptlinie und es ist Hauptsaison. Wer sich auf das Highlight eingestellt hat, will oft keine andere Route erleben. Stattdessen geht es für Reisegruppen dann oft per Bus nach Weltenburg.

Am späten Mittwochvormittag lag der Pegel der Donau in Kelheim bei 2,05 Meter. Später noch niedriger. - Foto: Beate Weigert

Freilich sei die aktuelle Lage eine Momentaufnahme, sagt Renate Schweiger. Die Saison, die bis Oktober dauert, könne noch gut werden. Doch vom Saisonstart weg war der Donau-Pegel 2025 relativ niedrig. Der April war sehr trocken, im Mai und Juni wurde es nicht besser. Am Mittwochmittag lag der Pegel bei 2,04 Meter. Mittlerweile ist auch die Fähre bei Stausacker wegen Niedrigwasser eingestellt.

Es gab Jahre, da konnten die Ausflugsschiffe noch bis 2,12 Meter unterm Kiel gen Weltenburg fahren, so Renate Schweiger. In diesem Jahr sei schon bei 2,30 Meter Schluss. Denn hinzu kommt, dass sich heuer Kies, insbesondere an einer Stelle, ungünstig in die Fahrrinne gelegt hat.

Alle drei Schifffahrtsbetriebe versuchen derzeit, dass ihre Mitarbeiter Überstunden abbauen, nach Möglichkeit Urlaub nehmen oder dass sie Reparaturen vorziehen. Schifffahrtsmitarbeiter seien aber von Haus aus sehr flexibel, zollt Renate Schweiger der Crew ihrer Familie Lob.

Alle Kelheimer Reeder hoffen mit Blick auf die Wetterprognosen der kommenden Tage, „dass ein Umschwung kommt“. Für die nächsten zwei Wochen seien diese „gar nicht so schlecht“, sagt Karin Steibl-Lotter. Doch wichtig sei nicht, dass es in Kelheim regne, sondern im Oberlauf der Donau. Wenn dort beständiger Regen niedergehe, komme das Wasser mit einem Tag Verzögerung in Kelheim an, so Renate Schweiger.

Wenn der Donaupegel wieder auf um die 2,30 Meter steige, könne man sich langsam wieder an Fahrten nach Weltenburg herantasten.

Wann die Fahrten wieder aufzunehmen sind, sei nicht vorherzusagen. Dies lasse sich ohnehin immer erst am Morgen des jeweiligen Fahrtags sagen, wenn alle verfügbaren Daten gecheckt sind, sagt Karin Steibl-Lotter.

Aus Auswirkungen auf Gastronomie und Übernachtungen

Die Betriebe der Weißen Flotte haben einige Erfahrung mit trockenen Zeiten. Ein ums andere Mal sei das aber „nicht schön“, sagt die Chefin der Schifffahrt Steibl. Vieles, auch Investitionen in die Zukunftsfähigkeit, seien so „schlecht planbar“. Mit den aktuellen Umsatzeinbrüchen steht die Schifffahrt aber nicht alleine da. Auch auf Gastronomie oder manche Übernachtung wirken sich anhaltendes Niedrigwasser bzw. große Hitze negativ aus.

Den immer weiter fallenden Donaupegel haben auch der Leiter des Wasserwirtschaftsamts (WWA) in Landshut Patrik Giebel und seine Mitarbeiter genau im Blick. Wegen der anhaltenden Trockenheit komme es auch zu einer erhöhten Wasserentnahme. Nicht nur aus Oberflächengewässern wie der Donau und ihren Zuflüssen, sondern auch aus dem Grundwasser. Etwa durch die Landwirtschaft.

Laut Giebel weisen derzeit auch die meisten oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen „niedrige bis sehr niedrige Messwerte auf“. Der Druck auf die Wasserreserven erhöhe sich immens.

WWA-Chef: Pegel fallen seit den Wintermonaten

Pegel, wie der der Donau, befinden sich „eigentlich bereits seit dem Winter im Fallen“, sagt Giebel. 2024 hatten sich die Werte kurzzeitig stabilisiert, sprich sie waren entgegen der vergangenen zehn bis zwölf Jahre nicht weiter abgefallen. Dieser „Bonus“ war aber durch den trockenen, schneearmen Winter aufgebraucht. Die Niederschläge, die es in den vergangenen drei Monaten gab, waren „zu unergiebig“.

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Mit Blick auf die Landwirtschaft brauche es ein Umdenken, sagt der WWA-Chef. Sowie „zeitnah eine Umstellung auf wasserschonende Kulturen, um Zustände, wie sie in Spanien bereits eingetreten sind – ein vollständiges Trockenfallen bis in tiefste Grundwasserregionen – zu verhindern. Giebel geht davon aus, dass auf lange Sicht bislang relativ gleichmäßig verteilte Niederschlagsmengen in Niederbayern wegen des Klimawandels weniger werden. Lang anhaltende Trockenperioden dürften sich etablieren, sagt er.

Für die Natur sei Trockenheit Stress pur. „Gewässer verrinnen, Feuchträume fallen trocken, Rückzugsorte werden weniger, die Temperaturen im und am Gewässer steigen, der Sauerstoff im Gewässer wird knapper“, zählt Giebel auf und wirbt für Renaturierungs- und Wiedervernässungsprojekte.

Niedrigwasser in Kelheim

• Kelheims Donaupegel fällt weiter. Mittwochvormittag lag er bei 2,05 Meter. Später bei 2,04 Meter. Der aktuelle Abflusswert liegt laut Wasserwirtschaftsamt bei 118 Kubikmeter pro Sekunde.

• Der Durchschnitt aller Tageswerte von 1959 bis 2021 betrug 331m³/s. Das Mittel der niedrigsten Tageswerte in dem Zeitraum lag bei 145 m³/s, der niedrigste gemessene Wert in dem Zeitraum bei 85,2 m³/s. „Dies zeigt, in welch niedrigem Bereich wir uns gerade befinden“, so Landshuts WWA-Leiter Patrik Giebel.