Mit Vollgas durch die Hitze in Furth: Wie schwer ist eigentlich ein Olympischer Triathlon?

In Furth im Landkreis Cham hat sich der Drachen-Triathlon am gleichnamigen See mittlerweile fest etabliert. Das Konzept eines Triathlons klingt vergleichsweise einfach: Schwimmen, Radfahren, Laufen. Ganz alltägliche Disziplinen, eine klar vorgegebene Reihenfolge. Doch wie fühlt es sich an, den Triathlon auf der Strecke zu erleben und ohne die ganz große Vorbereitung über die Olympische Distanz teilzunehmen? Wir haben den Selbstversuch gemacht.
Trotz prognostizierten über 30 Grad gingen am Sonntag insgesamt 255 Teilnehmer über die Olympische Distanz, den Sprint oder in der Staffel an den Start. Egal, welchen Sport man betreibt, in den Tagen vor Wettkämpfen gibt es bereits einiges zu tun. Für den Drachen-Triathlon haben die Veranstalter vom TV 1881 Furth im Wald eigens eine Packliste erstellt. Badekappe, Einteiler, Schwimmbrille, Laufschuhe, Fahrradhelm, Startnummer: Klingt selbstverständlich, aber im Stress neigt man ja zur Vergesslichkeit. Schon am Freitagabend liegen daher alle Sachen schön geordnet auf dem Wohnungsboden.
Hochleistungen am Vortag
Am Samstag mache ich einen Ausflug nach Furth, um meine Startnummer abzuholen. Gleichzeitig laufen noch die Jugendrennen. Bei den Temperaturen fühlt es sich sehr unwirklich an, einen Tag später selbst auf der Strecke unterwegs zu sein. 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, etwas unter zehn Kilometer Laufen – das ist die Aufgabe. Wer länger als 50 Minuten schwimmt oder nach zweieinhalb Stunden noch auf dem Fahrrad unterwegs ist, für den ist das Rennen beendet. Die Zeiten sind im Normalfall gut schaffbar, trotzdem bereiten sie mir Kopfzerbrechen; gerade als allenfalls mittelmäßigem Schwimmer und – trotz Rennrad – langsamem Radfahrer.
Der große Tag beginnt früh: Mit dem Auto geht es zum Drachensee. Der Parkplatz ist leicht zu finden. Dort wird erst einmal das Fahrrad nach der Fahrt im Kofferraum wieder zusammengebaut. Es ist erst halb 8, trotzdem herrscht vor Ort schon reges Treiben. Triathleten bereiten sich auf das Rennen vor, einige Helfer sind im Einsatz, helfen beim Check-In oder bei sonstigen Fragen. Gelbe Bojen markieren die Schwimmstrecke. Hier im Freiwasser sehen die 1500 Meter noch einmal deutlich weiter als in der Vorstellung.

Das Rad muss in die sogenannte Wechselzone. Nach den ersten beiden Disziplinen findet hier der Übergang zur nächsten statt. Spätestens jetzt erreicht meine Aufregung ihren Höhepunkt. Auch zu dieser frühen Stunde ist es bereits sehr warm. Es folgt die Wettkampfbesprechung durch die Veranstalter, danach geht es zum Anschwimmen erstmals in den See – bei einer Wassertemperatur von knapp 25 Grad eine Wohltat. Das Schwimmen könnte heute wirklich Spaß machen, auch wenn ich meinen Neoprenanzug leider nicht verwenden darf.
Die Zeit verfliegt, schon stehen 41 Motivierte mit mir im Startbereich. Das Rennen beginnt direkt im Wasser. Angefeuert von zahlreichen Zuschauern geht es los. Die ersten Momente sind etwas chaotisch: Schnelle und langsame Schwimmer auf einem Haufen. Ein bis zweimal gibt es leichte Kontakte mit Fersen und Ellbogen der Anderen. Allerdings nicht lange: Schon nach wenigen hundert Metern zieht sich die Gruppe auseinander.
Ich versuche, ruhig zu bleiben und mich mit technisch ausbaufähigen Kraulzügen durch den See zu arbeiten. Ein Blick nach oben – doch noch etwas weiter bis zur nächsten Boje. Jetzt ist es wirklich ruhig, eine Hüpfburg dient als letzte Orientierung zum Ausstieg. Die letzten Momente im kühlen Nass. Ein Großteil des Feldes sitzt bereits auf dem Fahrrad.
Abwechslung auf dem Fahrradkurs
Nach rund 40 Minuten ist es auch bei mir so weit. Mit Vollgas geht es vom See aus in Richtung Norden. Flache Abschnitte gilt es zu nutzen, der Kurs ist ansonsten recht hügelig. Gut 600 Höhenmeter sind es am Ende. Die Sprinter absolvieren eine Runde, die Olympischen zwei. Das Tempo ist hoch: Während ich mich im leichtesten Gang einen Anstieg hocharbeite, zieht ein Starter links von mir mit dem dreifachen Tempo vorbei. Dennoch läuft es ordentlich. Nach einer Runde mit Puls 170 auf dem kurzweiligen Kurs ist das Zeitlimit kein Problem mehr.
Die sportliche Pflicht ist erfüllt, in der zweiten Runde lasse ich den Blick etwas häufiger auch in die Umgebung schweifen. Ob Cerchov, Hoher Bogen oder schlicht die Felder auf den Hängen der Hügel, der Anblick ist bemerkenswert. Den Höhepunkt bildet ein Ausblick auf den See am Ende des einzigen wirklich schwereren Anstiegs kurz vor Schluss. Ein zusätzlicher Vorteil: Die Mühen werden mit einer schnellen Abfahrt belohnt. Immer wieder passiere ich die Helfer an der Strecke, die auch jetzt – am hinteren Ende des Feldes – noch für tatkräftige Unterstützung sorgen.
Angefeuert von Helfern und Zuschauern geht es auf die Laufstrecke. Der letzte Wechsel: eine Erfahrung, die man selbst gemacht haben muss, um sie zu verstehen. Einfach loslaufen? Ohne Training keine Chance: In den ersten Minuten fällt es mir sehr schwer, halbwegs zügig vorwärtszukommen. Dafür gibt es kühle Schwämme und Getränke. Ein wahrer Segen bei den Temperaturen, die hier beim letzten Abschnitt wirklich spürbar werden.
Zwei Runden geht es um den See. Das Gefühl ist erstaunlich gut. Durch die Abstände bin ich die meiste Zeit alleine unterwegs. Alleine über den Kiesweg in der Hitze, Vögel zwitschern, die Bäume und Sträucher am Wegesrand wiegen im leichten Wind. Es hat auf eine eigentümliche Art etwas Besonderes. Wie auf der letzten Fahrradrunde macht mir das Rennen hier tatsächlich Spaß. Durch die beiden Versorgungsposten bleibt die Hitze kontrollierbar. Dennoch: Gerade die zweite Runde wird zu einer schweren Prüfung. Rund 25 Minuten der letzten Herausforderung für Kopf und Beine. Komplett an die Schmerzgrenze zu gehen, traue ich mich ob der Bedingungen nicht. Eine Minute früher oder später spielt nicht mehr die größte Rolle. Dem Puls ist das egal: Der liegt trotzdem bei 175, verrät ein Blick auf die Sportuhr.
Die letzten Schritte
Mit den Gedanken an das nahende Ziel, gebe ich auf den letzten Kilometern noch einmal alles. Ein paar andere Teilnehmer sammle ich so sogar noch ein. Dann ist es geschafft. Über einen roten Teppich geht es nach mehr als drei Stunden ins Ziel. Zur Belohnung gibt es Sprühnebel, Wassermelonen und Kuchen. Kurzes Abklatschen mit den anderen Teilnehmern. Die Stimmung ist gut, welche Zeit genau am Ende auf der Uhr steht, spielt zumindest hier nur eine untergeordnete Rolle.
Es ist das Ende einer besonderen Erfahrung in einer außergewöhnlichen Umgebung und mit sehr vielen leidenschaftlichen Helfern auf der Strecke. Der Sieger Johannes Loos von Twin Neumarkt erreichte das Ziel eine Stunde früher. 2:09:22 Stunden beträgt seine Zielzeit. Bei den Frauen setzt sich Silke Pfab vom TSV Detag Wernberg in 2:47:10 Stunden durch. Eine interessante Herausforderung für Anfänger wie Experten: Der Drachen-Triathlon hält an diesem heißen Junitag definitiv beides bereit.
Die Schnellsten
• Olympische Distanz: Johannes Loos (TWIN Neumarkt/2:09:22 Stunden) und Silke Pfab (TSV Detag Wernberg/2:47:10)
• Sprint Einzel: Alexander Dietl (ASV Cham/1:09:35) und Ida Kubrová (TSV Regen/1:16:14)
• Sprint Staffel: Dreamteam Marcidan (Mixed/1:08:04), Die Schnellen Schnecken (Männer/1:06:05) und Tri-Team Dynafit (Frauen/1:12:42)