Was bringt die Ehrenamtskarte im Landkreis Neumarkt wirklich? Aktive fordern mehr

Von Petra Schlierf · 1. Juli 2025 um 05:00

Die Bayerische Ehrenamtskarte soll freiwilliges Engagement würdigen. Doch das klappt nicht so richtig gut, finden einige, die sich im Landkreis Neumarkt schon viele Jahre engagieren. Ehrenamtliche wünschen sich mehr Anerkennung. Sie haben einige Ideen, wie man das Ehrenamt effektiver unterstützen könnte.

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Genau 5510 Karteninhaber gibt es derzeit im Landkreis Neumarkt, davon haben gut 3000 die goldene Ehrenamtskarte. Einer dieser „vergoldeten“ Ehrenamtler ist Harald Schwarz, Tischtennis-Abteilungsleiter und Trainer beim SC Pollanten. Drei Mal in der Woche steht er in der Halle, trainiert die Jugendgruppe und das gerne.

Trotzdem würde er sich freuen, wenn er und seine Mitstreiter mehr Wertschätzung erfahren würden – und das ganz konkret: „Es ist zwar schön, wenn der Landrat uns dankt und sagt, wie wichtig das Ehrenamt ist, aber davon können wir uns nichts kaufen. Die Ehrenamtlichen stehen nicht gerade Schlange. Wir bräuchten mehr als warme Worte als Anerkennung.“

Er findet, dass die Kommunen selbst mehr tun könnten und schlägt zum Beispiel freien Eintritt für die öffentlichen Bäder im Landkreis vor. Dass Städte und Gemeinden bei Einrichtungen wie das Erlebnisbad Berle ohnehin draufzahlen, ist ihm klar, doch er findet, das sollte es ihnen wert sein. Er gibt zu bedenken: „Wenn sich irgendwann nicht mehr genug Ehrenamtliche finden, zum Beispiel für die Feuerwehr, wird es für die Stadt noch viel teurer.“

Landratsamt sucht mehr Partner für die Ehrenamtskarte

Etwa 40 Akzeptanzstellen weist die Liste des Landkreises Neumarkt aus, an denen man mit der Ehrenamtskarte einen Nutzen hat. Das klingt zunächst gar nicht so wenig, doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass ein Großteil der Angebote nur für einen sehr begrenzten Personenkreis interessant sein dürfte. Ein kostenloser Stadtplan oder eine Stadtführung von der Stadt Neumarkt, freien Eintritt im Stadtmuseum oder eine Ermäßigung in der Gemeindebücherei Mühlhausen sind nichts, wovon Ehrenamtliche aus dem Landkreis im großen Stil profitieren.

Dabei sind aber auch Rabatte bei bestimmten Geschäften oder im Neumarkter Kino und kostenlose Besuche in Museen, was viele Nutzer sehr praktisch finden. Trotzdem ist die Liste nicht übermäßig lang. „Mit großen Städten wie München können wir nicht mithalten“, ist Melanie Seitz klar. Sie kümmert sich im Landratsamt um die Ehrenamtskarte. Auch die Akquise von Akzeptanzpartner gehört zu ihren Aufgaben. Wenngleich sie das Angebot bereits recht abwechslungsreich findet, glaubt auch sie, dass im Landkreis Neumarkt noch Luft nach oben ist. „Dafür müsste man jemanden haben, der zu den Firmen geht und für die Ehrenamtskarte wirbt. Das kann ich aber mit zwölf Stunden in der Woche gar nicht“, erklärt Seitz. Sie versucht zwar auch immer wieder, neue Unterstützer zu werben, vor allem aber kümmert sie sich um die Anträge der Ehrenamtlichen und die Zusammenarbeit mit den Vereinen (mehr dazu im Infokasten).

Beim THW sind vor allem Ehrenamtliche im Bereich des Katastrophenschutzes im Einsatz. - Foto: imago/Falk Heller

Gerade komme mit McDonald’s wieder eine neue, attraktive Akzeptanzstelle dazu. Doch generell hielten sich die Unternehmen derzeit zurück. „Und zwingen kann ich sie nicht. Das basiert alles auf freiwilligem Engagement der Unternehmen“, betont Seitz. Mitunter herrsche der Glaube vor, die teilnehmenden Unternehmen bekämen staatliche Ausgleichszahlungen. Das sei aber nicht so. Umso höher sei das Engagement der Firmen zu bewerten.

Die Ehrenamtskarte sei aber nicht nur ein Geben, betont Seitz: „Die Firmen haben ja auch etwas davon. Gerade in Zeiten des Online-Handels kann man solche Möglichkeiten nutzen, um die Menschen zum lokalen Einkaufen zu bewegen.“ Das Risiko für Unternehmen halte sich in Grenzen, findet sie. Zwar schließen sie einen Vertrag mit dem Landkreis, um in die Liste der Akzeptanzstellen aufgenommen zu werden, ansonsten seien die Firmen aber sehr frei: „Jeder entscheidet selbst, was er anbieten will. Das können Rabatte auf den Einkaufspreis sein oder einfach mal ein kostenloser Espresso nach dem Essen im Restaurant.“ Die jeweilige Vergünstigung kann der Unternehmer in Absprache auch verändern. Interessierte Unternehmer können sich bei Melanie Seitz im Landratsamt unter ehrenamtskarte@landkreis-neumarkt.de informieren.

Trainer, Platzwart, Vereinsfunktionär: Breitensport ohne Ehrenamt ist undenkbar. - Foto: picture alliance/dpa/Federico Gambarini

Kommen neue Firmen dazu, erfahren die Karteninhaber das über den monatlichen Newsletter, den Seitz verschickt. Dieser ist auch ihr Instrument, um gezielt den Ehrenamtlichen im Landkreis etwas Gutes zu tun: „Ich habe ein kleines Budget. Und von dem versuche ich etwa einmal im Monat, Verlosungen anzubieten.“ Gerade erst durfte sie eine Übernachtung für zwei Personen auf der Olpererhütte verschenken, aber auch Gutscheine gibt es regelmäßig, zum Beispiel fürs Volksfest. Die Verlosungen würden sehr gut angenommen, stellt Seitz fest.

Mitglieder des BRK Neumarkt bemängeln Bürokratie

Beim BRK im Kreisverband Neumarkt engagieren sich derzeit über 4500 Mitglieder. Sie sind in ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv, etwa dem Sanitätsdienst, bei der Wasserwacht, in der Seniorenarbeit oder beim Blutspendedienst. Nicht alle von ihnen haben die Ehrenamtskarte, weiß Lisa Weigert von der Servicestelle Ehrenamt im BRK-Kreisverband: „In der Wasserwacht und im Jugendrotkreuz ist die Nutzung bislang eher gering.“ Die Mitglieder der Bereitschaft nähmen sie inzwischen gut an.

Für eine „schöne Geste der Anerkennung“ halten die Karte grundsätzlich viele Ehrenamtliche des BRK: „Gleichzeitig äußern sie den Wunsch nach weitergehender Wertschätzung des Ehrenamts. Besonders eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung wird als wichtig erachtet – etwa in Form steuerlicher Vorteile oder durch eine Berücksichtigung des Engagements bei der Rentenberechnung“, berichtet Lisa Weigert.

Einige BRKler würden sich zwar auch über mehr Akzeptanzstellen freuen, einige störe aber laut Weigert der Aufwand beim Beantragen und regelmäßigen Verlängern. Viele Ehrenamtliche wüssten auch noch gar nichts von der Karte.

Rabatt fürs Schlossbad?

Einer, der sich ebenfalls für mehr Angebote stark macht, ist Thomas Weichselbaum vom THW Neumarkt. Seit 1992 ist er dabei, damals Mitbegründer der Jugendgruppe. Heute fährt er bei größeren Einsätzen bis zu sechs Tage am Stück weg – freiwillig, versteht sich. „Das muss die Familie mittragen.“ Daher wünscht er sich, dass Vergünstigungen nicht nur allein für den Inhaber gelten: „Es wäre eine schöne Wertschätzung, wenn auch Familienmitglieder eine Ermäßigung bekommen würden. Denn die Familie verzichtet auf viel, wenn ich im Einsatz oder in der Ausbildung bin.“

Mehr Stellen und Firmen, die die Ehrenamtskarte akzeptieren, fände er toll, denn „das ist im Landkreis Neumarkt überschaubar“. Einen Wunschkandidaten haben besonders viele Ehrenamtliche: das Schlossbad. Dass es dafür nicht einmal eine Ermäßigung gibt, wo doch die Stadtwerke als Betreiber zur Stadt gehörten, findet er „ernüchternd“. Beim Freibad gibt es einen Rabatt.

Die Bayerische Ehrenamtskarte gibt es derzeit in Blau und in Gold. - Foto: LBE Bayern

Über das, was der Landkreis selbst ausrichten kann, hinaus wünscht sich Harald Schwarz vom SC Pollanten bessere strukturelle Bedingungen, um das Ehrenamt zu fördern. Er fragt sich, warum es keine länderübergreifenden Kooperationen für Ehrenamtskarten gibt – schließlich existieren ähnliche Modelle auch in anderen Bundesländern.

Und noch ein bayerisches Defizit stört ihn: Bayern ist neben Sachsen das einzige Land, wo es keinen so genannten Bildungsurlaub gibt. Das ist eine besondere Form des Urlaubs, den Arbeitnehmer für die persönliche, politische oder berufliche Weiterbildung nutzen können. Wenn wie bei ihm als Trainer eine Fortbildung ansteht, müssen Ehrenamtliche entweder ihren regulären Urlaub dem Ehrenamt opfern – „oder es bleibt nur der Freitagnachmittag“, so Schwarz.

Wer bekommt die Bayerische Ehrenamtskarte?

• Blaue Ehrenamtskarte: Sie bekommt, wer mindestens 16 Jahre alt ist, seit mindestens zwei Jahren ein Ehrenamt ausübt und dies durchschnittlich fünf Stunden pro Woche oder 250 Stunden im Jahr tut. Bezahlt darf das Engagement nicht sein, abgesehen von den 840 Euro Ehrenamtspauschale beziehungsweise 3000 Euro Übungsleiterfreibetrag. Auch wer einen Freiwilligendienst absolviert, eine gültigen Jugendleitercard hat, bei der Feuerwehr aktiv ist (mit abgeschlossener Truppmannausbildung), im Katastrophenschutz oder Rettungsdienst (abgeschlossene Grundausbildung) aktiv ist oder im Reservistendienst der Bundeswehr ist, kann die blaue Karte beantragen.

• Goldene Ehrenamtskarte: Sie kann beantragen, wer seit mindestens 25 Jahren entweder mit durchschnittlich fünf Stunden pro Woche oder mit 250 Stunden im Jahr ehrenamtlich aktiv ist, sowie Inhaber des Ehrenzeichens des Ministerpräsidenten, Mitglieder von Feuerwehren, Rettungsdiensten oder Katastrophenschutzeinheiten mit Dienstzeitauszeichnung nach dem Feuerwehr- und Hilfsorganisationen-Ehrenzeichengesetz sowie Reservistendienst der Bundeswehr mit regelmäßiger Teilnahme am aktiven Wehrdienst in den vergangenen 25 Jahren.

• Antrag und Gültigkeit: Die blaue Ehrenamtskarte ist drei Jahre gültig, die goldene unbegrenzt. Beantragen lassen sich beide Varianten entweder beim Landratsamt Neumarkt oder über die kostenlose App „Ehrenamtskarte Bayern“. Der oder die Vereine müssen die ehrenamtliche Tätigkeit jeweils bestätigen.