China drängt auf europäischen Markt: Zwei Oberpfälzer Unternehmer haben verschiedene Ansichten

Von Gerd Otto · 30. Juni 2025 um 19:00

Chinesische Unternehmen drängen dank offener sowie verdeckter staatlicher Förderungen auch auf den europäischen Markt. Dazu, wie mit der Herausforderung umzugehen ist, haben die beiden Oberpfälzer Unternehmer Urs Herding und Nicolas Maier Scheubekc zwei sehr unterschiedliche Auffassungen.

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Wie sehr neben den brisanten geopolitischen Herausforderungen unserer Tage die deutsche Wirtschaft vor allem das Thema China beschäftigt, hat erst kürzlich der Verband des Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA) auf den Punkt gebracht. Da China „nicht fair spielt“, müsse die Politik hierzulande auf die „häufig wettbewerbsverzerrenden Vorteile und Subventionen“ zugunsten chinesischer Unternehmen endlich reagieren. Während VDMA-Vorstandsmitglied Dr. Urs Herding auch aus Sicht seines eigenen Unternehmens, der Herding GmbH Filtertechnik in Amberg, die „jüngst veränderte“ Haltung seines Verbandes als richtigen und notwendigen Schritt bewertet, bezeichnet Dr. Nicolas Maier-Scheubeck das Positionspapier des VDMA als „nicht ausreichend differenziert“.

Chef der Maschinenfabrik Reinhausen (MR) warnt vor Handelshemmnissen

Der Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH (MR), die nicht dem VDMA, sondern dem Verband der deutschen Elektroindustrie und Digitalindustrie angehört, warnt mit Nachdruck vor zusätzlichen Handelshemmnissen. Wichtiger als derartige Maßnahmen sei vielmehr ein Richtungswechsel in der deutschen Politik „zugunsten der Stärkung von technologischen Kompetenzen und der Produktivität im Arbeitsalltag“.

Einig freilich sind sich Herding und Maier-Scheubeck in der Bedeutung Chinas als eines „hochattraktiven Marktes“, der über viele Jahre hinweg auch ganz wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg und zum Wohlstand deutscher Industrieunternehmen beigetragen habe, wie Herding betont. Aus Sicht der Maschinenfabrik Reinhausen sei China der größte Absatzmarkt der Welt, heißt es von Maier-Scheubeck. In der für MR relevanten Energietechnik habe zudem die staatliche Kontrolle für einen höchst standardisierten Bedarf gesorgt. „Wer sich im riesigen chinesischen Binnenmarkt behauptet, hat deshalb auch international eine starke Position“, erinnert Maier-Scheubeck etwa an die Märkte für Batteriespeicher, Photovoltaik oder auch für Mobiltelefon und Laptops.

Maier-Scheubeck über das Thema Home-Office

Während einer Vormachtstellung Chinas eigentlich durch erhöhte und beschleunigte Innovation bei Produkten und Prozessen entgegengewirkt werden müsste, um dadurch „Kundenbegeisterung“ und hohe Produktivität auszulösen, sieht der Vorstandsvorsitzende der MR-Gruppe derzeit gerade hier große Defizite: „Genau daran nämlich hapert es in einer zunehmend saturierten, technologiefeindlichen und sich mit Verteilungskonflikten statt Leistungserbringung beschäftigenden Gesellschaft.“ Außerdem müsse es nach Auffassung von Maier-Scheubeck zu denken geben, dass China pro Jahr wohl bis zu fünfzigmal so viele Ingenieure ausbildet und auf den Arbeitsmarkt bringt wie Deutschland. Umgekehrt erfahren MINT-Fächer in Deutschland immer weniger Zuspruch, und die „knapper werdenden Kompetenzträger“ würden oft genug eine Vier-Tage-Woche absolvieren – mit zwei Tagen im Home Office. Fortschritt aber entstehe laut Maier-Scheubeck nicht im „stillen Kämmerlein“.

Vor diesem Hintergrund sei das „gesellschaftliche Vorwärtsstreben“ Chinas jedenfalls kaum zu diskreditieren. Mit der im Jahr 2020 formulierten Strategie einer „dual circulation“ sei der Anspruch verbunden, dass in Schlüsselbranchen chinesische Unternehmen den Binnenmarkt dominieren und zugleich im Export vermehrt erfolgreich sein sollen. Darauf beruhen offenbar auch diverse offene und verdeckte staatliche Fördermaßnahmen, etwa eine den Export stützende Wechselkurspolitik oder ein eingeschränkter Zugang zu kritischen Materialien für Ausländer – in und außerhalb Chinas.

Diesem Konzept sei laut dem Chef der MR-Unternehmensgruppe von Seiten ausländischer Firmen kaum zu begegnen, jedoch böten sich der deutschen und europäischen Politik auf ähnlicher Grundlage vielfältige Möglichkeiten einer Förderung hiesiger Unternehmen. Schließlich sei Deutschland in Sachen Förderung der Exportindustrie in früheren Zeiten wesentlich intelligenter unterwegs gewesen. Von neuen Anti-Dumping-Vorschriften dagegen befürchtet Maier-Scheubeck weitere bürokratische Lasten. Nach seiner Auffassung müsste die deutsche Industrie jegliches Eingreifen der Politik in Form tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse fürchten, „weil dies Gegenmaßnahmen auslösen und somit eine weitere Einschränkung des freien Marktzugangs bewirken könnte“.

Urs Herding: „Müssen auch unsere Spielweise überdenken“

Dagegen verweist Herding darauf, dass ein Miteinander auf Dauer nicht funktionieren könne, wenn die eine Seite sich an die Regeln von „Mensch ärgere dich nicht“ halte, während die andere nach Monopoly-Prinzipien agiere. Deshalb ist der Amberger Unternehmer überzeugt: „Wenn China systematisch andere Spielregeln verfolgt – etwa im Hinblick auf Markttransparenz, Wettbewerbsbedingungen oder geistiges Eigentum – dann müssen auch wir unsere Spielweise überdenken.“

Nachgefragt auch bei der Krones AG, die als international tätiges Technologieunternehmen mit über 100 Standorten auch in China aktiv ist: Für den Vorstandsvorsitzenden Christoph Klenk seien stabile Rahmenbedingungen und verlässliche Partnerschaften die Grundlage erfolgreicher wirtschaftlicher Zusammenarbeit, heißt es auf Anfrage.