IHK rückt Kenia in den Fokus: Ostafrika als neuer Markt für Oberpfälzer Wirtschaft

Von Lorenz Nix · 25. Juni 2025 um 17:00

Krieg im Nahen Osten, Sanktionen gegen Russland, Zollkonflikt zwischen den USA und China: Zahlreiche Faktoren belasten aktuell die Weltwirtschaft. Weil das Auslandsgeschäft deshalb auch für Bayerns Firmen immer schwieriger wird, suchen die Unternehmen nach neuen Absatzmärkten. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg hat beim Sommerempfang Kenia in den Blick genommen.

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Wer jetzt an Safari-Tourismus denkt, liegt nicht falsch. Aber: „Kenias Wirtschaft kann mehr“, sagte Christian Volkmer, Präsident der IHK Regensburg. Tatsächlich ist das Land nach Südafrika und Nigeria die drittgrößte Volkswirtschaft Afrikas südlich der Sahara sowie die größte in Ostafrika. In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten sei es für Unternehmen wichtig, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren, eine stärkere Diversifizierung sei notwendig, so Volkmer – „beim Absatz ebenso wie bei der Beschaffung und bei der Standortwahl“. Afrika könne hier eine wichtige Rolle einnehmen, Kenia biete sich für bayerische Unternehmen dabei als Tor in den Ostteil des Kontinents an.

Krones bildet in Nairobi aus

Aus der Oberpfalz und dem Kreis Kelheim pflegen laut IHK aber bislang nur knapp 35 Firmen Geschäftsbeziehungen mit Kenia. Mit am prominentesten dürfte dort die Krones AG aus Neutraubling im Kreis Regensburg vertreten sein. Der Hersteller von Abfüllanlagen für die Getränke- und Lebensmittelindustrie betreibt in der Hauptstadt Nairobi eine Niederlassung mit einem Ausbildungszentrum für Servicetechniker und Mechatroniker für den weltweiten Einsatz. Um dort allerdings eine duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild zu ermöglichen, unterstützte der Oberpfälzer Konzern in Nairobi den Bau einer Berufsschule.

Dass die Stadt auch für weitere Unternehmen aus Bayern von Interesse sein könnte, wurde beim Sommerempfang deutlich. „Kenia ist ein relativ hoch entwickeltes, modernes afrikanisches Land“, sagte Dr. Monika Erhat, Leiterin der Außenhandelskammer Ostafrika mit Sitz in Nairobi sowie Bayerische Delegierte für die Region. „In Kenia funktioniert alles digital“, berichtete sie, alles laufe über elektronische Zahlungsmittel.

Nairobi gilt als Zentrum für Start-ups

Als besonders fortschrittlich gilt laut IHK die Hauptstadt des Landes, die nicht von ungefähr den Titel „Silicon Savannah“ trage. Die Bezeichnung ist eine Anspielung auf das kalifornische „Silicon Valley“, wo Tech-Riesen wie Apple, Google oder Intel ihren Sitz haben. Auch Nairobi gelte mittlerweile als ein Zentrum für Start-ups und digitale Entwicklungen, heißt es in einer Mitteilung zum IHK-Sommerempfang. In Kenia gebe es gut ausgebildete Fachkräfte, eine umfassende Logistikinfrastruktur mit internationalem Airport und Tiefseehafen sowie ein flexibles Bankenwesen, erklärte Erath den Gästen am IHK-Sitz im Zentrum Regensburgs. Trotzdem laufe auch vieles anders als in Europa oder anderswo. „Wer einen schnellen Markteintritt sucht, könnte enttäuscht werden“, so Erath. Wer es aber konzentriert und langsamer angehe, mit den richtigen Partnern vor Ort, für den lohne es sich, ist die Außenhandelskammerleiterin überzeugt.

„Eine Marke, die rockt“

Einer, der sich im vergangenen Jahr selbst ein Bild von Kenia machte, ist der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt. Der Freie-Wähler-Politiker führte im November eine Delegationsreise in das ostafrikanische Land an. Dabei eröffnete er auch eine neue Repräsentanz Bayerns in Nairobi, der Herath vorsteht. Man versuche, Unternehmen aus dem Freistaat so möglichst gut beim Markteintritt und ihren Geschäften in Ostafrika zu unterstützen, sagte Gotthardt nun am Dienstagabend. Wieso es für Bayern besonders sinnvoll sei, in anderen Märkten Präsenz zu zeigen, erklärte er ebenfalls: „Wir haben eine Marke, die rockt.“ Made in Bavaria sei gefragt. „Manchmal kommt man mit weiß-blau weiter als mit schwarz-rot-gold“, sagte der Oberpfälzer Politiker. Tatsächlich hat Bayern mit über 30 Stück unter allen Bundesländern die meisten Auslandsbüros. Aktuell plant der Freistaat die Eröffnung einer Repräsentanz in der thailändischen Hauptstadt.