Großes Interview: Das will der neue IHK-Präsident Christian Volkmer erreichen

Von Lorenz Nix · 3. April 2025 um 17:00

Christian Volkmer ist der neue Präsident der IHK Regensburg für die Oberpfalz und den Kreis Kelheim. Im Interview spricht der 47 Jahre alte Unternehmer – am Ende des Textes lesen Sie weitere Informationen über ihn – über die Lage der Wirtschaft in der Region, wieso er sich dazu entschieden hat, für das Präsidentenamt zu kandidieren und was er erreichen will.

Herr Volkmer, Sie übernehmen das Amt des IHK-Präsidenten in schwierigen Zeiten. Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen in der Region aktuell?

Christian Volkmer: Wir stecken in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Das spüren wir auch bei uns in der Region. Die aktuellen Rahmenbedingungen belasten die Unternehmen: Hohe Steuern und Energiepreise, unnötige und belastende Bürokratie, um nur einige der Probleme zu nennen. All das hat auch das Ergebnis der Bundestagswahl geprägt. Das dritte Jahr in Folge ist unsere Wirtschaft geschrumpft. Die Unternehmen fordern von der Bundespolitik mutige Reformen beim Steuersystem, einen besseren Rahmen für eine Steigerung des Arbeitsvolumens, spürbaren und sinnvollen Bürokratieabbau, stabile und verlässliche Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen und eine Beschleunigung bei der Digitalisierung in allen Bereichen.

Welche Forderungen richten Sie in diesem Zusammenhang an die Politik?

Volkmer: Deutschland muss die Rezession abwenden. Von der Politik muss ein Signal des Aufbruchs kommen. Unser Dachverband, die DIHK, hat deshalb gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem Bundesverband der Deutschen Industrie, und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks sowie weiteren 100 Wirtschaftsverbänden eine breite Allianz aufgestellt. In einer Erklärung forderten wir am Mittwoch die künftigen Koalitionspartner in Berlin auf, Weichen für mehr Wachstum und Beschäftigung zu stellen. Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Die Politik muss für massive Investitionen in unsere Infrastruktur sorgen. Die großen Herausforderungen unserer Zeit, damit meine ich etwa Sicherheit, Infrastruktur, Bildung, soziale Absicherung oder Schuldenabbau, können nicht ohne wirtschaftliches Wachstum finanziert werden.

Im August 2023 wurden Sie von der IHK-Vollversammlung zum Vizepräsidenten gewählt. Welche Erfahrungen aus den zurückliegenden über eineinhalb Jahren – positive sowie negative – nehmen Sie nun mit in das Präsidentenamt?

Volkmer: Wenn man überhaupt von negativen Erfahrungen sprechen möchte, dann die, dass auch in unserer Region viele Unternehmen mit großen Problemen zu kämpfen haben, deren Ursache oft nicht sie selbst sind, sondern die Rahmenbedingungen, in denen sie sich bewegen. Von den vielen Terminen und Betriebsbesuchen, die ich für die IHK bereits wahrnehmen konnte, überwiegen die positiven Erfahrungen. Das ist der enormen Innovationskraft und dem unermüdlichen Engagement unserer Unternehmen zu verdanken. Es ist immer wieder spannend zu sehen, welche Ideen und welche Lust am Unternehmertum in unserer Region noch wachsen. Das stimmt trotz aller Schwierigkeiten optimistisch.

Was können Sie von Ihrem Vorgänger Michael Matt lernen?

Volkmer: Ich durfte Michael Matt in meiner bisherigen Funktion als Vizepräsident bei vielen Terminen und Reisen begleiten und hätte mir kein besseres Vorbild wünschen können: Seine Freundlichkeit, seine offene Art und sein aufmerksames Zuhören waren immer ein besonderes Aushängeschild für unsere IHK. Gepaart mit seinem enormen wirtschaftlichen Sachverstand und seiner langjährigen Erfahrung als Familienunternehmer sind dies Eigenschaften, die ihn als Präsidenten zum optimalen Ansprechpartner und Vertreter für alle Mitglieder unserer Kammer gemacht haben. Ich freue mich sehr, dass er der IHK und unserem Präsidium als Vizepräsident erhalten bleibt.

Weshalb haben Sie sich entschieden, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren?

Volkmer: Unsere Gesellschaft ist nach wie vor in weiten Teilen positiv durch ehrenamtliches Engagement geprägt. Ob im sozialen Bereich, im Sport oder auch in der Wirtschaftsvertretung – wir brauchen ein Ehrenamt, das anpackt, positive Werte vermittelt und etwas bewegen will. Ich habe die IHK in meinen bisherigen Funktionen immer als aktiv und offen für die Chancen und Herausforderungen unserer Region erlebt und bin daher sehr gerne in mein Engagement hineingewachsen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Region eine starke Vertretung der Wirtschaft braucht und wir gemeinsam mit der Politik noch viel Positives bewegen können, wenn wir an einem Strang ziehen. Dies als Präsident der IHK tun zu dürfen, ist eine große Ehre, aber auch eine Herausforderung, der ich mich sehr gerne stelle.

Was wollen Sie als IHK-Präsident erreichen?

Volkmer: Gerade in herausfordernden Zeiten besteht die Tendenz, sich zu sehr auf das Negative zu fixieren. So wichtig konstruktive Kritik und eine realistische Risikoeinschätzung sind, sollten wir uns in Deutschland wieder auf die Tugenden besinnen, die einen großen Teil unseres Unternehmergeistes ausmachen: Mutig und optimistisch anpacken, in Lösungen und nicht nur in Problemen denken. Wirtschaft muss wieder als das begriffen werden, was sie ist: Basis und Motor unserer gesamten Gesellschaft. Mein Ziel ist es, ein wenig dazu beizutragen, dass dies noch stärker sichtbar wird. Ich möchte ein sichtbarer Botschafter der Wirtschaft in der Region sein. Nicht nur, um ihre Interessen zu vertreten, sondern auch, um die vielen positiven Auswirkungen und Verbindungen in unserer Gesellschaft aufzuzeigen.

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Volkmer: Trotz aller Herausforderungen blicke ich schon von meinem Naturell her immer positiv in die Zukunft. Wir müssen gemeinsam anpacken. Die Unternehmen – in unserer Region sowie in Deutschland – sind wettbewerbsfähig, innovativ und fähig, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Wenn ich zum Beispiel das Gründungsgeschehen in unserer Region betrachte, sehe ich viel Kreativität und Innovationskraft und mache mir um das Unternehmertum der Zukunft keine Sorgen.

Wie wollen Sie als Präsident ganz persönlich dazu beitragen, dass es den Unternehmen im IHK-Bezirk in einigen Jahren besser geht als heute?

Volkmer: Als Präsident der IHK werde ich die Interessen der Wirtschaft kraftvoll vertreten und gegenüber der Politik wirksam platzieren. Verlässlichkeit und Planungssicherheit, aber auch Mut zu Innovation und Digitalisierung müssen im Mittelpunkt der Bundes-, aber auch der Landes- und Kommunalpolitik stehen. Darauf und auf eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen allen gesellschaftlichen Akteuren werde ich meinen Schwerpunkt legen.

Über Christian Volkmer: Firmenchef, Eishockeygesellschafter und nun IHK-Präsident

Christian Volkmer ist laut IHK Regensburg seit 1996 in den Bereichen IT-Sicherheit, Datenschutz und Compliance tätig. Die Unternehmen seiner P29 Group – darunter die Projekt 29 GmbH & Co. KG – zählen demnach mit über 8000 Kunden und mehr als 130 Mitarbeitern zu den Branchenführern in Deutschland.

Seit 2018 ist Volkmer ehrenamtlich bei der IHK aktiv. 2023 wurde er zum Vizepräsidenten der IHK Regensburg gewählt. Unter anderem ist Volkmer zudem Vizepräsident des Bundes der Selbstständigen in Bayern. In Regensburg ist der 47-Jährige auch als Hauptgesellschafter und Prokurist der Eisbären Regensburg bekannt.

Volkmer wurde am Mittwoch zum 28. Präsident der IHK Regensburg gewählt. Das Gebiet der Kammer erstreckt sich über die Oberpfalz und den Kreis Kelheim. Volkmer zur Seite stehen fünf Vizepräsidenten. Neben dem bisherigen Präsidenten Michael Matt sind das Rita Theresia Högl, Thomas Hanauer, Alois Plößl und Stefan Rödl.