Nabaltec AG wartet auf Hochlauf der E-Mobilität – und steckt Millionen in neue Anlagen

Von Lorenz Nix · 26. Juni 2025 um 19:00

Die Oberpfälzer Nabaltec AG ist in Investitionslaune. Über 30 Millionen Euro hat das Unternehmen im vergangenen Jahr in die Hand genommen, um unter anderem die Produktionskapazitäten am Hauptsitz in Schwandorf auszubauen. Auch heuer und im Jahr darauf fließt noch einmal viel Geld in die Modernisierung und den Neuaufbau von Anlagen.

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Insgesamt will das Unternehmen von 2024 bis 2026 mehr als 80 Millionen Euro investieren – und das, obwohl ein wichtiger Absatzmarkt nicht so richtig in Fahrt kommt. Wieso die Firmenlenker ihren Weg trotzdem für den richtigen halten und welchen Umsatzsprung er bescheren könnte, erklärten sie bei der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft am Mittwoch in Amberg.

In Schwandorf verdoppelt der Chemiekonzern aktuell seine Kapazitäten für die Produktion von Böhmit. Dabei handelt es sich um einen temperaturbeständigen Füllstoff, der in E-Auto-Batterien zum Einsatz kommt. Die sogenannten Separatorfolien, die die einzelnen Elektroden im Akkuspeicher räumlich voneinander trennen, sind mit dem Material beschichtet. Das Problem: Die E-Mobilität kommt weder in Europa noch in den USA – den beiden Hauptabsatzmärkten von Nabaltec – so richtig in Fahrt.

Eine Frage der Zeit, bis E-Mobilität Fahrt aufnimmt?

Dementsprechend verkaufte sich auch das Böhmit im vergangenen Jahr nicht so, wie die Schwandorfer es sich gewünscht hätten. Die neue Anlage soll in wenigen Wochen in Betrieb gehen. Aber was hat Nabaltec davon, wenn statt 10.000 dann 20.000 Tonnen Böhmit hergestellt werden können, der Markt für das Produkt aber aktuell nicht da ist? Die kurze Antwort: nichts. Die etwas längere: Nabaltec kann die Anlage auch für andere Produkte aus dem Firmenportfolio nutzen. Außerdem bekräftigen die Verantwortlichen immer wieder, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Thema E-Mobilität auch hierzulande an Fahrt aufnimmt.

„Wir sind auch verunsichert“, gab Nabaltec-Chef Johannes Heckmann bei der Hauptversammlung zu. Aber: Er sehe keinen Weg an der Elektromobilität vorbei. „Auch wenn die Politik der Automobilindustrie etwas mehr Zeit für die Transformation zugesagt hat, so wird man dennoch an den Klimazielen festhalten und den sukzessiven Ausstieg der Verbrennungsmotortechnologie in der Europäischen Union fortsetzen.“

Nabaltec AG: 30 Millionen Euro werden investiert

Dass man es bei Nabaltec durchaus ernst meint mit dem Glauben an batteriebetriebene Fahrzeuge, beweist auch ein weiteres Projekt des Konzerns. Etwa 30 Millionen Euro investiert das Unternehmen bis Herbst 2026 in eine vollautomatische Produktionsanlage für einen weiteren besonderen Füllstoff aus Schwandorf. Sogenannte Viskositätsoptimierte Hydroxide kommen ebenfalls unter anderem in E-Auto-Akkus zum Einsatz. Hier sehe man „großes Zukunftspotenzial“, sagte Heckmann. Der Stoff ist Teil des Klebstoffes, mit denen einzelne Batteriezellen miteinander verbunden werden. Bereits jetzt seien hier fast alle relevanten Klebstoffhersteller in dem Bereich Kunden von Nabaltec, berichtete Alexander Risch, der im Vorstand des Konzerns für das operative Geschäft verantwortlich ist. Grundsätzlich sei bei den Viskositätsoptimierte Hydroxiden „mit sehr großem Absatzpotenzial zu rechnen“.

Was das in Zahlen bedeutet, führte Heckmann aus. Sobald die aktuellen Investitionen Ende 2026 abgeschlossen sind, könne Nabaltec bei Vollauslastung der Anlagen einen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro erzielen, sagte der Vorstandsvorsitzende. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr kam das Schwandorfer Chemieunternehmen auf 203,6 Millionen Euro.

Geringe Dividende

Langfristig wolle man auf Wachstumskurs bleiben, bekräftigte Heckmann bei der Hauptversammlung gegenüber den Aktionären. Letztere trugen diesen Weg mit, indem sie erneut einer verhältnismäßig geringen Dividende zustimmten. Aktionärsvertreter kritisierten zwar die beschlossenen 29 Cent je Anteilsschein, hielten dem Unternehmen dafür zugute, kräftig zu investieren. Scherzhaft hieß es aber, dass man nach den 28 Cent im Vorjahr wenigstens auf 30 Cent hätte aufstocken können - schließlich feiert Nabaltec heuer sein 30. Jubiläum.

Auch Heckmann begründete die Dividendenstrategie mit der „starken investiven Phase“, in der sich der Konzern befinde. Vielleicht werde man zu einem späteren Zeitpunkt mal mehr Geld an die Aktionäre ausschütten, sagte der Vorstandsvorsitzende. Er schob mit Blick auf weitere Investitionen allerdings direkt hinterher: „Wie ich die Nabaltec kenne, gehen uns aber die Ideen nicht aus.“

Weitere Infos: Mehr als nur E-Mobilität

• Produkte: Im Bereich der Elektromobilität ist die Nabaltec AG noch relativ neu. Das Unternehmen beliefert aber viele Branchen. Im Bereich „Spezialoxide“ fertigt der Konzern zum Beispiel Produkte, die der feuerfesten Auskleidung von Hochöfen dienen oder als industrielle Schleifmittel Verwendung finden.

• Wachstumsmarkt: Im Produktsegment „Funktionale Füllstoffe“ produziert Nabaltec neben Böhmit unter anderem Flammschutzmittel für die Kunststoff- und Kabelindustrie. Hier sieht der Konzern einen Wachstumsmarkt: Wegen Künstlicher Intelligenz werden immer mehr und größere Rechenzentren benötigt. In den Kabeln, die dort zum Einsatz kommen, finden sich dann meist Nabaltec-Produkte.