Autonomes Fahren als Gamechanger – auch für Bayerns Mittelstand

Von Lorenz Nix · 29. Juni 2025 um 17:00

Beim Wirtschaftsempfang des Landkreises Regensburg stand ein Thema im Fokus: Autonomes Fahren. Deutlich gemacht wurde, dass das Thema auch in der Region vorangetrieben werden sollte.

Wer am Freitagnachmittag am Regensburger Landratsamt vorbeigekommen ist, dem dürfte nichts Besonderes aufgefallen sein. Die meisten der Behördenmitarbeiter waren bereits im Wochenende, nur noch wenige Fahrzeuge standen auf den Stellflächen. Betrachtete man die Szenerie allerdings genauer, stach doch etwas ins Auge: Auf einem der Parkplätze drehte ein blau-weißer VW-Bus seine Runden. Wer näher kam, erkannte zudem die vielen Kameras und Sensoren an dem Elektrofahrzeug – und musste feststellen: Der Fahrer hat die Hände gar nicht am Lenkrad.

Bei dem Bulli handelte es sich um einen autonomen Bus der Regensburger Firma AVL Software & Functions. Im vergangenen Jahr war er bereits zwei Monate im Kreis Cham unterwegs. Dass er nun am Landratsamt eigenständig seine Kreise zog, hing mit dem Wirtschaftsempfang des Landkreises Regensburg zusammen. Dort stand am Freitagnachmittag das Thema Autonomes Fahren im Mittelpunkt.

Stichwort: Zusammenarbeit

Die Technologie sei ein „Gamechanger für Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft“, sagte Armin Engstle, Leiter des AVL-Standorts in Roding im Kreis Cham, in einem Vortrag. Allerdings sei der lokale Mittelstand wohl zunächst nicht im Fokus der großen chinesischen und US-Tech-Konzerne, die auf dem Feld aktuell führend sind. Wie Autonomes Fahren dennoch auch im Landkreis Regensburg in Zukunft eine Rolle spielen könnte, skizzierte Engstle in seinem Vortrag. Das Stichwort: Zusammenarbeit.

Armin Engstle, Leiter des AVL-Standorts in Roding - Foto: H. C. Wagner

In den USA ist es vor allem die Google-Tochter Waymo, die beim Autonomen Fahren den Ton angibt. Über 1500 fahrerlose sogenannte Robotaxis hat das Unternehmen in den Vereinigten Staaten bereits auf der Straße. Der Mutterkonzern und externe Investoren steckten dafür bereits mehrere Milliarden Dollar in Waymo.

„Technische Basis ist in Bayern vorhanden“

Dass man in Deutschland, beziehungsweise in der Region deutlich kleinere Brötchen backen muss, liegt auf der Hand. Aber: „Die technische Basis ist in Bayern vorhanden“, sagte Engstle. Jetzt brauche es viel mehr Machbarkeitsstudien und Pilotprojekte, forderte der promovierte Ingenieur. Damit die sich aber umsetzen ließen, müssten die Unternehmen untereinander sowie die Politik an einem Strang ziehen. Außerdem dürfe man nicht immer gleich „das Rad neu erfinden“ wollen, sondern vorhandene Technologien und Know-how auf die verschiedensten Anwendungsfelder des Autonomen Fahrens übertragen.

Eingesetzt werden könnten fahrerlose Fahrzeuge unter anderem in der Logistik oder im öffentlichen Nahverkehr. Passend zu letzterem fragte der Geschäftsführer der landkreiseigene Nahverkehrsgesellschaft GFN, Josef Weigl, wann Engstle damit rechne, dass kleinere Zubringerdienste im Nahverkehr ohne Sicherheitsfahrer unterwegs seien. Tatsächlich sitzt beim AVL-Kleinbus, der im vergangenen Jahr bereits testweise für zwei Monate im Rodinger Ortsteil Neubäu verkehrte, noch ein Mensch auf dem Fahrersitz, um im Notfall eingreifen zu können. Eine konkrete Jahreszahl konnte Engstle dem GFN-Geschäftsführer nicht nennen. Irgendwann werde es aber so weit sein. Um dabei nicht ins Hintertreffen zu geraten, appellierte der AVL-Manager an die anwesenden Vertreter aus Wirtschaft und Politik: „Wir müssen jetzt starten.“

Seinen Vortrag hatte Engstle zuvor mit einem Aufruf beendet: „Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft des Autonomen Fahrens gestalten.“ Den Aspekt der Zusammenarbeit hatte zu Beginn des Empfangs bereits Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger hervorgehoben – wenn auch nicht dezidiert mit Blick auf fahrerlose Fahrzeuge. „Die Wirtschaft im Landkreis lebt von einem Miteinander“, sagte sie. „Wenn man sich gemeinsam Herausforderungen stellt, kommt man zu guten Ergebnissen.“

Sorge um fehlende Fachkräfte

Als Beispiel nannte sie das Thema Asyl. So sei der Zuzug von Ausländerinnen und Ausländern eine Chance, dringend benötigte Arbeitskräfte für die Firmen in der Region zu gewinnen. In dem Zusammenhang wurde bei einer anschließenden Podiumsdiskussion das vom Landkreis initiierte „Job-Speed-Dating“ gelobt. Dabei werden regelmäßig Firmen und motivierte Arbeitssuchende zusammengebracht. „Das ist eine tolle Initiative“, sagte Lars Sikkes, Ausbildungsleiter bei der Niederlassung des Lebensmittel-Discounters Norma in Regenstauf.

Wie sehr der Fachkräftemangel die Unternehmen im Landkreis Regensburg beschäftigt, brachte Michaela Bauer vom Malerbetrieb Farben Bauer in Lappersdorf zum Ausdruck. Gute Leute zu finden, sei „täglich ein Kampf“. Mittlerweile reiche es nicht, sich nur in der Region umzuschauen, sagte sie. Mittlerweile müsse man sogar außerhalb Deutschlands nach Mitarbeitern suchen. Dass ein internationales Team aber auch seine Vorteile hat, erklärte Jakob Hilber von der Confiserie Seidl in Laaber. „Die kulturelle Vielfalt tut dem Unternehmen auch gut.“