Die Politik zu Gast in der Rodinger Zukunftsschmiede für das autonome Fahren

Von Christoph Klöckner · 6. November 2024 um 19:00

Wer mag nicht schon einmal gerne in die Zukunft sehen? Was wird kommen, wie schaut die Welt von morgen aus? Das Unternehmen AVL in Roding entwickelt sie mit – daher steht die Firma oft auf dem Besuchsprogramm der Politik. Neugierig, wie der Mensch künftig unterwegs ist, war jetzt auch Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt (FW).

Er schaute sich am Mittwoch gemeinsam mit Landrat Franz Löffler und Bürgermeisterin Alexandra Riedl die Zukunftsschmiede am Eisenhart an. Gotthardt ist nicht der Erste, der hier Halt macht. Sogar Ex-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kam 2021 vorbei, zuletzt war Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter vor Ort, um den autonom fahrenden Bus zu testen. Den bestieg am Mittwoch auch Tobias Gotthardt.

Autonome Mobilität

Der elektrische AutBus, der ohne Fahrer unterwegs ist, wurde im Juli/August bereits auf einer Strecke in Neubäu am See im Alltagsbetrieb auf der Strecke zwischen Seepromenade und Bahnhof getestet und steht für Mobilität der Zukunft.

Nach diesem Probe-Regelbetrieb soll das Konzept schrittweise in den Regelbetrieb übergehen. Dafür hat AVL laut Standortleiter Armin Engstle bereits eine erste Firma aus dem Nachbarlandkreis Regen gefunden, die solch einen Bus als Shuttle zwischen Unternehmen und Parkplatz ab 1. Dezember einsetzen will.

Der Geschäftsführer der AVL aus Regensburg, Anton Angermaier, hatte die Gäste am Mittag begrüßt. Anlass des Besuchs war auch der Abschluss von vier Forschungsprojekten mit Hochschulen wie der OTH und der FH Kempten, die Engstle vorstellte. Dabei ging es um die Sensortechnik wie die Ausstattung einer Wetterhalle, um fürs autonome Fahren verschiedene Szenarien von Nebel bis Starkregen testen zu können, und den Autonomen Bus.

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Der sei seit eineinhalb Jahren zugelassen – es sei erst das dritte autonom fahrende Fahrzeug in Deutschland, das im Juli 2023 die Jungfernfahrt absolvierte und 2024 den Linienbetrieb aufnahm. Armin Engstle dankte der Politik und den Hochschulen für die Unterstützung: „Wir haben hier eine gute Basis geschaffen!“ Man sei bereit, der Autoindustrie bei der Umsetzung zur Seite zu stehen.

Für Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt war es eine Premiere, wie er betonte. Er habe schon viele Förderbescheide übergeben, aber noch nie die Ergebnisse daraus gesehen. AVL sei hier mit 4,5 und die Projekt-Hochschulen seien mit 3,5 Millionen Euro unterstützt worden. „Alle vier Projekte sind erfolgreich gewesen!“, stellte Gotthardt fest. Jeder Cent, der hier geflossen sei, habe sich gelohnt.

Die Arbeit sei unglaublich wichtig, um wettbewerbsfähig zu sein und angesichts der amerikanischen Wahlergebnisse zu bleiben. Man werde damit leben müssen, „doch die EU, Deutschland und Bayern müssen sich auf die Hinterfüße stellen, um dem Markt unter Trump zu begegnen!“ Man könne so „wunderbare Geschichten“ wie hier schaffen, wenn Politik die Rahmenbedingungen hinbekomme.

Neue Wirtschaftsphilosophie

Es gelte jetzt, so wie in der Wetterhalle, trotz Wirtschaftskrise die Spur zu halten. „Wir brauchen einen neuen Pragmatismus“, stellte Gotthardt fest. Alle müssten mit anpacken, Bürokratie dürfe nicht mehr Innovation behindern. Er fühle sich durch die Wahl „angefeuert“, um den Herausforderungen zu begegnenso der Staatssekretär. Der Besuch bei AVL sei nach dem Aufwachen mit Trump am Morgen genau das Richtige gewesen.

Ein „erhebendes Gefühl“ sei es, hier bei AVL zu sein, betonte Landrat Franz Löffler und ging fünf Jahre zurück, als Conti die Schließung verkündete. Damals sei etwas gesucht worden, was innovative Ideen mit Zukunftsfähigkeit bot, was mit der AVL gefunden worden sei. Mobilität sei das, was gerade auf dem Land eine überaus wichtige Rolle spiele – dort würden die meisten Kilometer gefahren. Hier einen autonomen Echtzeit-Verkehr zu etablieren, der mit 60 oder 70 km/h fahre, sei eine große Herausforderung. Das sei bei AVL gelungen, doch „damit darf es nicht zu Ende sein!“, so Löffler.

Die Wahl Trumps bringe eine neue Wirtschaftsphilosophie, die schwierig für Exportstaaten sei. Deshalb müsse das, was hier erzeugt werden könne, auch erzeugt werden. AVL müsse weitere Projekte anpacken, wie etwa den grenzüberschreitenden autonomen Verkehr.

Tobias Gotthardt ließ sich Einzelheiten, wie hier die Sensoriktests, genau erklären. Fotos: Klöckner