„Jederzeit wieder“: Chamerin Michaela Dirscherl rettete einem Österreicher das Leben

Von Tanja Fenzl · 27. Juni 2025 um 19:00

An diesem Samstag, 28. Juni, findet im Sportheim des TSV Sattelpeilnstein eine Registrierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) statt, die einen passenden genetischen Zwilling für Maria aus Birnbrunn (Gemeinde Traitsching, Landkreis Cham) sucht. Maria ist an Leukämie erkrankt und benötigt zum Überleben unbedingt eine Stammzellenspende.

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Michaela Dirscherl hat sich als Spender typisieren und registrieren lassen, als der kleine Lucas aus Waffenbrunn 2015 einen Stammzellenspender suchte. Der war bei seiner Diagnose erst fünf Jahre alt, sein Schicksal hatte den ganzen Landkreis bewegt. „Der Bub war damals nur wenig älter als mein Neffe, das hat mich damals ganz schön mitgenommen“, erklärt Dirscherl.

Zwei Jahre nach ihrer Registrierung erhält sie ein Paket von der DKMS mit dem mysteriösen Aufdruck: „Nicht öffnen, erst anrufen.“ In dem Telefongespräch erfährt sie, dass sie „zu 98 Prozent“ als Spenderin für einen Erkrankten in Frage kommt. Im Oktober 2017 entnimmt ihr Hausarzt im Auftrag der DKMS Blut zur weiteren Untersuchung. Per Kurierdienst gehen die Proben zur DKMS. Danach passiert erst einmal... nichts.

Antistressball: Durch das Pumpen der Faust soll bei der Entnahmeprozedur der Blutfluss angeregt werden. - Foto: S. Dirscherl

Dirscherl: „Ich dachte mir nach ein paar Monaten, dass ich dann wohl doch nicht infrage gekommen bin.“ Doch am 8. Januar 2018 klingelt das Telefon – eine DKMS -Mitarbeiterin erklärt der Waffenbrunnerin, dass sie perfekt als Spenderin passt. Eine Woche später finden in einem Center in Dresden umfangreiche Voruntersuchungen statt.

Zum Thema: 66-Jährige braucht dringend einen Stammzellenspender: Wer kann Marias Leben retten?

Rückzieher wäre Todesurteil

Sie und vier weitere potenzielle Stammzellenspender werden genauestens über die Risiken aufgeklärt – „da wird dir dann bewusst, dass es für den Patienten das Todesurteil wäre, wenn du kurzfristig noch einmal abspringen würdest.“ Umso genauer sollten sich die Spender ihre Entscheidung vorher überlegen.

Für Dirscherl keine Frage – sie will helfen. Wieder zuhause, gibt Dirscherl sich selbst täglich Bauchspritzen mit Hormonen, die die Herstellung von Stammzellen im Körper fördern, damit am Ende ausreichend Zellen im Blut zu finden sind. An dieser Stelle hatte Dirscherl auch die wenigen Beschwerden während des gesamten Spenderprozesses – „ich hatte grippeähnliche Symptome“, erinnert sich die heute 45-Jährige. Sie habe Schmerzen im Becken, in den Rippen, im Rücken gehabt. „Aber bestimmt nichts im Vergleich dazu, was der Erkrankte durchmachen musste“, betont sie.

Vier Sterne trösten über Untersuchungen hinweg

Ein Vier-Sterne-Hotel, von der DKMS bezahlt, tröstet etwas über die Beschwerden hinweg. Zu „Fast & Furious, Teil 8“ – aus einer Filmliste darf Dirscherl sich ihre Unterhaltung aussuchen – werden ihr in der Klinik in Dresden ab 8 Uhr morgens dreieinhalb Stunden über einen Schlauch an einem Entnahmegerät Stammzellen aus ihrem Blut herausgefiltert.

Zum Abschied gibt’s ein belegtes Brötchen, Schokolade, Magnesium und ein Paket mit Medikamenten und Instruktionen für den Hausarzt. Außerdem einen Termin für eine Nachuntersuchung.

Maria aus Birnbrunn sucht ihren genetischen Zwilling. Nach 24 Jahren ist ihre Leukämie zurück; nur eine Stammzellenspende kann das Leben der vierfachen Oma retten. - Foto: DKMS

„Seitdem bekomme ich jedes Jahr Post von der DKMS, wo ich gefragt werde,ob es mir gut geht, ob ich irgendwelche Beschwerden habe, die möglicherweise mit meiner Spende zusammenhängen“, sagt Dirscherl.

Apropos Post: Fünf Jahre nach ihrer Spende, also 2023, durfte Dirscherl ihre Daten für den Empfänger freigeben, der damit die Möglichkeit bekommt, sich mit dem Spender in Verbindung zu setzen.

Kein Kontakt zum Empfänger

„Ich hätte ehrlich gesagt schon gern Kontakt gehabt, aber mir wurde dann nach ein paar Monaten gesagt, dass der Empfänger und seine Familie das nicht wollten. Das muss man dann auch respektieren“, ist Dirscherl ein wenig enttäuscht. So weiß sie nur, dass es dem männlichen Empfänger nach der Spende den Umständen entsprechend gut ging, und dass er aus Österreich stammt. „Aber ich weiß zum Beispiel nicht wie alt mein genetischer Zwilling ist“, sagt Dirscherl.

Stammzellenspenderin: Michaela Dirscherl appelliert an alle Bürger, sich als potenzielle Lebensretter registrieren zu lassen. - Foto: Tanja Fenzl

Im Hinblick auf die Registrierungsaktion in Sattelpeilnstein appelliert sie an alle, hinzugehen und sich typisieren zu lassen. „Ich würde es jederzeit wieder tun, auch immer wieder spenden“, sagt sie. Inzwischen dürfte sie das auch wieder. „Zwei Jahre nach einer Stammzellenspende ist man für den einen Empfänger exklusiv reserviert, falls der noch einmal Stammzellen benötigen würde.“

Maria braucht Lebensretter

In Birnbrunn hofft die 66-jährige Maria H. derweil, dass es auch für sie einen genetischen Zwilling gibt, der ihr Stammzellen spendet. Eigentlich wollte sie an diesem Wochenende mit ihrem Mann und einem befreundeten Ehepaar in den Urlaub nach Tirol fahren. Die Krankheit kam dazwischen – in den letzten Monaten wurde Maria H. zunehmend matter, sie bekommt schlecht Luft. Ihre Blutwerte werden steig schlechter.

Die Ärzte haben ihr gesagt, dass ihr Überleben von einer Stammzellenspende abhängt. Vielleicht wird ihr Lebensretter in Sattelpeilnstein gefunden.

Auf einer Karte im Entnahmezentrum sind mit kleinen Fähnchen alle Spender aus Deutschland markiert. Hier ein Ausschnitt mit dem Landkeris Cham - Foto: Michaela Dirscherl

So verläuft die Typisierungsaktion

• Registrierungsaktion: Am Samstag, 28. Juni, 13 bis 17 Uhr, findet im Sportheim des TSV Sattelpeilnstein, Köpfelsbergweg 26, Traitsching-Sattelpeilnstein eine Registrierungsaktion statt.

• Teilnehmer: Alle, die gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt sind, können vorbeikommen und sich registrieren lassen. (Smartphone mitbringen). Wer sich aus Alters- oder Gesundheitsgründen nicht registrieren kann, kann ebenfalls kommen und durch eine Geldspende helfen, die Registrierungskosten, die bei der Auswertung im Labor entstehen, zu decken. Für die Neuaufnahme jedes Spenders entstehen Kosten in Höhe von 50 Euro.

• Ablauf: Mit Wattestäbchen werden Abstriche der Wangenschleimhaut genommen. Nach der Registrierung wertet die DKMS die relevanten Gewebemerkmale im Labor aus und stellt anschließend das Ergebnis der Probe pseudonymisiert für den weltweiten Spendersuchlauf zur Verfügung.