Schon wieder im Landkreis Cham: Schranke zu - diesmal sogar vier Stunden lang

Von Tanja Fenzl · 26. Juni 2025 um 15:41

Keine zwei Wochen, nachdem die Schranke repariert wurde, sorgt sie schon wieder für Ärger bei Autofahrern und Anwohnern. Am Freitag war die Bahnschranke auf der Kreisstraße nach Obernried ganze vier Stunden lang herabgesenkt, für Autofahrer hieß es: warten, oder umdrehen und einen gut 15 Minuten längeren Fahrtweg in Kauf nehmen. Inzwischen ist man auch bei der Gemeinde Waffenbrunn nur noch genervt: „Das ist kein Zustand“, schimpft Bürgermeister Josef Ederer.

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Kurz nach 16 Uhr erreichte Feuerwehr-Kommandant Josef Maier die erste Nachricht über die erneut defekte Bahnschranke, die in den vergangenen Wochen zunehmend zum Dauerbrenner in Obernried und Umgebung wurde. Gerade jetzt, wo wegen der Umfahrung des Ortskerns Geigant mehr Autos als sonst auf der Strecke unterwegs sind, hakt es am Bahnübergang knapp 100 Meter nach dem Kreuzungsbereich bei Katzbach besonders oft. Die Schranke schließt sich nicht, wenn ein Zug heranfährt und die Kreisstraße quert, oder sie bleibt überdurchschnittlich lange geschlossen (wir berichteten). Sogar ein Krankenwagen verlor hier schon wertvolle Minuten, als oben im Dorf ein verunglückter Bub auf Hilfe wartete.

Techniker um 20 Uhr vor Ort

Am Freitag liefen die WhatsApp-Gruppen der Dorfbewohner heiß. Doch auch, nachdem um 18 Uhr (!) endlich ein Verantwortlicher bei der Bahn erreicht wurde, dauerte es noch bis kurz vor 20 Uhr, bis ein Servicetechniker vor Ort erschien.

Maier hat diesmal alles minutiös festgehalten, von den ersten Beschwerden von Autofahrern aus dem Dorf, die am Ende mit langem Umweg in Obernried ankamen, über die Beobachtungen der Anwohner nur hundert Meter über der Bahnstrecke, bis hin zum erstmaligen Kontakt mit dem Fahrdienstleiter – Maier: „um 18.03 Uhr“. Um 19.55 Uhr ist der Techniker vor Ort. „Der hat dann eine Sicherung ausgetauscht“, sagt Maier, der es sich ein bisschen zur Aufgabe gemacht hat, um eine Lösung zu kämpfen. „Auch für uns Einsatzkräfte ist die Situation nicht einfach. Für uns gelten ja auch die Regeln wie für andere Autofahrer. Wir dürfen auch im Einsatz eigentlich nicht einfach so durchfahren.“ Abgesehen davon, dass große Feuerwehrwagen sich nicht an der geschlossene Schranke vorbeimogeln könnten.

Zum Thema: Bub braucht Hilfe, Sanka muss warten: Chamer Autofahrer und Anwohner ärgern sich seit Jahren

Kreisbrandmeister Michael Stahl relativiert zwar: „Situationsbedingt kann es sein, dass man im Notfall durchfahren dürfte. Aber das ist immer eine Einzelfallentscheidung.“ Und kann, falls etwas passiert, natürlich auch auf die Verantwortlichen zurückfallen.

Was, wenn ein Notfall ist?

Maier gibt noch etwas anderes zu bedenken: „Am Samstag war ja wegen dem Waldbrand ein Großeinsatz bei uns. Was, wenn die Schranke dann vier Stunden lang nicht hochgeht?“

„Wenn sich das nicht schon Jahre so ziehen würde, würde ich ja nichts sagen“, sagt Bürgermeister Ederer. Doch da es sich hier ja ganz offensichtlich um ein ständig wiederkehrendes Problem handle, müsse doch endlich eine langfristige Lösung her. „Dann muss man halt in neue Technik investieren“, fordert er. Besonders ärgert ihn, dass auch die jüngsten Gemeindebewohner inzwischen unter der Situation leiden. Ein Schulbus musste so lange an der Schranke warten, dass die Schüler ihren Anschlussbus verpassten. Monika Irrgang, selbst Mutter in Obernried, weiß: „Nur weil der andere Busfahrer am Ende noch einmal umgedreht ist, sind die Kinder rechtzeitig in die Schule gekommen.“

Ederer fährt harte Geschütze auf gegenüber den Verantwortlichen der Bahn: „Wenn von Gemeindegrund einmal Zweige Richtung Bahnstrcke hängen, kommt gleich eine Androhung von Zwangsmaßnahmen, wenn man die Sträucher nicht umgehend beseitigt. Und hier geht das schon ewig so, und keiner macht etwas. Da sitzen so viele Leute in den Büros der Bahn, und keiner fühlt sich zuständig. Man muss halt auch einmal Geld in die Hand nehmen, wenn man die Bahn schon erhalten will.“

Der Führerschein ist sofort weg, wenn das jemand mitbekommt

Josef Maier, Feuerwehr-Kommandant

Frühmorgens kurz nach Viertel nach Fünf quert der erste Zug von Waldmünchen nach Cham die fragliche Kreisstraße erstmals. Elfmal fährt die Oberpfalzbahn die Strecke wochentags und zu Schulzeiten hin und zurück, der letzte Zug hat um 21.18 Uhr Endstation am Chamer Bahnhof. Von den Unregelmäßigkeiten an der Bahnschranke sind auch der Schulbus- und Berufsverkehr betroffen.

Die wenigsten trauten sich zwischen den Schranken durchzufahren, selbst wenn klar ist, dass die Technik wieder einmal nicht funktioniert. „Der Führerschein ist da sofort weg, wenn das jemand mitbekommt“, sagt Maier. „Und es kann ja auch nicht die Lösung sein, dass die Leute anfangen, die Schranke zu ignorieren, weil sie oft nicht funktioniert. Das ist ja super gefährlich.“

Bahn bestätigt Ursache des Defekts

Auf Nachfrage meldete sich die Bahn zu Wort. Eine Sprecherin bestätigte die „erneute technische Störung am genannten Bahnübergang an der Strecke Cham-Waldmünchen“. Ursache sei in diesem Fall eine defekte Sicherung gewesen. „Nachdem die Sicherung erneuert wurde, war die Anlage wieder voll funktionsfähig.“