Sprechender und singender Graupapagei: Johnny wurde zuletzt in Cham gesehen

Von Tanja Fenzl · 25. Juni 2025 um 19:00

Auf einmal war Johnny weg. „Die Terrassentür stand offen, und so schnell haben wir gar nicht geschaut, ist er schon weggeflogen“, sagt Manuela Potrzebski. Vor einer Woche ist ihr ältester Graupapagei entflogen – bis heute fehlt von ihm jede Spur. „Aber vielleicht hat ihn ja doch jemand gesehen“, hofft die 66-Jährige aus Zifling-Bierl (Gemeinde Willmering, Landkreis Cham) auf ein gutes Ende.

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Vor 24 Jahren hat Potrzebski die junge Handaufzucht von einem Zoofachgeschäft gekauft. „Ich hatte schon als Kind Wellensittiche, ein Papagei war schon immer ein Traum von mir“, sagt die 65-Jährige. Ein Jahr später holt sie Timneh-Papagei „Timmy“ als Gefährtin für Johnny dazu, vor sechs Jahren übernahm Potrzebski noch einen weiteren Graupapagei von einem Bekannten, der zu wenig Zeit hatte, um sich ausreichend um „Schnuffel“ zu kümmern. „Schnuffel und Timmy vermissen Johnny natürlich auch“, sagt die Papageienliebhaberin. Zumal Timmy und Johnny seit etwa fünf Jahren sogar ein etwas ungewöhnliches Liebespaar sind.

Sind seit fünf Jahren ein Liebespaar: die etwas zerrupft wirkende Timmy (links) und Ausbüxer Johnny. - Foto: Manuela Potrzebski

Seit einer Woche fährt die ganze Familie Potrzebski die Gegend mit dem Fahrrad und mit dem Auto ab, auf der Suche nach Johnny. Einen Tag, nachdem die gelernte Bürokauffrau eine Vermisstenanzeige in den sozialen Medien veröffentlicht hatte, meldete sich eine Frau, die den Graupapagei gesehen haben will. „Sie hat Johnny bei der Kreuzung Cham-Mitte neben der Quadfeldmühle auf einer Leitplanke sitzen sehen, aber als sie umgedreht ist, war er schon wieder weg“, berichtet Potrzebski, die die Angaben der Frau für glaubhaft hält. „Die Frau kennt Graupapageien, weil ihr Onkel auch welche hat; ansonsten kann man sie schon auf den ersten Blick leicht mit Tauben verwechseln“, weiß Potrzebski.

Überleben in freier Natur

Dabei sind die grauen Vögel mit ihren knallroten Schwanzfedern eigentlich schon sehr markant. Auf der Terrasse in Zifling-Bierl sitzt Schnuffel in einem Kordelring und lässt sich in der leichten Brise hin- und herschaukeln. „Johnny schaut genauso aus, nur ein bisschen größer und viel wuchtiger“, beschreibt Manuela Potrzebski ihren geliebten Vogel. „Nach so vielen Jahren hängt dein Herz natürlich an dem Viecherl“, sagt sie. Und tröstet sich damit, dass Johnny jetzt im Sommer wenigstens eine gute Überlebenschance in der Natur hat. „Es ist warm, und es gibt eigentlich schon viel Nahrung in der Natur“, sagt sie.

Vermisst ihren Freund: Timneh-Papagei Timmy. - Foto: Tanja Fenzl

Auf der anderen Seite sorgt das üppige Grün an den Bäumen und Sträuchern natürlich auch für eine gute Deckung für Johnny. „Man wird ihn nur schwer sehen“, befürchtet sie.

Auch ihr Mann Peter hofft noch immer, dass der Vogel wieder auftaucht, sagt er, ehe er kurz zu einer Besorgung fährt. „Tschüß“, sagt er zu seiner Frau, und auf einmal tönt es kehlig aus Richtung Schnuffel: „Servus“. „Wenn wir das Haus verlassen, fragen uns die Vögel oft: Hast du den Schlüssel dabei?“, verrät Potrzebski.

Graupapageien sind unglaublich stimmbegabt und können gut sprechen und singen lernen. „Auch Johnny plappert ziemlich viel, wenn er gerade entsprechend gelaunt ist“, sagt Potrzebski.

Küsschen: Manuela Potrzebski hofft, dass sie Johnny zurückbekommt. - Foto: Manuela Potrzebski

Johnny singt Queen-Hit

Zum Repertoire ihrer Vögel gehören Lieder wie „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, Queen-Klassiker „We will rock you“ oder Schlager wie „Fiesta Mexicana“. „Ich weiß eigentlich oft gar nicht, wo die Vögel das herhaben, man muss aufpassen, was man in ihrer Gegenwart sagt“, lacht Potrzebski bei aller Trauer über ihren abwesenden Vogel. „Da kommen dann schnell auch peinliche Wörter“, sagt sie. „Was soll das?“, oder „Du schon wieder“, fallen ihr spontan ein. „Schnuffel kann auch Hände hoch sagen und lässt dann einen Schuss ertönen“, zählt sie auf. „Johnny sagt oft ,Mein Schatz’.“

Sichtung: An dieser Stelle will eine Chamerin Johnny einen Tag nach seinem Verschwinden gesehen haben. - Foto: Manuela Potrzebski

Derweil macht Schnuffel den Terrassentisch unsicher, klaut ein Foto vom Tisch und zieht mit seinem Schnabel die Zuckerschachtel herum. Weil er sich wohl aufgrund früherer traumatischer Erfahrungen immer wieder auf der linken Seite die Schwungfedern ausrupft, kann Schnuffel nicht fliegen und darf dafür oft ins Freie. „Johnny und Timmy sind drinnen oft unterwegs, klettern die Treppe hoch und schauen dann vom Treppengeländer auf uns herunter“, erinnert sich die Papageienbesitzerin wehmütig und krault Schnuffel am Kopf. „Es wäre schon schön, wenn wir Johnny wieder kriegen würden.

Handzahm: Die Graupapageien der Potrzebskis sind sehr zutraulich. - Foto: Tanja Fenzl

■ Ergänzung: Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns ein Anruf einer Frau aus Berlin. Sie hat im Internet unser Video von dem vermissten Papagei entdeckt und in einer Facebook-Gruppe von Papageienliebhabern gesehen, dass eine Frau in Österreich einen erschöpften Graupapagei gefunden hat.

Ob es sich dabei um Johnny handelt, wird sich in den kommenden Tagen herausstellen, denn der Vogel sei beringt gewesen, meint die Berlinerin Caro Rickert, und inzwischen in einer Veterinärklinik untergebracht. Übrigens: Auch in Pilsting in Landkreis Dingolfing-Landau ist seit einigen Wochen ein Graupapagei abgängig. Bruce wird ebenfalls verzweifelt gesucht. Vielleicht ist die Flucht eines der beiden bayerischen Graupapageien jetzt in Österreich zu Ende gegangen.

■ Wer Johnny gesehen hat, kann sich gerne bei unserer Redaktion unter Tel. (09971) 852215 melden; wir geben den Hinweis gerne weiter.

- Foto: Manuela Potrzebski
- Foto: Manuela Potrzebski
- Foto: Manuela Potrzebski