Wirbel um „Riesenwels“ in Mittelfranken: Aggressive Waller auch in Regensburger Gewässern?

Besteht für Badegäste in der Region rund um Regensburg eine Gefahr durch aggressive Fische? Nach den Meldungen über den „Riesenwels“ aus dem mittelfränkischen Brombachsee machen sich wohl so einige Schwimmer Gedanken. So schätzen Angler und die Polizei die Lage ein.
Für Badegäste in der Region, die seit den Meldungen über den „aggressiven Riesenwels“ aus dem mittelfränkischen Brombachsee Bedenken haben, ins Wasser zu gehen, gibt es gute und schlechte Nachrichten. „Tatsächlich gibt es auch bei uns viele Welse“, bestätigt Markus Kleemann, 2. Gewässerwart beim Anglerbund Regensburg, die Befürchtung von wohl so einigen Schwimmern. Er sagt aber auch: „Eine Gefahr für den Menschen sind diese Fische in der Regel nicht.“
Raubfisch fühlt sich überall wohl
Von aggressiven Welsen oder anderen Fischarten, die im Landkreis schon einmal einen Badegast attackiert haben, weiß er nichts. „Schauermärchen gibt es immer“, sagt er. „Aber ich denke nicht, dass man sich Sorgen machen muss.“ Was dagegen schon einmal passieren könne, ist, dass man sich erschreckt, wenn beim Schwimmen im kühlen Nass plötzlich ein großer Wels, auch Waller genannt, auftaucht.
Denn ob in der Donau, im Almer Weiher oder auch im Guggenberger See: Wohlfühlen würde sich der Raubfisch, der ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammt, in unseren heimischen Gefilden eigentlich so gut wie überall. „Der Waller ist wärmeliebend und sehr unempfindlich. Auch verunreinigte Gewässer machen ihm wenig aus. Er ist einer der Gewinner des Klimawandels“, erklärt der Gewässerwart. Gefangene Waller in der Region seien in der Regel zwischen 40 Zentimetern und 1,5 Meter groß, so die Erfahrung Kleemanns. Misst ein Exemplar wie der erlegte Wels aus dem Brombachsee zwei Meter, handle es sich „eher um einen Ausnahmefisch“.
Fische mit empfindlichen Sinnesorganen
„Für das Ökosystem ist es nicht förderlich, wenn es in einem Gewässer sehr viele Welse gibt“, sagt er noch. Für andere Arten, darunter auch Barbe, Zander, Karpfen und Schleie, würde es zum Problem werden, wenn sich zu viele Welse im Wasser tummeln. „Deshalb ist es sinnvoll, dass Angler bereits kleinere Waller entnehmen.“
Zu einem Angriff auf Badegäste, wie es laut den Berichten am Brombachsee passiert ist, komme es vermutlich nur, wenn der männliche Fisch das Gelege verteidigen will, ist die Einschätzung Kleemanns. Der wummernde Bass des Festivals, das an dem See stattgefunden habe, könne das Tier zusätzlich gereizt haben. „Welse haben empfindliche Sinnesorgane und reagieren stark auf Druckwellen.“
Verwunderung über das Vorgehen in Mittelfranken
Verwundert über das Vorgehen in Mittelfranken zeigt sich Marco Jakob, 1. Vorsitzender des Anglervereins Neutraubling. „Ich verstehe nicht, warum der Bereich nicht für die Brutzeit abgesperrt worden ist“, sagt er. „Meiner Meinung nach wäre das eine Aktion für den örtlichen Anglerverein gewesen.“
Auch, dass der Fisch, der schließlich von der Polizei getötet worden ist, 90 Kilogramm gewogen haben soll, überrascht ihn. Vor drei Jahren, so erzählt Jakob, habe er selbst in der Donau einen Waller mit einer Größe von 1,75 Meter gefangen – dieser habe 35 Kilo gewogen. „Ein Gewicht von 90 Kilogramm erscheint mir unrealistisch“, sagt er.

Waller erreichen beträchtliche Größe
Wie sein Kollege aus dem Anglerbund Regensburg kann auch Jakob bestätigen, dass der Waller in der Region stark verbreitet sei. Der Fisch komme in den Flüssen und Gewässern im Landkreis gut zurecht. „Eigentlich ist da alles drin, von A wie Aal bis Z wie Zander“, sagt er. „Der Waller ist darin der größte Fisch. Er kann auch in stehenden Gewässern eine beträchtliche Größe erreichen.“
Grundsätzlich hätten Fische allerdings „mehr Angst vor uns als wir vor ihnen“, stellt Jakob klar. Heimische Fische seien in der Regel nicht aggressiv – und auch das eigene Nest würde nur vor anderen Fressfeinden bewacht werden. „Und selbst wenn ein Waller einen Menschen beißen würde: Die Zähne sind so klein, dass es sich auf der Haut eher wie Schleifpapier anfühlt“, so Jakob.
Wels-Angriffe in der Region? Das sagt die Polizei
Davon, dass es in der Region schon einmal zu Wels-Angriffen auf Badende gekommen sei, weiß auch das Polizeipräsidium Oberpfalz nichts. „Zumindest aus den letzten zwei Jahren ist kein gleich gelagerter Fall wie der in Mittelfranken bekannt“, sagt Sprecherin Corinna Wild.
Eine Situation wie die am Brombachsee müsse „immer im Einzelfall bewertet werden.“ Generell sei es aber immer richtig, die 110 zu wählen und die Polizei hinzu zu ziehen, wenn eine Gefahrenlage bestehe, sagt sie.