Nach Waller-Angriff: Was schwimmt eigentlich alles in Bayerns Badeseen?

Von Daniela Laitinen · 27. Juni 2025 um 11:00

Die Waller-Attacke im Brombachsee im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen hat bayernweit für Schlagzeilen gesorgt. Dabei sind Waller nicht die einzigen großen Fische, die sich in den Gewässern im Freistaat tummeln. Wir haben beim Bund Naturschutz nachgefragt, welche Tiere sich hier sonst noch so tummeln.

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Jeder, der in einen Badesee springt, weiß: Das Gewässer dient nicht nur uns Menschen zum Baden, sondern ist auch Lebensraum für diverse Tierarten. Etwa den Waller, auch bekannt als Europäischer Wels. Ein etwa 90-Kilo-Exemplar sorgte kürzlich in Mittelfranken für Aufregung. Im Brombachsee attackierte er mindestens fünf Badegäste und wurde schließlich von einem Polizisten erschossen. So ein Verhalten ist äußerst unüblich für einen Waller, gilt der Raubfisch doch eher als scheu, sagt die Polizei.

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Der Waller - größter Raubfisch im europäischen Binnengewässer

Der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zufolge sind Welse in der Dämmerung und nachts aktiv, halten sich eher in tieferem Wasser und gut versteckt auf. Nur während der Laichzeit von Mai bis Juni könne es zu Attacken auf Badende kommen. Genau das wird als Ursache für den Vorfall im Brombachsee vermutet. Welse können bis zu 80 Jahre alt, rund 100 Kilogramm schwer und bis zu zwei Meter lang werden. Sie gelten daher als größte Raubfische in den Binnengewässern.

Der Waller ist der größte Raubfisch in den deutschen Binnengewässern. - Foto: IMAGO/imageBROKER/Rolf von Riedmatten

Aber sie sind nicht die einzigen Bewohner der bayerischen Seen und Weiher. Von Stefan Ossyssek, Gewässerbiologe im Referat Arten und Naturschutz beim Bund Naturschutz in Bayern, erfahren wir, welchen weiteren Tieren man im erfrischenden Nass begegnen kann.

Der Hecht - noch ein Raubfisch in Bayerns Seen

Dem Hecht gefällt es ebenfalls in den bayerischen Badeseen. Auch er zählt zu den Raubfischen. Dass er aber Menschen anfällt, ist so gut wie ausgeschlossen. Er ist mit bis zu einem Meter kleiner als der Waller und weniger wuchtig. Leicht zu erkennen ist er an seinem länglichen Maul, der an einen Entenschnabel erinnert. Aber im Gegensatz zum Waller, der gerne in die Tiefe abtaucht, bevorzugt der Hecht die schilfreichen Zonen in Nähe des Ufers, weil er dort die meiste Beute findet: Frösche, Vögel, kleine Säugetiere und Artgenossen. Der Mensch zählt definitiv nicht dazu.

Der Hecht treibt sich gerne in den ufernahen Arealen der Badeseen herum. Menschen greift er dabei aber nicht an. - Foto: IMAGO/imageBROKER/Rolf von Riedmatten

Der Karpfen - friedlicher Schwimmgeselle

Fast ebenso imposant wie Hecht und Waller können Karpfen werden. Aber sie sind Friedfische, ernähren sich vor allem von Plankton oder Kleingetier wir Larven, Schnecken und Würmern. Karpfen lieben das warme, flache Süßwasser, ihnen kommt der Klimawandel mit den immer heißer und längeren Sommern zugute. Trotzdem sind die meisten Karpfen, die in den bayerischen Badeseen und Weihern zu finden sind, vom Menschen ausgesetzt - oder ihre Vorfahren. Die Wildform des Karpfens indes steht schon auf der Roten Liste, gilt aber noch nicht als gefährdet, sagt Stefan Ossyssek. Der Karpfen habe bislang noch den Status „Vorwarnliste“.

Der Karpfen ist trotz seiner imposanten Erscheinung ein friedlicher Fisch in den bayerischen Seen. - Foto: Imago

Neben Waller, Hecht und Karpfen gibt es aber in den bayerischen Gewässern auch jede Menge kleinerer Fischarten. In den laut Landesfischereiverband 200 natürlichen und zahlreichen künstlich angelegten Seen und rund 100.000 Kilometern fließenden Gewässers tummeln sich rund 70 Fischarten. Beim Baden in den bayerischen Seen begegnen uns davon vor allem Rotaugen und Rotfedern, weiß Ossyssek.

Aber nicht nur Fischen bietet das Wasser der Badeseen in Bayern Lebensraum. Wer ins kühle Nass abtaucht, kann auch auf weitere Tierarten treffen.

Auch Schlangen schwimmen gerne im Badesee

Zum Beispiel Schlangen. Schlängelt sich ein solches Reptil an der Wasseroberfläche durch Algen, Schlingpflanzen und Seerosenblätter, dann ist das mit größter Wahrscheinlichkeit eine Ringelnatter. Sie ist eine der wenigen Schlangen, die schwimmen kann. Und wie alle in Mitteleuropa heimischen Natter-Arten ist sie für den Menschen völlig ungefährlich, bestätigt der Gewässerbiologe.

Eine Ringelnatter schwimmt in einem Badesee bei Deggendorf. - Foto: privat

Viele heimische und zugewanderte Krebse

In den bayerischen Badeseen gibt es auch jede Menge Krebsarten. Viele heimische wie der Edelkrebs oder der Steinkrebs, sind auch in Flüssen anzutreffen. Invasiv verbreitet sich hierzlande der aus Nordamerika stammende Kamberkrebs. Er ist bereits in Mitteleuropa die am häufigsten vorkommende Krebsart. Da er als Überträger der so genannten Krebspest gilt, gegen die er selbst aber immun ist, sorgt sein Auftreten für das Verschwinden anderer Krebsarten. In Süddeutschland ist er zwar ebenfalls auf dem Vormarsch, aber noch nicht so weit verbreitet.

Der aus Nordamerika stammende Kamberkrebs ist auf dem Vormarsch und gefährdet die heimischen Krebsarten. - Foto: IMAGO/imageBROKER/Rolf von Riedmatten

Amphibien verschwinden zunehmend

Außerdem in den bayerischen Seen und Weihern zuhause: Amphibien, also Kröten, Frösche und Lurche. 20 Arten gibt es davon in Bayern, von denen mehr als die Häfte, genau zwölf, bereits als bedroht gelten, sagt Ossyssek. Eine Art gilt sogar schon als ausgestorben oder verschollen, drei sind vom Aussterben bedroht, fünf stark gefährdet und drei gefährdet. Alle Amphibienarten in Bayern, abgesehen vom Alpensalamander (nicht gefährdet), brauchen die heimischen Gewässer für das Ablegen ihres Laichs, also für die Fortpflanzung.

Zwei Erdkröten in einem Badesee in Bayern. Sie zählen zu den 20 Amphibienarten in Bayern, von denen zwölf schon als sehr gefährdet gelten. - Foto: IMAGO/imageBROKER/Anette Jäger

Dass ein Fisch im Binnengewässer Menschen attackiert, ist für Ossyssek neu: „So etwas habe ich noch nie gehört.“ Aber am Beispiel der Amphibien sieht man deutlich, so der Gewässerbiologe, dass eigentlich die Tiere viel mehr Angst haben müssen als der Mensch von den Tieren in Badeseen. „Zweibeinige Badegäste im Lebensraum der Fische, Schlangen, Krebse und Amphibien lösen bei denen nicht nur Stress aus, sondern sorgen etwa durch Sonnencreme und sonstigen Müll für eine Gewässerverunreinigung, die für viele Arten tödlich sein kann.“