Traditionsgeschäft schließt: Kein Nachfolger für Parsberger Juweliergeschäft Hofmaier

Nach 36 Jahren schließen Ira und Karl Hofmaier ihr Uhren- und Schmuckgeschäft in Parsberg. Zwischen leeren Regalen, Erinnerungen an treue Kunden und Vorfreude auf den Ruhestand blicken sie zurück auf ein bewegtes Berufsleben – und auf eine ganz besondere Familiengeschichte rund um Zeitmesser, Handwerk und Herzblut.
„Es war eine schöne Zeit, wir hatten viele treue und nette Kunden“, sagte das Ehepaar Ira und Karl Hofmaier vom Uhren- und Schmuckgeschäft Hofmaier an seinem letzten Arbeitstag. Die Schubladen in den Ausstellungsschränken und die Regale im Schaufenster sind leer, nur noch einzelne Großuhren zieren die Wand, während Tochter Melanie gerade dabei ist, die Dekostücke in die Kiste zu packen.
Ein Jahr lang war man auf Suche nach einem Nachfolger, berichtet die 68-jährige Ira Hofmaier, und nicht einer habe Interesse gezeigt, das Traditionsgeschäft wenigstens einmal anzuschauen. Auf der einen Seite traurig, denn schließlich habe man 36 Jahre gerne den Laden geführt, freue sich das Ehepaar nun aber dennoch auf seinen Ruhestand.
Morgen schnüren wir die Wanderschuhe und ab geht es zum Wandern.
Karl Hofmaier
Den wolle man gesund genießen. „Morgen schnüren wir die Wanderschuhe und ab geht es zum Wandern“, ergänzt Karl Hofmaier, bevor seine Frau einen Blick in die Geschichte des Familienbetriebes rund um Uhren und Schmuck gewährt.
„Ein Bayer trifft eine Preußin“
Wann genau Karl Hofmaier senior mit einem Uhrenladen begann, wisse sie nicht mehr genau. Man schätzt so 1953 in einem kleinen Raum in der Marktstraße, in dem Haus vom jetzigen Eigentümer Roman Zitzelsberger.
Als Jugendlicher war der mittlerweile 68-jährige Karl Hofmaier schon täglich im Keller des Hauses, um Großuhren und Wecker zu reparieren, und so war es damals ganz klar, die Uhrmacherschule in Pforzheim zu besuchen, um später den väterlichen Betrieb zu übernehmen.
Bevor der Parsberger aber nach verkürzter Lehrzeit mit einem Gesellenbrief nach Hause kehrte, lernte der Junior die junge Ira aus dem preußischen Wolfenbüttel kennen, die ebenfalls das Uhrmacherhandwerk lernte. „Ein Bayer trifft eine Preußin“, ergänzt Ira Hofmaier lachend, und so wurde aus ehemaligen Schülern ein Paar mit dem selben Beruf und dem selben Ziel, nämlich Uhren zu reparieren und in Sachen Schmuck Kunden zu beraten.
Große Nachfrage nach Uhren und Schmuck
Doch bis Hofmaier senior 1989 das Geschäft in dem Gebäude von Willi Schmid übergab, durchlief das Paar viele Stationen. „Zuerst war ich 15 Monate bei der Bundeswehr“, sagt Karl Hofmaier, während seine Partnerin die ersten Gesellenjahre beim Juwelier Riebel in Regensburg tätig war. Ein knappes Jahr waren beide anschließend in Konstanz bei einer Werkstatt für Uhrengeschäfte angestellt, bis der Vater seinen Sohn bat, wieder nach Parsberg zu kommen.
Die Nachfrage nach Uhren und Schmuck war und ist heute noch groß, und so baute das seit 1983 verheiratete Paar seine Zukunft in Parsberg auf. Während Ira Hofmaier noch viele Erfahrungen im Bereich Verkauf und Reparaturen bei anderen Firmen sammeln konnte, arbeitete sie sich tageweise langsam in das Familiengeschäft ein. „Im Jahr 2001 konnten wir die jetzigen damals neugestalteten Räume beziehen“, freut sich Ira Hofmaier noch heute.
Nicht nur die Ausstellung mit der kleinen Werkstatt für Batteriewechsel im Nebenzimmer werde sie vermissen, sondern die durchwegs netten und treuen Kunden.
Kinder gehen andere Wege
„Nicht zu vergessen unsere Elisabeth Skalet“, so Ira Hofmaier, die ebenfalls 36 Jahre das Paar in ihrer Selbstständigkeit unterstützte, und es dadurch auch möglich war, einige Tage zu verreisen.
Mit Blick auf ihrer Tochter Melanie ergänzt Ira Hofmaier stolz, dass die Tochter wie auch Sohn Alexander zwar die Uhrmacherschule in Pforzheim besucht haben, aber dennoch andere Wege gehen. Während Alexander als bester Geselle Deutschlands seinen Abschluss gemacht hatte und die Meisterausbildung gesponsert bekam, sei er nunmehr in Dresden im Bereich Manufaktur tätig.
Ehepaar geht in Ruhestand
Tochter Melanie lernte das Goldschmiedehandwerk und hat ihre Eltern mit ihrem Wissen auch unterstützt. Allerdings liebe sie das Reisen, so dass sie öfters in Argentinien ist und damit als Nachfolger für den elterlichen Betrieb nicht in Frage kam.
Da gebe es noch von Alexander die Enkelin Nami, die mit neun Jahren zwar Interesse an dem Handwerk bekundete, aber solange wollen die Eheleute Hofmaier dann doch nicht mehr warten, lacht Karl Hofmaier.
Auch er freut sich nunmehr auf die Jahre mit der Gattin, auf Reisen nach Argentinien, nach Dresden und in die Berge. „Mit Rucksack, aber ohne Uhr“, sagen beide lachend.
Und so, wie die letzten Kunden noch schnell für einen Batteriewechsel an den Armbanduhren ins Geschäft kamen und dabei noch das eine oder andere Schmuckstück von Hofmaier kauften, sind sich beim Ausräumen der Geschäftsräume das Paar wieder einig.
„Diese Standuhr bekommt einen besonderen Platz in unserem Haus“, alle anderen noch verbliebenen Schmuckstücke und Uhren werden von einem Geschäftskollegen übernommen.
Man brauche nichts wegschmeißen oder einschmelzen, lediglich der eine oder andere Schrank oder die Vitrine suche noch einen Käufer. Zu guter Letzt verrät auch der Vermieter Willi Schmid, dass es schon einen Nachfolger für die Räume in der Marktstraße gibt: „Tom und Nadine machen eine Fahrschule auf.“